Scorpions: Pfeifkonzert der Fans weckte Team auf

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Mit einer tollen kämpferischen Leistung ab der 21. Minute drehten die Hannover ein schier verloren geglaubtes Spiel nach einem 0:3 Rückstand, und gehen damit in der Pre-Play-Off-Serie gegen die Düsseldorf Metro Stars in Führung.

Das Spiel: Was immer sich die Hannover Scorpions vorgenommen hatten – es war nach 34 Sekunden vorerst zunichte. Marian Bazany hielt aus spitzem Winkel aufs Tor, und ließ die kleine mitgereiste Fanschar der Rheinländer jubeln. War Scorpions-Keeper Alex Jung vor dem Spiel noch guter Dinge, so zeigten die ersten 20 Minuten ein anderes Gesicht des hannoverschen Torhüters. Denn auch bei den nächsten Toren seiner ehemaligen Teamkollegen machte der 29-jährige Keeper bei den beiden Überzahltreffern keine glückliche Figur. Andrew Hedlung und Peter Ratchuk waren in der 10. Minute, innerhalb von nur 42 Sekunden, mit Schlagschüssen erfolgreich, bei denen Jung nicht die glücklichste Figur machte. Die Gäste machten es ihrem Gegner aber auch schwer. Hatten sie nach der frühen Führung quasi alle Trümpfe in der Hand, ließ es sich natürlich auch hervorragend spielen. Waren die Hausherren im Vorwärtsgang, setzten sie immer wieder Nadelstiche in Form von Kontern. Nur vergaßen sie dabei das Toreschießen.

Zeigte Jung im ersten Durchgang gewisse Unsicherheiten, so waren diese im Mitteldrittel fast wie verflogen. Er strahlte die nötige Sicherheit aus, die seine Vorderleute nach dem Fiasko in den ersten 20 Minuten auch nötig hatten. Von Minute zu Minute zogen sich die Niedersachsen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf, und sollten belohnt werden. Begünstigt durch einige Strafen der Düsseldorfer wurde der Druck immer größer. Dolak (29.) scheiterte am langen Pfosten lauernd noch an Jamie Storr, und nur Sekunden später durfte die Kulisse jubeln. Nicht konsequent genug in der Abwehrarbeit, brachte die DEG den Puck nicht aus dem eigenen Drittel. Die anschließende 3 auf 1 Situation schloss Eric Schneider im Nachschuss zum 1:3 ab. Sascha Goc (32.) vergab die nächste Gelegenheit, und als Daniel Kreutzer in Unterzahl nur den Pfosten traf, schlugen die Hannoveraner im Gegenzug erneut zu. Das der Puck von der Bande abprallte nahm Eric Nickulas zum Anlass, den 2:3 Anschlusstreffer zu erzielen. Die Partie lag nun vollends in den Händen der Zach-Jungs, die Pech hatten als Kapitän Dan Lambert Sekunden vor der Sirene an Storr scheiterte.  

Als Kontrast zu den ersten beiden Durchgängen gestaltete sich der Schlussdurchgang. Beide Teams agierten verhaltender, wobei die Skorpione leichte Vorteile auf ihrer Seite hatten. Dieses kleine Stück Überlegenheit zahlte sich aus. Der überragende Adam Mitchell fasste sich nach 48 Minuten ans Herz, setzte zum Sololauf an, an dessen Ende Torwart und Puck sich im Netz wiederfanden. Die beiden Hauptschiedsrichter entschieden nach Videobeweis, zur Verzückung der Fans, auf Tor. Sie standen auf ihren Sitzen, gaben sie doch nach dem ersten Drittel nicht einen Cent mehr auf ihr Team, pfiffen sie aus. Die Gäste schienen mit ihrem Latein, zumindest an diesem Abend, am Ende. Sascha Goc war es vorbehalten in dieser packenden Partie die Entscheidung zu markieren. Nach einem Bullygewinn und folgenden Positionieren, schoss er den Puck sechs Minuten vor dem Ende mit der Rückhand in den Winkel. Die Anhänger tobten, feierten bis zum Ende durch. Mit dieser Unterstützung überstanden die Hannoveraner auch die turbulenten letzten 83 Sekunden, in der die DEG mit sechs Feldspielern ihren Meister in Alex Jung fanden.  

Am Rande: …sorgten nach 66 Sekunden die Szenen nach einem unglücklichen Zusammenprall von Tino Boos und Charlie Stephens für Schrecken, Schweigen und Betroffenheit. Stephens blieb regungslos auf dem Eis liegen, und musste von den herangeeilten Medizinern minutenlang behandelt werden. Auf einer Trage, und mit einer Halskrause wurde der Düsseldorfer Angreifer vom Eis und ins Krankenhaus gebracht. Gott sei Dank soll es sich nach der ersten Diagnose nur um eine Gehirnerschütterung handeln, die aber zur Sicherheit zur Stunde in der Medizinischen Hochschule untersucht wird. Sehr löblich dabei das Verhalten beider Fangruppen, die den Düsseldorfer mit Sprechchören begleiteten.

Stimmen: Hans Zach (Hannover): „Im ersten Drittel ist alles gegen uns gelaufen. Es war ein perfektes Powerplay von Düsseldorf. In der ersten Pause haben wir uns auf unsere Stärken konzentriert, und haben darauf hingearbeitet. Ich bin stolz wie meine Mannschaft reagiert hat.“
Lance Nethery (Düsseldorf): „Hannover hat sich zurück gekämpft. Wir müssen das wegstecken, und bereit für Freitag sein. Wenn man auswärts seine Chancen nicht nutzt, bekommt man halt Gegentore.“

Statistik: 0:1 (0:34) Bazany (Kreutzer, Kathan), 0:2 (9:03) Hedlund (Collins, Wright) 5-4; 0:3 (9:49) Ratchuk (Collins, Hedlund) 5-4; 1:3 (29:34) Schneider (Green, Dzieduszycki) 5-4; 2:3 (34:16) Nickulas (Boos, Reiß) 5-4; 3:3 (47:02) Mitchell; 4:3 (53:55) S. Goc (Mondt)
Strafen: Hannover 12 – Düsseldorf 20
Schiedsrichter: Schimm, Piechaczek
Zuschauer: 3498

Jens Wilke