Straubing fegt Augsburg vom EisToreschießen leicht gemacht

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Lange Gesichter hingegen bei den Gästen. Deren Kapitän Steffen Tölzer gesteht: „Wir waren nicht über 60 Minuten bereit zu 100 Prozent mitzugehen.“

Bereits das erste Drittel ging deutlich an die Mitchell-Truppe, die von Anfang an klarmachte, wer Herr im Haus ist. Die Gäste hatten nur in Überzahl und nach Kontern ihre Chancen. Straubing hingegen zeigte zum Teil Highspeed-Eishockey und wurde mit der Führung nach dem Eröffnungsabschnitt belohnt. Augsburgs Coach Mike Stewart sagt dazu: „Ich glaube, unser Start im ersten Drittel war nicht optimal. Straubing war bissiger und schneller. 0:1 hinten ist nie gut, aber auswärts okay, damit haben wir leben können.“

Augsburg war der Wille zum Ausgleich deutlich anzumerken, daran lag es nicht. Steffen Tölzer sagt: „Nein, definitiv nicht. Wir wollten. Aber die haben auch Tore geschossen, die schießt man nicht jeden Tag. Egal wie die geschossen haben, er ging rein.“ Plötzlich ging es Schlag auf Schlag, „Im zweiten Drittel gab es einen Fehler nach dem anderen. Straubing hat das eiskalt ausgenutzt“, erinnert sich der Gästecoach. Straubing spielte und setzte sich immer mehr ab, während bei Augsburg nicht nur bei Ben Meisner die Hände zitterten. Auch der nach dem 4:0 für Meisner eingewechselte Jeff Deslauriers  fügte sich mit zwei kapitalen Fehlgriffen ein. Tölzer  gibt aber keinem der Kepper die Schuld: „Das ist ein Teamsport. Blocken wir besser, kommt der Schuss gar nicht an.“ Nach 40 Minuten war klar, wer als Sieger vom Eis gehen würde. Es war aber nicht die Mannschaft mit der besten Offensive der Liga, sondern die Straubinger, die mit 7:0 das nächste Päuschen machten. Für Straubing ein perfektes Drittel? Kapitän Sandro Schönberger meint: „Natürlich, wenn du in einem Drittel sechs Tore schießt, ist das Wahnsinn. Da hat einfach alles funktioniert.“ Auch Alex Dotzler findet: „Ja, ich denke schon. Da kann man wenig finden, das nicht so gut war. Dass wir sechs Tore in einem Drittel schießen, haben wir ja auch noch nicht so oft gehabt. Wir haben unsere Chancen gut genutzt und haben defensiv nicht viel zugelassen.“ Gästekapitän Tölzer muss gestehen: „Sechs Tore zu kassieren, ist eine heftige Nummer – aber wenn man bei den Basics Fehler macht. Straubing ist ein gutes Team, die haben heute ein gutes Spiel abgeliefert. Wir waren nicht über 60 Minuten bereit, zu 100 Prozent mitzugehen.“ Für Augsburg das schlechteste Drittel der Saison? Zumindest Alex Polaczek sieht das so: „Mit Sicherheit. Bei sechs Gegentoren kann man wenig Positives rausholen.“

Während die halbe Augsburger Mannschaft den Rest der Begegnung über sich ergehen ließ, zeigte die andere Hälfte Moral und konnte per Doppelschlag in Überzahl wenigstens noch etwas Kosmetik betreiben. Mike Stewart nimmt das wohlwollend zur Kenntnis: „In den letzten zwanzig Minuten haben die Jungs ein bisschen Moral gezeigt und besser gearbeitet, aber eine Eishockeypartie dauert 60 Minuten.“ Auch Alex Polaczek  findet darin etwas Gutes: „Wir haben das letzte Drittel gewonnen, das gibt uns vielleicht auch ein bisschen Schub. Das macht Mut für Sonntag.“ Die Tigers nahmen jedoch einiges an Gas aus der Partie und bereiten sich schon auf das Sonntagsspiel vor. Allerdings war Straubings Coach Larry Mitchell nicht erfreut über die zu vielen Strafen im Schlussdrittel: „Mit dem 7:0 nach 40 Minuten wollten wir natürlich für Matt Climie alles tun, aber mit vier zum Teil unnötigen Strafzeiten haben wir uns das Leben selber schwer gemacht.“ Der schwäbische Anhang machte indes weiter Stimmung und ließ sich auch von der deftigen Niederlage nicht den Spaß verderben. Das nahmen auch die Augsburger Spieler wahr. Polaczek erinnert sich: „Unsere Fans machen schon das ganze Jahr eine Super-Stimmung. Die unterstützen uns in guten wie in schlechten Zeiten. Heute haben sie bewiesen, dass sie zu den Besten der Liga gehören. Das gibt es nicht oft, dass du sechs Tore bekommst und du angefeuert wirst. Heute haben sie das Debakel sehen müssen, aber sie wissen, dass auch wieder andere Tage kommen.“

