Straubing beschenkt sich selbstArbeit schlägt Talent

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Bis zum ersten Powerbreak tat sich nicht viel. Beide Mannschaften zeigten zwar viel Laufarbeit, doch war das oft brotlos. Nach der kleinen Pause wurde es deutlich besser und die Partie nahm Fahrt auf, so dass beide Torhüter nun zu tun hatten. Straubing überstand zwei Strafen und hat sich dann doch selbst bezwungen. Gerade waren die Münchener wieder vollzählig, da schob Scott Timmins die Scheibe nach einem Schuss von Michael Wolf unglücklich ins eigene Tor. Wie so oft in dieser Saison verloren die Niederbayern nun etwas den Zugriff auf das Spiel, doch die Gäste blieben im Aufbau zu unkonzentriert und die niederbayerische Defensive hielt stand.

Ins zweite Drittel starten beide Team recht munter und es entwickeltes ich ein rasantes Derby. Chancen hüben wie drüben. Coast-to-Coast, Run-and-Gun, Einzelleistungen, Kombinationen – von allem etwas. Doch so viel beide Teams auch investierten, so oft scheiterten sie auch an den Goalies. Derek Whitemore erlöste den fiebernden niederbayerischen Anhang. Mit einem Rückhand-Lupfer markierte er den Ausgleich aus kurzer Distanz. Nun wendete sich das Blatt endgültig und minutenlang spielten nur noch die Hausherren. Wie Stadionsprecher Peter Schnettler im Game-Opener auf Videowand jedes Mal fordert, bebte nun der Pulverturm. Vom Anhang angetrieben lief das Spiel oft nur in eine Richtung und die Gäste kamen reichlich unter Druck. Eine Situation für Steve Pinizzotto, der mit hartem Einsatz sein Team vielleicht auch etwas wachrütteln wollte, aber so Straubing in Überzahl brachte. Jeremy Williams nutzte das und brachte die Tigers in Führung. Nun bettelte Pinizzotto förmlich um die Disziplinarstrafe und redete immer wieder auf die Schiedsrichter ein. Diese zeigten sich jedoch noch gnädig. Schon vorher gab es diverse Wortgefechte mit Colton Jobke. Es war eigentlich klar, dass der Münchener früher oder später explodiert. Jobke erinnert sich: „Im zweiten Drittel war es etwas physisch. Ich bin kein super offensiver Spieler, ich spiele physisch und dem stehe den Topspielern des Gegners auf den Füßen, das ist mein Job.“ Weit ab des Spielgeschehens schnappte sich Pinizzotto Jobke und unterschätze diesen. Nach einem kurzen aber viel umjubelten Fight gab es dann aber eine erstaunliche Strafenverteilung. Pinizzotto kassierte 2+10+10, was automatisch eine Spieldauerdisziplinarstrafe zur Folge hat und Jobke ging mit nur zwei Minuten vom Eis. Auch Jobke zeigte sich etwas verwundert, nimmt es aber mit einem Strahlen im Gesicht an und meint: „Ja, die Schiedsrichter haben es gut mit mir gemeint. Das ist das ganze Jahr schon so. Letztes Jahr war ich ja wegen zu vielen Kämpfen gesperrt, aber diese Saison habe ich erst eine Zehn-Minuten-Strafe. Da bin ich sehr glücklich und dankbar drüber.“ Kurz nachdem sich alle wieder beruhig hatten, liefen sich in der Mittelzone zwei Gäste über den Haufen, wodurch hinten ein Verteidiger fehlte. Dylan Yeo nutzte das und stelle ungehindert auf 3:1 zum Drittelpausenstand.

