Scorpions blamieren sich im Niedersachsenderby – 0:7 in Wolfsburg

Scorpions erlegen tapfer kämpfende WölfeScorpions erlegen tapfer kämpfende Wölfe
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Anstatt der Fortsetzung des zuletzt gezeigten Formanstiegs wussten die Hannover Scorpions am Sonntagabend einmal mehr negativ zu überraschen. Im Niedersachsenderby beim EHC Wolfsburg leistete die TUI-Arena-Truppe den sportlichen Offenbarungseid und war zu keinem Zeitpunkt DEL-tauglich.


Die Wolfsburger, die die ersten drei Partien gegen Hannover verloren hatten, erspielten sch vom Start weg eine Vielzahl an Chancen und waren klar besser, während die Scorpions bis auf den einen oder anderen Entlastungsangriff gar nicht aus ihrem Drittel herauskamen.

Folgerichtig fiel in der 11. auch das erste Tor für die Hausherren. Markus Guggemos überwand den völlig überforderten Gästegoalie Rich Parent im Nachschuss (11.).

Keine vier Minuten später dann das 2:0 auf ähnliche Weise. Diesmal durfte sich Andrej Kaufmann über ein Tor freuen (15.).


Die Wolfsburger hätten am Ende des ersten Drittels bereits höher führen können, wenn nicht sogar müssen, denn die Scorpions waren völlig von der Rolle. Besser wurde es im zweiten Drittel auch nicht. Im Gegenteil: In der 22. Minute durfte Steve Wilson dank der neuen Regelauslegung wegen Spielverzögerung auf die Strafbank. Es war die erste Strafzeit der Scorpions in dieser Partie und die Wolfsburger nutzten diese umgehend zum 3:0 (22.) durch Ivan Ciernik, welches ebenso wie die ersten beiden Wolfsburger Treffer durchaus haltbar war.

Nach dem 3:0 nahm Kevin Gaudet eine Auszeit, um seine Jungs wachzurütteln, doch es nützte nichts, sie blieben genauso harmlos und ungefährlich wie zuvor. In der 28. Minute bekam Jason Cipolla dann die zweite Strafzeit für die Scorpions in diesem Spiel und prompt stand es 4:0 für die Grizzly Adams (29.). Ex-Scorpion Todd Simon überwand Rich Parent, der sich das Prädikat „Fliegenfänger“ mit dem die Wolfsburger Fans ihn bedachten, auch redlich verdient hat. Nun hatte auch Gaudet ein Einsehen und ersetzte den glücklosen und überspielten Parent, der schon am letzten Donnerstag gegen die Augsburger Panther eine unglückliche Figur abgab, gegen Ilpo Kauhanen, der die Niederlge aber auch nicht mehr verhindern konnte und beinahe exakt drei Minuten nach seiner Einwechselung erstmals hinter sich greifen musste. Bereits zum zweiten Mal konnte sich Ivan Ciernik über einen Treffer freuen (32.).


Weitere Tore gelangen den Wolfsburgern im zweiten Drittel trotz einiger guter Chancen nicht mehr, und seitens der Scorpions blieb alles beim Alten. Kein Kampf, kein Aufbäumen, nichts. Man ergab sich einfach in sein Schicksal. Dass es nicht zweistellig wurde, dafür konnten die Scorpions sich bei den Grizzly Adams bedanken, die im letzten Drittel das Tempo merklich zurückschraubten und sich größtenteils mit Ergebnisverwaltung zufrieden gaben. Dass sie selbst in diese Phase noch zwei Treffer nachlegten, und zwar in der 48. durch Peter Smrek und 51 Sekunden vor Spielende durch Rainer Suchan, unterstreicht noch einmal den desolaten Auftritt der Scorpions, die in Wolfsburg schlicht und ergreifend nicht stattfanden. Ein Großteil der 2700 Fans im ausverkauften (!) Wolfsburger Eispalast feierte den verdienten Sieg und ihr Team frenetisch, während die nicht gerade kleine Delegation von Scorpions-Fans ihr Team gnadenlos auspfiff und mit „Absteiger“ titulierten, was nach der dieser „Leistung“ auch nachvollziehbar war.