Auffällig war heute, dass Matt Climie die Scheibe noch schneller ins Spiel bringen wollte als sonst und dass die Straubinger besonders schnell agierten. Schönberger kommentiert das so: „Matt versucht immer, so schnell wie möglich zu spielen. Ich glaube, das ist am besten für die Verteidiger und das Spiel. Wir wussten, dass die Augsburger im Angriff sehr stark sind, darum mussten wir schnell umschalten.“ Sandro Schönberger freut sich weiter: „Es war ein sehr wichtiger Sieg für uns. Heute hat alles geklappt, was du dir sonst lange erarbeiten musst. Aber ich glaube, das haben wir uns verdient. Nichts desto trotz gibt es nur drei Punkte. Das war der erste Schritt, jetzt haben wir ein ganz wichtiges Spiel am Sonntag.“ Er ging mit einer Schulterverletzung in die Partie, biss jedoch auf die Zähne und sagt nach dem Spiel mit einem Lächeln dazu: „Hat mich schon ein wenig beeinträchtigt, aber die 60 Minuten musst du einfach Gas geben und dann darfst du dir nach dem Spiel einen Eisbeutel drauf legen.“ Alex Dotzler fasst das Spiel so zusammen: „Wir haben gewusst, was uns erwartet. Larry hat uns gut vorbereitet. Wir haben einfach versucht, defensiv  gut zu stehen, das hat gut funktioniert. Wir haben versucht, die Scheibe aus unserem Drittel raus zu halten und mehr in deren Drittel zu spielen.“ So einfach kann Eishockey also sein.

Keinen Spaß hatte heute Steffen Tölzer, der sich das Spiel anders vorstellte: „Definitiv. Wir wollten drei Punkte mitnehmen. Das war heute ein sehr, sehr schweres Spiel für uns. Straubing hat einfach die Kleinigkeiten richtig gemacht und im richtigen Moment die Tore geschossen.“ Nach der deftigen Klatsche sucht sicher nicht nur Alex Polaczek nach Gründen: „Vielleicht waren wir uns durch die letzten Spiele, die wir gut gespielt haben, zu sicher. Vielleicht haben wir geglaubt, es geht von alleine so weiter, aber man sieht, wenn man sich in der Liga nur zwei Minuten eine Auszeit nimmt, dann geht das nach hinten los.“

Mike Stewart gesteht ein: „Straubing hat mehr Zweikämpfe gewonnen und war ein bisschen hungriger, deshalb glaube ich, haben sie verdient gewonnen.“ Larry Mitchell hingegen will die Kraft konservieren: „Wir wollen diesen Schwung nach Krefeld und Mannheim mitnehmen.“

Tore: 1:0 (15.) Sean O`Connor (Michael Connolly), 2:0 (23.) Austin Madaisky (Ryan Bayda, Michael Connolly), 3:0 (29.) Sandro Schönberger (Dylan Yeo, Thomas Brandl), 4:0 (31.PP) Austin Madaisky (Dylan Yeo, Michael Connolly), 5:0 (33.) Sandro Schönberger (Martin Hinterstocker, Dylan Yeo), 6:0 (35.SH) Steven Zalewski, 7:0 (38.) Thomas Brandl (Sandro Schönberger, Maury Edwards), 7:1 (47.PP) Andrew LeBlanc (Thomas Holzmann, Adrian Grygiel), 7:2 (47.PP) Adrian Grygiel (Evan Oberg, Andrew LeBlanc).

Schiedsrichter: Eric Daniels, Daniel Piechaczek; Linienrichter: Markku Büse, Stefan Velkoski.

Strafen: Straubing 16, Augsburg 10.

Zuschauer 4.620.