Im Schlussdrittel mussten die Gäste als noch mehr kommen und in der Offensive zulegen, das sollte den Tigers eigentlich entgegenkommen. Und das tat es auch. Matt Smaby machte für zwei Minuten Pause und Scott Timmins glich seinen Bock aus dem ersten Abschnitt aus. Springend, liegend und irgendwie kommt er an die Scheibe und befördert sie über die Linie. Damit war die Vorentscheidung gefallen. Doch der Gästecoach ist nicht irgendwer, sondern Taktikfuchs Don Jackson. Dieser nahm nach einem Straubinger Icing seine Auszeit rund acht Minuten vor Spielende und nahm Goalie Danny aus den Birken für einen sechsten Feldspieler vom Eis. Straubings Coach Larry Mitchell wusste was passiert, als Jackson die Auszeit nahm und berichtet: „Er hat seine Auszeit nicht genommen um uns eine Verschnaufpause zu geben, er wird seinen Torwart rausnehme und wir müssen kompakt spielen. Wir wussten dass Dons Jungs nie aufgeben würden.“ Wenig später nah Dylan Yeo eine Strafe und jetzt standen vier Straubinger sechs Münchnern gegenüber. Kapitän Michael Wolf konnte das nutzen und erzielte den Anschlusstreffer. Allerdings ging dem Treffer ein doch recht deutliches, aber nicht geahndetes Foul voraus. München war es egal und spielte weiter ohne Goalie. Doch diesmal ging die Sache nach hinten los und Jeremy Williams machte das Empty-Net-Tor. Das war aber noch immer nicht der Schlusspunkt. Straubing nutzte auch die letzte Strafe des Spieles und Mike Hedden stellt den Endstand her.

Münchens Coach Don Jackson kommentiert den Abend so: „Wir haben gegen eine hart arbeitende Mannschaft verloren. Unsere Mannschaft war anfangs recht stark, aber im zweiten Drittel haben wir ein paar Fehler gemacht und ein paar Tore bekommen. Straubing hat gut in der Defensive gespielt und ein gutes Spiel gemacht.“ Den Schlüssel zum Straubinger Sieg findet Mitchell in verschiedenen Dingen: „Wir wollten das kontrollieren, was wir kontrollieren können. Wir wollten härter oder zumindest genauso hart arbeiten wie der Gegner. Wir wollten die Zweikämpfe annehmen. Niemand gewinnt alle Zweikämpfe, aber wir wollten sie annehmen. Wir wollten physisch präsent sein und körperbetontes Eishockey spielen. Die letzten Spiele haben wir zu wenig davon gemacht. Ich kann guten Gewissens sagen, dass wir die drei Dinge die wir kontrollieren können, gemacht haben. Das ist unglaublich wichtig für uns.“ Doch noch eine Tatsache lässt den Tigerdompteur zufrieden dreinblicken: „Drei Überzahltore gegen die beste Unterzahlmannschaft der Liga, war sicher mit ein Schlüssel.“ Jerome Flaake versucht zu erklären warum die Straubinger diese drei Powerplay-Tore machen konnten: „Straubing macht das gut im Powerplay, die mache  die Dinger rein. Wir haben die Wege in Unterzahl nicht zugemacht.“ Insgesamt findet er: „Wir haben unsere Chancen einfach nicht verwertet. Straubing hat jede Chance rein gehauen. Haben sie gut gemacht und am Ende hat die Zeit nicht mehr gereicht, um mehr Tore zu schießen.“ Colton Jobke kennt die Qualität den Gegners: „Keine Frage, München ist ein sehr talentiertes Team. Aber die DEL ist eine so enge Liga. Wenn du 60 Minuten Eishockey spielst und dein bestes gibst, hast du immer eine Chance zu gewinnen. Dann ist es egal ob du Erster oder Vierzehnter bist. Heute haben wir 60 Minuten gespielt und uns an den Gameplan gehalten. Jeder hat heute richtig gut gespielt. Das war heute auch der entscheidende Punkt.“ Mit anderen Worten – Hard work beats talent, when talent doesn't work hard.

Tore: 0:1 (16.) Michael Wolf (Konrad Abeltshauser), 1:1 (27.) Derek Whitmore (Dylan Yeo, Mike Hedden), 2:1 (32.PP) Jeremy Williams (Mike Connolly, Derek Whitmore), 3:1 (38.) Dylan Yeo (Scott Timmins, Adam Mitchell), 4:1 (51.PP) Scott Timmins (Maury Edwards, Mike Hedden), 4:2 (54.) Michael Wolf (Konrad Abeltshauser, Yannic Seidenberg), 5:2 (55.EN) Jeremy Williams, 6:2 (57.PP) Mike Hedden (Sean Sullivan, Jeremy Williams).

Schiedsrichter: André Schrader, Gordon Schukies; Linienrichter: Andreas Flad, Thorsten Lajoie

Strafen: Straubing 10; München 10 + 10 + 10 (automatisch Spieldauer) Pinizzotto.

Zuschauer: 4.531.

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