Straubing besiegt an Halloween den FluchStraubing - Berlin 5:3

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Verteidiger Andy Canzanello meint daher auch: „Der Stein, der uns vom Herzen gefallen ist, ist groß, aber wir waren auch die letzten Spiele immer dicht dran. Es hilft natürlich, dass wir ein volles Line-up hatten, und Cash spielte großartig. Es war ein großer Sieg.“ Aber es war anders als die letzten Wochen. Vor allem auch deshalb, weil die Tigers nicht von Beginn das spielbestimmende Team waren. Gleich in den ersten Sekunden hatten die Gäste ihre erste Chance, doch ein Tor gelang den Hauptstädtern nicht. Anders die Niederbayen, die ihre bis dahin dickste Chance in der 17. Minute hatten, als Rückkehrer Blaine Down einen Penalty zugesprochen bekam, diesen jedoch nicht verwerten konnte. Wenig später war René Kramer jedoch nicht zu stoppen, weder mit fairen, noch mit nicht ganz so fairen Mitteln. Er tankt sich hinter dem Tor durch, spielt ab und bekommt die Scheibe postwendend vor dem Tor zurück. Sein Torjubel wirkte wie eine Erlösung. Für die Tigers galt es nun, die Führung zu halten und nicht wie in letzter Zeit wieder schnell abzugeben.

In die Drittelpause haben es die Straubinger geschafft, doch wenige Minuten nach Wiederbeginn erzielte André Rankel den Ausgleich. Trotzdem meint Berlins Coach Jeff Tomlinson: „Wir sind im zweiten Drittel sehr schwer reingekommen.“ Diesmal berappelten sich die Tigers schnell, schüttelten sich kurz und waren im Mitteldrittel die bessere Mannschaft. „Wir haben heute zu viele mentale Fehler gemacht“, sagt Tomlinson, dessen Team Straubings Aufschwung durch zwei Strafen unterstützte. Dylan Yeo brachte in doppelter Überzahl Straubing zum zweiten Mal in Front. Richtig groß wurde der Jubel, als Blaine Down drei Minuten später nachlegen konnte. Dieser sagte nach dem Spiel: „Ich bin froh, dass ich früher als erwartet zurück bin und dem Team helfen kann. Wir haben heute 60 Minuten eine gute Teamleistung gezeigt.“ Berlin betrieb viel läuferischen Aufwand, der jedoch nicht belohnt wurde. Ein Tor hätte nur durch einen Glücksschuss fallen können. Man hatte nicht das Gefühl, dass die Eisbären in dieser Phase treffen können. Fast hätte Straubings letzter Neuzugang Nicolas Deschamps auch gleich sein erstes DEL-Tor beigesteuert, doch sein Schuss aus sehr spitzem Winkel ging vom Innenpfosten raus statt rein. 

Sein Tor machte er im Schlussdrittel und spätestens mit dem Treffer von Sacha Treille war klar, dass die Hausherren ihre Negativserie beenden werden. In den Schlusssekunden konnten Frank Hördler und Marcel Noebels zwar noch verkürzen, was Jeff Tomlinson positiv vermerkte: „Ich bin froh, dass die Jungs nicht aufgegeben haben, das war zum Schluss etwas Ergebniskosmetik, mehr nicht.“

Berlin hat sich bis zum Spielende tapfer gewehrt, doch die Probleme in der Hauptstadt werden nicht weniger, denn: „André Rankel hat sich heute verletzt, das ist der sechste Stammspieler. Er hat eine Unterkörperverletzung. Was es ist, wissen wir nicht genau. Wir gehen davon aus, dass er am Sonntag auch nicht spielen kann“, berichtet Tomlinson. Straubings Coach Rob Wilson ist nach dem Spiel erleichtert: „Nach einer langen Zeit gewonnen. Der letzte Monat war eine harte Zeit für uns. Die Jungs haben wie die letzten Wochen auch wirklich sehr hart gearbeitet und sich den Sieg heute wirklich verdient.“ Besonderes Lob bekam auch Jason Bacashihua: „Ich bin stolz auf Cash, er hat heute einige große Saves gehabt und war da, als wir ihn brauchten.“ Canzanello strahlt über das ganze Gesicht: „Es ist schwer mit vielen Verletzten. Wenn ich an das Wolfsburg-Spiel denke, da haben unsere Verletzten das halbe Stadion gefüllt“, witzelt der Verteidiger. „Es zeigt, wie wichtig es ist, dass man Tiefe im Kader hat. Heute haben alle vier Linien gut gespielt. Berlin spielte heute nicht mit einer vollen Aufstellung, das wussten wir, das wollten wir nutzen.“ Das Rezept für den Sieg gibt er auch preis: „Wir haben heute sehr einfaches Eishockey gespielt, wir haben die Puck aus der eigenen Zone rausgechipt und in die Angriffszone reingechipt, es war fast so wie in der Vorbereitung. Sehr einfach, nichts Spezielles.“

Speziell ist Blaine Down aber immer. Doch die These „Down ist zurück – das Glück ist zurück“ ist Down aber zu einfach: „Oh nein, nichts ist einfach.“ Bei seinem Comeback konnte er gleich zwei Vorlagen und ein Tor beisteuern. Doch sein Comeback ist um einiges früher als erwartet: „Ich habe mit dem Doktor gesprochen, der meinte, dass alles in Ordnung ist, ich werde aber noch zwei oder drei Wochen mit dem Vollvisierhelm spielen.“

Nic Deschamps kam in der Früh an, machte am Abend sein erstes Spiel mit einer Vorlage und einem Tor. Sein erster Eindruck war: „Es ist nicht das größte Stadion, aber es war sehr laut und es ist eng. Ein sehr guter Platz, um Eishockey zu spielen. Die Fans sind großartig, die Mannschaft verliert zehn Spiele in Folge und hier ist das Stadion voll, das ist unglaublich.“

Tore: 1:0 (19.) René Kramer (Sandro Schönberger, Nicolas Deschamps); 1:1 (24.) André Rankel (Jonas Müller, T.J. Mulock); 2:1 (26.PP2) Dylan Yeo (Laurent Meunier, Blaine Down); 3:1 (29.) Blaine Down (Laurent Meunier, Thomas Gödtel); 4:1 (47.) Nicolas Deschamps (Harrison Reed, Thomas Gödtel); 5:1 (59.PP1) Sacha Treille (Blaine Down, Florian Ondruschka); 5:2 (59.) Frank Hördler (Darin Olver, Petr Pohl); 5:3 (60.) Marcel Noebels (Barry Tallackson, James Sharrow).

Schiedsrichter: Gordon Schukies, Florian Zehetleitner; Linienrichter: Andre Schrader, Vladislav Gossmann
Strafen: Straubing 4, Berlin 10
Zuschauer: 4.085

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