Entsprechend verkniffen wirkte Kevin Gaudet auch bei der anschließenden Pressekonferenz. Er sah geschockt und mitgenommen aus und auf die leise private Frage vor Beginn der Pressekonferenz, ob er inzwischen seinen Weggang aus Straubing bereue, antwortete er mit einem gepressten „Ja!“, denn mit so etwas, wie er es in Hannover vorfand, hätte er in seinen kühnsten Träumen nicht gerechnet. So redete er bei der Pressekonferenz auch Klartext: „Ich möchte mich erst einmal bei allen Zuschauern für unser Auftreten entschuldigen! Ich bin frustriert, sauer und enttäuscht. Was meine Spieler hier heute geboten haben, war einfach lächerlich! Dieses Team hat so einen weichen und zerbrechlichen Charakter, so etwas habe ich noch nie erlebt. Nach dem 2:0 haben wir uns einfach aufgegeben. Ich möchte mich noch einmal für mein Team entschuldigen und kann nur eins versprechen: Es wird nicht lustig in der nächsten Woche, und zwar für alle Beteiligten!“


Nachdem der bemitleidenswerte Scorpions-Trainer sich seinen Frust von der Seele sprach, war es an Stefan Mikes, sein Statement zur Lage abzugeben, welches naturgemäß wesentlich positiver ausfiel. „Für uns war es vor dem heutigen Spiel nach drei Niederlagen in Folge auch eine schwierige Situation. Beide Tore im ersten Drittel waren Nachschusstore und entscheidend für den Sieg. Ab dem zweiten Drittel haben wir das Spiel vollends kontrolliert. Wir müssen aber trotz des überzeugenden Sieges auf dem Boden bleiben und weitermachen, denn es stehen schwere Aufgaben an.“ Da hat er nicht ganz unrecht, muss der EHC doch zunächst auswärts in Krefeld und in Ingolstadt antreten, bevor dann mit den Frankfurt Lions der amtierende Deutsche Meister seine Visitenkarte in Wolfsburg abgibt. Doch der EHC hat es noch vergleichsweise gut, bedenkt man die Situation der Scorpions. Jeder, der jetzt noch glaubt, die Playdowns könnten vermieden werden, leidet an Realitätsverlust und man würde seitens der sportlichen Leitung der Scorpions gut daran tun, den Rest der Saison dazu zu nutzen, sich intensivst auf die Abstiegsrunde vorzubereiten, sonst ist die Wahrscheinlichkeit nicht gerade gering, dass es diesmal tatsächlich zum Abschied aus der DEL kommt.


Nach dem Spiel belagerten enttäuschte und frustrierte Fans den Mannschaftsbus der Scorpions und bedachten die Spieler mit Schmähgesängen, die vor allem NHL-Import Paul Mara mehr als verdient hat, da er offen sichtbar auf dem Eis jegliche Motivation vermissen lässt und wenn überhaupt nur Dienst nach Vorschrift abliefert. Auch der neue Geschäftsführer der Scorpions, Marco Stichnoth, bekam sein Fett weg, höhnten die Fans doch: „Schade, Stichnoth, alles ist vorbei!“ Stichnoth versuchte die Fans zu beschwichtigen, indem er ihnen sagte, dass die Mannschaft doch nicht mit Absicht so schlecht spielen würde und versprach, dass sie am Dienstag gegen Ingolstadt besser auftreten würde. Wirklich hilfreich sind solche Statements jedoch nicht, belegen sie doch nur die Hilflosigkeit in der Führungsetage. Und schlechter als in Wolfsburg können sich selbst die Scorpions kaum noch präsentieren, erreichte doch nicht ein einziger Spieler auch nur annähernd DEL-Niveau. Es ist zwar traurig und hart, aber mit solchen Leistungen gehen in Hannover früher oder später die Lichter aus. (S. Palaser)

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