Sieg der Krefeld Pinguine in Straubing hinterlässt zwei enttäuschte TeamsErstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Trotz des Siegs in Straubing nicht zufrieden: der Krefelder Trainer Brandon Reid. (Foto: dpa/picture alliance/Revierfoto)Trotz des Siegs in Straubing nicht zufrieden: der Krefelder Trainer Brandon Reid. (Foto: dpa/picture alliance/Revierfoto)
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Beide Teams mussten erst in die Partie finden, so war es die ersten Minuten doch eher überschaubar und auch wenn es Schüsse gab, möchte man nicht unbedingt von Chancen sprechen. Tom Pokel meinte dazu: „Ich denke, das war ein Abtasten im ersten Drittel. Wir müssten die Scheibe schneller laufen lassen, das haben wir dann angesprochen.“ Brandon Reid gestand: „Wir sind heute schwach rausgekommen.“ Etwas anders nahm es Krefelds Stürmer Daniel Pietta wahr: „Das erste Drittel fand ich ausgeglichen, da wurde uns ein Fehler bestraft.“ Seine Meinung kommt vielleicht daher, da das Spiel eher den Gästen entgegen kam, die es hinten langsam angehen ließen, dann aber mit ihrem gewohnt schnellem Umschaltspiel überfallartig die neutrale Zone durchquerten. Richtig gefährlich wurde es aber erst mit der ersten und einzigen Überzahl im Eröffnungsdrittel. Das konnten die Tigers zwar nicht nutzen, doch kurz nach Ablauf der Strafe fiel das Führungstor.

Zwei Tore aus dem Nichts

Mit einem Auftakt nach Maß ging es für die Straubinger in den Mittelabschnitt, denn gleich zu Beginn gab es eine Strafe gegen die Gäste, die man binnen weniger Sekunden in ein Tor ummünzen konnte. Je länger das Drittel dauerte, umso mehr hatten die Hausherren die Oberhand. Krefeld tat sich schwer, etwas zu kreieren und eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis der dritte Treffer fiel. Daniel Pietta erklärt, warum das so kam: „Im zweiten Drittel haben wir zu viele falsche Entscheidungen getroffen. Wir haben viele Scheiben weggespielt und bei dem langen Wechsel im Mitteldrittel wird es dann halt schwer, vernünftig zu wechseln. Dadurch hatte Straubing immer das Momentum.“ Doch praktisch aus dem Nichts machten die Seidenstädter plötzlich den Anschlusstreffer. Es kam für die Gäste noch besser, denn sie zeigten, wie man in einem Drittel ohne nennenswerte Offensivaktionen zwei Tore machen kann. Wiederum aus dem oft zitierten Nichts machten die Pinguine den völlig überraschenden Ausgleich. Nun stand ein Spiel, das gut und gerne 3:0 oder 4:0 stehen könnte, eigentlich müsste, auf einmal 2:2. Tom Pokel sagte es so: „Mit einem Schussverhältnis von 15:7 im Mittelabschnitt müssten wir das Spiel im Griff haben. Das 2:2 nach dem zweiten Drittel war unnötig. Nach dem zweiten Drittel sollte das Spiel außer Reichweite für Krefeld sein.“ Für Krefelds Martin Schymainski war der Ausgleich spielentscheidend: „Ganz wichtig war natürlich das 2:2 kurz vor der Pause. Das ist ja immer so, dass wenn man kurz vor der Pause trifft, dass man den Gegner zum Nachdenken bringt. Das 2:2 war der Knackpunkt. Straubing hat danach nicht mehr so gespielt wie in den ersten Dritteln.“ Auch Pietta widerspricht hier nicht: „Wir sind glücklich mit 2:2 in die Pause gegangen. Das hat uns dann nochmal Auftrieb gegeben.“

