Stefan Ustorf: „Die Liga ist noch besser geworden“

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Unverkennbar leuchtet ein gelber Plastikarmreif am Handgelenk von Eisbärenstürmer Stefan Ustorf. Es ist das Zeichen der vom sechsmaligen Tour de France-Sieger Lance Armstrong ins Leben gerufenen Initiative „Strong Life“, einer Stiftung, die sich vorrangig um an Krebs erkrankte Kinder kümmert. Und Ustorf weiß, was Krebs bedeutet. Seine Frau Jodi, wie Armstrong aus den USA, war ebenso wie der Ausnahmeradsportler daran erkrankt, konnte die heimtückische Krankheit mittels Chemotherapie aber ebenso besiegen. „Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, die von Armstrong ins Leben gerufene Foundation zu unterstützen. Ich leiste gerne meinen finanziellen Beitrag, um den erkrankten Kindern zu helfen und eine Zukunft zu geben.“

Wenn Ustorf über den Gründer der Stiftung spricht, klingt Hochachtung aus seinen Worten. „Was Armstrong als Sportler leistet, ist einfach phänomenal. Doch noch vielmehr bewundere ich den Menschen Lance Armstrong, wie er den Krebs besiegt hat und sich danach wieder zu solchen Höchstleistungen aufschwingen konnte. Das trifft ebenfalls auf die Eishockeyspieler Mario Lemieux und Saku Koivu zu, die nach ihrer schweren Krankheit heute wieder auf hohem Niveau ihren Sport betreiben.“

Womit der Bogen zum Betätigungsfeld von Ustorf gespannt ist. Zwar ist die Situation in keiner Weise mit der von Armstrong oder Koivu zu vergleichen, doch auch der 30-jährige Nationalspieler startet nach einer verkorksten Saison 2003/2004 jetzt in Berlin einen Neuanfang. Das Vorjahr verlief für den 59-maligen NHL-Spieler (Washington Capitals) alles andere als Optimal. Es nahm mit dem undurchsichtigen Rauswurf in Mannheim seinen Anfang, setzte sich über die Station Krefeld, wo es weder im Team noch beim Außenstürmer selbst berauschend lief, fort und fand mit dem weniger befriedigenden Abschneiden der DEB-Auswahl auf der Weltmeisterschaft in Prag sein Ende.

Dies alles soll nach dem Willen von Stefan Ustorf der Vergessenheit angehören. Seine volle Konzentration gilt nun seinem neuen Arbeitgeber in Berlin-Hohenschönhausen. Bei der Wahl des Arbeitsplatzes sei es immer ein Kriterium gewesen, in ein Team zu kommen, welches realistische Titelchancen besitzt, so der zweifache Familienvater. „Die Eisbärenmannschaft hat sich im Vergleich zur letzten Saison kaum verändert. Deshalb sollte es möglich sein, ein Wort bei der Vergabe des Meistertitels mitzusprechen.“ Doch auf den Favoritenschild will der Allgäuer die Eisbären nicht heben. „Die DEL ist im Vergleich zu den letzten Jahren noch ausgeglichener geworden. Es sind im Sommer erneut gute Leute in die Liga gekommen, auch Spieler, die man vielleicht jetzt noch nicht so gut kennt. Dies alles macht den Ausgang des Titelkampfes unberechenbar. Am Ende wird jeder erkämpfte Punkt zählen, egal, ob dieser am ersten, am 30. oder 52. Spieltag eingefahren wird.“

Trotzdem möchte Ustorf natürlich seinen Teil dazu beitragen, dass der EHC Eisbären so lange wie möglich im kommenden Frühjahr auf dem Eis stehen wird. Seine Rolle im Team ist dabei klar umrissen. „Keiner wird von mir 15 Tore erwarten können, dafür haben wir andere Spieler in der Mannschaft. Meine Aufgabe wird es eher sein, in der Defensive einen guten Job zu erfüllen und den vielen jungen Leuten bei den Eisbären zu helfen, sie Stück für Stück an das Berufseishockey heranzuführen.“ Dass die Berliner wie kaum ein anderer DEL-Verein so stark auf die Jugend setzen, imponiert Ustorf. „Ich wünschte, dass ich damals solche Möglichkeiten, wie sie hier in Berlin und auch in Mannheim den Talenten geboten werden, gehabt hätte. Auch wenn in Kaufbeuren zu meiner Zeit sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet wurde, mit den Projekten hier und bei den Jungadlern ist das nicht zu vergleichen.“

Und so freut sich Stefan Ustorf auf die am 17. September beginnende DEL-Spielzeit mit den Berliner Eisbären. Die haben seinen wahren Wert schon längst erkannt. Auch wenn Trainer Pierre Pagé nach dem Pokalspiel in München am Sonntag sein Team darüber abstimmen lassen wird, welcher Spieler sich mit dem Kapitänsamt schmücken darf, so zählt der 94-fache Nationalstürmer für den kanadischen Übungsleiter mit zu den aussichtsreichen Kandidaten für das „C“ auf der Brust. Für Ustorf wäre es kein Neuland, denn sowohl in Mannheim als auch bei der DEB-Auswahl bekleidete er in jüngster Vergangenheit das Kapitänsamt. Auch in Berlin würde er sich da vor dieser Verantwortung wohl kaum drücken. (ml)


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