Scorpions verlieren Keller-Derby nach Penaltyschießen

Scorpions erlegen tapfer kämpfende WölfeScorpions erlegen tapfer kämpfende Wölfe
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Das einstmals prestigeträchtige Derby zwischen den Hannover Scorpions und den

Kassel Huskies ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Beide Teams legten vor

dem gestrigen Spiel Niederlagenserien hin, die ihnen einen Stammplatz im

Tabellenkeller sicherten. Bei den Scorpions reagierte man, indem man

NHL-Verteidiger Paul Mara (Phoenix Coyotes) für die Dauer des Lockouts

verpflichtete. Dieser traf am Donnerstagnachmittag in Hannover ein und

wird vorerst im Radisson Hotel an der TUI-Arena untergebracht. Er hatte am

Freitagmorgen sein erstes Training mit den Scorpions absolviert und

musste schon am Abend zu seinem ersten Pflichtspiel seit 8 Monaten

auflaufen.

Dass man da noch keine Wunderdinge von dem Mann erwarten konnte, liegt

auf der Hand. Leider sahen seine Teamkollegen dies zu Beginn des Spiels

wohl etwas anders, denn sie ließen ihn auf sich allein gestellt. Damit

wurde er zur tragischen Figur der ersten Spielminuten, sah er schon beim

ersten Tor der Kassel Huskies durch Greig nach nur 193 Sekunden nicht

gut aus. Beim 2:0, welches 106 Sekunden später fiel, hätte er sogar

einen Scorepunkt verdient gehabt, da er den Huskies den Puck quasi auf

den Schläger legte und Bousquet quasi nur noch einzunetzen brauchte.

Nach den beiden Nackenschlägen ging bei den Scorpions erstmal gar nichts

mehr, so dass Trainer Pasanen sich gezwungen sah, in der 10. Minute eine Auszeit

zu nehmen, um wieder etwas System in die Aktionen auf dem Eis zu

bringen.Die krisengeschüttelten Huskies waren von der Euphorie der

beiden Tore beflügelt und nahmen Ilpo Kauhanen unter Dauerbeschuss.

Dieser jedoch vereitelte mit tollen Paraden weitere Gegentreffer.

Das zweite Drittel war rückblickend betrachtet eine Kuriosität. Die

Scorpions kamen ins Spiel und somit auch zu einigen hochkarätigen

Chancen, die der neue Kassel-Torhüter Corey Hirsch zunächst parierte, in

der 25. Minute war er bei einem Schuss von Marian Cisar jedoch

chancenlos. Nach diesem Treffer war es an den Huskies, völlig

verunsichert und planlos übers Eis zu huschen wie die Scorpions im

ersten Drittel. Folgerichtig fiel in der 30. auch der Ausgleichstreffer

von Morczinietz. Kurz zuvor musste Lanier das Eis in Richtung Kabine

verlassen, um eine Verletzung behandeln zu lassen.

Die Scorpions hatten in der Folge sogar den Führungstreffer auf dem

Schläger, scheiterten aber an Hirsch und der eigenen Torschusspanik.

Im Schlussabschnitt passten sich beide Mannschaften auf einem Niveau

aneinander an, leider nicht auf dem guten, welches sie je ein Drittel

gezeigt hatten, sondern auf dem niedrigen, welches in einem Drittel Not

gegen Elend resulierte, bei dem man deutlich sah, warum beide Teams im

Tabellenkeller stehen. Auch die 3364 Zuschauer waren hin und

hergerissen, ob sie ihre Mannschaft auspfeifen oder unterstützen

sollten, letztlich siegte jedoch die Loyalität zum Team und so hielt es

in den letzten zwei Spielminuten keinen Kasselaner mehr auf seinem

Sitzplatz. Tore fielen dennoch nicht mehr und so musste die Partie im

Penaltyschießen entschieden werden, wobei beide Mannschaften sich über

den einen sicheren Punkt schon einmal freuten. Der Zusatzpunkt ging an

die Huskies, da neben Bousquet, der einmal traf, Hammer zweimal Kauhanen

überwand, während Cisar und Morczinietz nur je einmal Hirsch düpierten.

Bei der anschließenden Pressekonferenz erklärte Kassels Coach

McParland: "Wir sind wie gewünscht gestartet und 2:0 in Führung

gegangen. Hätten wir so weitergespielt wie am Anfang, hätten wir klar

gewonnen. Im zweiten Drittel kamen die Scorpions sehr gut ins Spiel. Nach dem

ersten Gegentor waren wir völlig von der Rolle. Wir möchten uns an

dieser Stelle vor allem für die Unterstützung von den Fans und dem

Vorstansd bedanken und hoffen, dass es nun wieder aufwärts geht."

Scorpions-Co-Trainer Jari Pasanen war auch alles andere als zufrieden

mit dem Verlauf der Partie. "Am Anfang war Kassel deutlich besser. Da

konnte man klar einen negativen Einfluss feststellen, den unser Neuzugang

unfreiwilligerweise auf die Spieler hatte. Die haben wohl erwartet, dass

er alles allein macht und ihn nicht unterstützt. Im zweiten Drittel waren wir

wesentlich besser und der Ausgleich war vollkommen verdient. Wir hatten

sogar den Führungstreffer auf dem Schläger, in den letzten zehn Minuten

hat der Drang zum Tor gefehlt und die Torhüter waren auch großartig. Wir

haben die Huskies im ersten Drittel spielen lassen. Im zweiten Drittel haben

wir dicht gemacht und die Huskies aus dem Konzept gebracht. Was Paul

Mara angeht, der hat 30 Stunden Reisestress hinter sich. Am Anfang hatte

er Probleme, was aber normal ist. Im letzten Drittel hat er schon sehr

gut gespielt."

Seine Heimpremiere wird Mara am Sonntag um 14:30 Uhr in der TUI-Arena

gegen die DEG Metro Stars haben, die ja noch eine Rechnung aus dem

Hinspiel mit den Scorpions offen haben. Dann kommt endlich die

Deutschland-Cup-Pause und die Scorpions können sich neu sortieren,

zusammenfinden, die Probleme analysieren und beheben und quasi nach dem

D-Cup wieder bei Null anfangen. (S. Palaser)


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Sonntag 09.10.2022
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