Sorry, Don Jackson, die Meisterschaft gehört nach Berlin!Warum Hockeyweb-Reporter Ronald Toplak in der DEL-Endspielserie gegen RB München mit den Eisbären fiebert

Zwei Eishockey-Legenden: Don Jackson (l.) und Uwe Krupp. (picture alliance/City-Press)Zwei Eishockey-Legenden: Don Jackson (l.) und Uwe Krupp. (picture alliance/City-Press)
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Die Eisbären Berlin im Finale der Deutschen Eishockey-Liga. Sieben Titel habe ich mit dem EHC gefeiert. Bis tief in die Nacht. Manchmal noch länger. Eigentlich sollte eine Endspielserie für mich Routine sein. So ist es aber nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Ich bin immer noch elektrisiert. Motiviert. Begeistert. Voller Vorfreude. Was kann es für einen Eishockey-Fan, mal abgesehen vom Olympia-Finale im Februar, Schöneres geben?

Ich gebe es zu. Mein Herz schlägt für die Eisbären. Als Berliner sei mir das verziehen. Vor allem als Reporter, der die Eisbären seit annähernd 30 Jahren durch alle Höhen und Tiefen begleitet hat. Vom Prügelknaben der Liga bis zum siebenmaligen DEL-Champion. Der EHC ist in meiner DNA aufgegangen. Inzwischen sogar weitergeleitet, weil ich den Nachwuchs der Familie mit dem Eisbären-Virus infiziert habe. Neutralität, wie für einen Reporter eigentlich angebracht, fällt da schon schwer. Fünf Jahre warten auf den Titel – das ist genug.

Obwohl ich Don Jackson schätze. Immerhin hat der Münchner Trainer fünf Meisterschaften mit den Bären gewonnen. In dieser Zeit rückte man zusammen. Lernte sich kennen. Zu Beginn seiner Zeit als Cheftrainer in Hohenschönhausen machte ich eine Stadtrundfahrt auf dem Wasser mit ihm. Er saugte die Geschichte förmlich auf. Seine Augen blitzten wissbegierig. Wach. Aufmerksam. Voller Spannung. Plötzlich war nicht ich der Fragensteller. Sein Interesse war groß. Und ich stolz, einem zweimaligen Stanley-Cup-Sieger meine Heimatstadt näher gebracht zu haben.


Jackson ist ein Phänomen, und wie viele Phänomene schwer zu begreifen und zu erklären. Der 61-Jährige wirkt neben dem Eis trotz seiner 1,91 Meter Körpergröße sanft und unscheinbar, fast schon schüchtern. „Ich bin gerne so ruhig wie möglich, das ist mein Job“, erläutert der Ex-Profi. Laute Ansprachen sind selten bei ihm. Doch er kann auch anders. „You are a stinky Leaf-Fan?“, fragte er mich einmal breit grinsend im Welli. Während sich die Kollegen vor Lachen bogen, stand ich entwaffnet da. Ich hatte eine Mütze der Toronto Maple Leafs auf dem Kopf. Das war fast Majestätsbeleidigung in Gegenwart einer Legende der Edmonton Oilers. Macht man nicht. Hatte ich verstanden. Vor allem aber: Jackson kann auch witzig! Ich würde ihm immer die Meisterschaft gönnen. Nur nicht gegen die Eisbären. Sorry, Don, das geht nicht!

Ab Freitag gibt es für ihn ein Donnerwetter. Versprochen. Angeführt von Uwe Krupp. Dem aktuellen Coach der Bären. Auch vor ihm erstarrte ich einst fast in Ehrfurcht, als er seine Amtszeit in der Hauptstadt begann. Auch Krupp hat zwei Mal den Stanley Cup gewonnen. Besser noch: „Er hat das entscheidende Tor zum Sieg im Stanley Cup geschossen, das ist der Unterschied zwischen uns“, verneigt sich sogar Jackson vor dem 52-Jährigen in Demut.

„Wenn man in Berlin seine Zelte aufschlägt, will man auch den Titel. Ich arbeite in Hockeytown“, sagte er mir, als ich mein erstes Interview mit ihm führte. Doch gerade als man anfing, sich zu gegenseitig beschnuppern, wurde ich brutal aus dem Reporter-Dasein gerissen. Die Eisbären scheiterten 2015 in den Pre-Play-offs gegen Nürnberg. Auch ich war raus. Einen Tag später. Nicht wegen der Bären. Krankheitsbedingt. Fortan verfolgte ich Krupp als Ausstehender, als Fan. Was in dieser Saison ein Ende hatte. Für mich schloss sich nämlich ein Kreis, als sich die Bären ausgerechnet gegen Nürnberg in die Endspielserie kämpften. Ich bin zurück. Als Reporter. Nur für ein neues Medium. Und die Bären stehen im Finale. Endlich hat es wieder geklappt. Irgendwie fühle ich mich daher als Glücksbringer.

„Komm mal wieder runter, mein Kleena“, raunte mir gerade ein Mitarbeiter zu. Recht hat er. Auch wenn ich mich als Hexer fühle - das Geheimnis des Erfolges gehört einzig und alleine Uwe Krupp. Nicht meinen abergläubischen Fantastereien. Schritt für Schritt ging es mit ihm wieder aufwärts. Pre-Play-offs, Viertelfinale, Halbfinale. Dort kam das Aus gegen München. Jetzt das Finale. Wieder geht es gegen Jackson. Der vorläufige Höhepunkt von Krupp‘s Ägide. Zwei Mal scheiterte er mit den Kölner Haien im Kampf um die Meisterschaft. Nun will er endlich als Trainer seinen ersten Titel. Sein Vertrag in Berlin läuft aus. Dass er beim EHC gerne weiterarbeiten würde, hat er schon verlauten lassen. Warum auch nicht? Gegenargumente gibt es kaum. Schon gar nicht als Meistertrainer. Ich würde mit den Eisbären jubeln. Und dann die Chance nutzen, Uwe Krupp besser kennenzulernen. Vielleicht bei einer Schiffstour durch Berlin. Wie einst mit Don Jackson.  

Übrigens, mein Kollege Holger Neumann sieht die Sache völlig anders. Er ist sich sicher, dass Red Bull München zum dritten Mal in Folge Meister wird. (Hier geht es zum Kommentar).

Wer mehr über die Final-Serie zwischen Red Bull München und den Eisbären Berlin wissen will, hier geht es zum Titelcheck von Hockeyweb.   

  

 

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