„Shit happens“ oder: Wie der ERCI verspätete Weihnachtsgeschenke verteilt

Das Vorbereitungsprogramm des ERC IngolstadtDas Vorbereitungsprogramm des ERC Ingolstadt
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Dienstagabend, Saturn-Arena in Ingolstadt: Spielzeit 58.00 Minuten: Im Lautsprecher werden die letzten beiden Spielminuten angekündigt. Die einheimischen Panther führen nach einer überragenden Leistung im letzten Drittel gegen Mannheims Adler verdient mit 5:2. Was soll da noch schief gehen? So fragten sich nicht nur die Zuschauer, sondern wohl auch die Spieler und ließen anschließend jegliche Konzentration vermissen.

Spielzeit 58.08: Jochen Hecht gelingt der Anschlusstreffer zum 5:3. Na und? Spielzeit 59.23: Erneut Jochen Hecht erzielt gegen eine Ingolstädter Abwehr, die in Gedanken schon längst beim Feiern ist, das 5:4. Adler-Torwart Passmore hat schon längst sein Gehäuse zugunsten eines sechsten Feldspielers verlassen.

Spielzeit 59.45: Ingolstadts überragender Spieler Andy McDonald erkämpft sich im eigenen Drittel den Puck und schießt knapp am leeren Tor der Gäste vorbei. Cameron Mann holt sich den Abpraller und vertändelt völlig unkonzentriert die Scheibe, die von den Adlern umgehend wieder nach vorne gepasst wird. Spielzeit 59.59: David Edgerton trifft erneut ins Ingolstädter Gehäuse und gleicht aus. Innerhalb von nur 111 Sekunden kann Mannheim ein verloren geglaubtes Spiel noch aus dem Feuer reißen.

Wie konnte so etwas passieren? Panther-Trainer Kennedy war einigermaßen ratlos und brachte es kurz und knapp auf den Punkt: „So ist eben Eishockey. Shit happens!“

Tatsächlich muss man wohl tief im Unterbewusstsein seiner Spieler graben, um auf die Ursachen zu kommen. Nach einer sehr guten Leistung im letzten Drittel hatten sie ganz sicher das Spiel bereits als gewonnen angesehen und jegliche Konzentration verloren. Während die Adler selbst beim 2:5 die Punkte noch nicht verloren gaben und weiter Druck machten, waren die Panther in den letzten Sekunden hilflos wie die Schlange vor dem Kaninchen und ergaben sich willenlos ihrem Schicksal.

Nachdem das erste Drittel (Tore durch Polaczek und Mondt für Ingolstadt, Healey sowie Tripp für die Gäste) recht ausgeglichen verlief und von hohem Tempo und hervorragenden Kombinationen geprägt war, flachte das Spiel im zweiten Abschnitt ein wenig ab. Dafür übernahm nun Schiedsrichter Chvatal, Deutschlands einziger Profi an der Pfeife, das Kommando. Fast hätte er es mit seinen teils unverständlichen Pfiffen geschafft, das Spiel aus den Fugen geraten zu lassen. Dass dies nicht geschah, ist wohl nur der Besonnenheit der Akteure beider Teams zu verdanken. Die einzige erkennbare Linie bei Chvatals Pfiffen war die, dass er offensichtlich keine Linie hatte. Mal ließ er selbst gröbere Fouls durchgehen, ein anderes Mal pfiff er im Stile eines Basketballschiedsrichters selbst bei den kleinsten Berührungen. Kennedy zu Chvatals Leistung kurz und knapp: „Eine einzige Katastrophe!“



Doch auch Chvatals merkwürdige Pfiffe konnten nicht verhindern ,dass die Panther im letzten Drittel – zumindest 18 Minuten lang – ein spielerisches Feuerwerk abbrannten, das in den Toren von Mondt, Oswald und Mann ihren Niederschlag fand. Dabei zeigten die Hausherren ein Kombinationsspiel vom Feinsten und spielten die Adler-Abwehr schier schwindlig. Doch leider reichte es am Ende nicht ganz zu den verdienten drei Punkten. So musste man ins Penaltyschießen, wo die Panther überraschenderweise durch McDonald, Mann und Sturm dreimal souverän verwandeln und den Extrapunkt verbuchen konnten. Kuriosum am Rande: Torhüter Jimmy Waite bekam nach dem ersten Penaltytreffer der Adler eine zehnminütige Disziplinarstrafe aufgebrummt. Grund: Er hatte aus Wut über seine schlechte Reaktion seinen Schläger an der Bande zertrümmert.

Mit diesem Penaltyschießen endete ein denkwürdiges DEL-Spiel, das den Zuschauern allerbeste Unterhaltung geboten hat. So sah es auch Gäste-Trainer Richer, der von einem guten und spannenden Spiel für die Fans sprach. „Ich bin stolz auf mein Team, das nie aufgegeben und doch noch einen Punkt geholt hat.“

Panther-Coach Kennedy hielt sich nicht lange mit Analysen auf. Er dachte bereits an das kommende schwere Auswärtsspiel in Iserlohn und sorgte sich vor allem um Verteidiger Sutton, der einen Schlagschuss auf den Fuß bekommen hatte sowie um Stürmer Mann. Dieser musste nach einem nicht geahndeten Check eines Mannheimers in der Kabine behandelt werden. (an)


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