Gewinnen oder verlieren

Dass die Gäste dadurch einen ordentlichen Push bekamen, zeigte sich das komplette Schlussdrittel, dass nun eine völlig ausgeglichene Partie war. Das sah auch Pokel so: „Im dritten Drittel ist es 20 Minuten ein offenes Spiel.“ Schymainski weiß: „Wir haben im letzten Drittel ein paar Sachen besser gemacht, die wir erst nicht gut gemacht haben.“ Krefeld konnte nun auch erstmals in Führung gehen, was wiederum die Tigers zum Handeln zwang. Für die war es nun ein Ritt auf Messers Klinge. Zum einen sollte vorne etwas passieren, zum anderen musste man auch höllisch aufpassen, um nicht in einem der blitzschnellen Konter den Knockout zu kassieren. Die niederbayerische Rechnung ging auf und man schoss sich in die Overtime. Hier war es ziemlich schnell vorbei, denn ausgerechnet jetzt gab es eine der diesmal seltenen Strafen. Das wussten die Krefelder zu nutzen und sackten den zweiten Punkt ein. Ein wichtiger Faktor war auch Krefelds Goalie Dimitri Pätzold, der sein Team immer im Spiel hiet. Daniel Pietta lobte ihn, auf seine Weise: „Ja, das stimmt. Aber wir sind eine Mannschaft und Dimi ist der Torwart, der wird dafür bezahlt, dass er auch mal einen hält. Er hat gerade in den ersten beiden Dritteln, aber auch im letzten Drittel die eine oder andere Großchance vereitelt und auch nur deswegen konnten wir mit einem 2:2 in die zweite Pause gehen.“

Kaum ein Lachen zu finden

Obwohl auswärts und nach doppeltem Rückstand zwei Punkte im Gepäck, machte Brandon Reid einen enttäuschen und nachdenklichen Eindruck. Er meinte: „Im ersten und zweiten Drittel war es das Spiel Straubings, wir haben nicht Eishockey gespielt. Aber glücklicherweise machte Dimi einige gute Saves. Das Penaltykilling war sehr gut. Straubing machte ein starkes, sehr strukturiertes Spiel und sie haben mehr als wir in den ersten 40 Minuten gearbeitet. Im dritten Drittel spielten wir gutes Eishockey. Wir spielten breit und kreierten Offensivaktionen. Die Reihe Pietta/Costello/Berglund machte einen sehr guten Job.“ Der angesprochene Pietta kommentiert, ohne die Miene zu verziehen: „Wir haben Tore geschossen, aber haben nicht unser bestes Spiel gehabt.“ Wenigstens Mitspieler Martin Schymainski freut sich über die Punkte, hat aber auch die Hausherren als besseres Team ausgemacht: „Ich glaube, wir haben heute ein schlechtes Spiel abgeliefert. Wir waren nicht gut und hätten uns nicht beschweren können, wenn Straubing im zweiten Drittel aufgedreht hätte und noch ein paar Tore geschossen hätte. Dem war nicht so, deswegen können wir zufrieden sein. Wir müssen unsere Lehren daraus ziehen und es am Freitag besser machen.“ Für dieses Mal reichte gerade noch, trotzdem hadert er etwas mit dem Ausgang: „Das waren zwei ganz wichtige Punkte, hätten aber auch drei sein können.“ Für Straubings Tom Pokel ist der eine Punkt deutlich zu wenig: „Struktur und das alles war in Ordnung, aber wir müssen über 60 Minuten den Killerinstinkt haben. Wir waren zu leichtsinnig mit unsren Torchancen. Die Punkte waren wichtig, ich sehe das heute als zwei Punkte verloren.“ Martin Schymainski bringt das ganze Spiel es in ein paar Worten treffsicher auf den  Punkt: „In meinen Augen war Straubing heute die bessere Mannschaft, aber wir haben den Weg gefunden, die Punkte zu holen.“

Tore: 1:0 (11:11) Mike Connolly (Fredrik Eriksson), 2:0 (20:29/PP) Mike Connolly (Jared Aulin, Jeremy Williams), 2:1 (33:26) Daniel Pietta (Chad Costello, Phillip Bruggisser), 2:2 (39:34) Jacob Berglund (Daniel Pietta, Chad Costello), 2:3 (44:20) Chad Costello (Daniel Pietta), 3:3 (53:09) Kael Mouillierat (Marcel Brandt, Jeremy Williams), 3:4 (62:10/PP) Jacob Berglund (Daniel Pietta, Chad Costello)

Schiedsrichter: Michael Klein, Daniel Piechaczek; Linienrichter: Tino Thönelt, Tobias Schwenk

Strafminuten: 4:4 (0:2, 0:2, 2:0, 2:0)

Zuschauer: 4530.