Schwenningen beschert Nürnberg drei PunkteWild Wings statt Weihnachtsgans

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Ich gebe zu: In diesem Jahr habe ich Weihnachten verdrängt – so lange und so gut ich es konnte. Am Freitag jedoch holte auch mich das Fest der Liebe ein. Aus einem einfachen Grund: Ich hatte noch kein einziges Weihnachtsgeschenk. Also machte ich mich etwas früher als gewohnt auf zur Arena und legte einen Zwischenstopp ein. 16:00 Uhr war es bereits. Um 19:30 Uhr hieß es: Bully! Ich kann mich an Zeiten erinnern, da war ich tagelang unterwegs, um auch wirklich das „perfekte“ Präsent zu ergattern. Doch diesmal war ich fix. Nur zwei Stunden habe ich gebraucht, um alle – wirklich alle – Geschenke zu besorgen. Aber was blieb mir auch anderes übrig?

Von meiner Schnelligkeit und Entscheidungskraft überrascht, packte ich meine Besorgungen ins Auto und fuhr zu den Ice Tigers. Denn die hatten Besuch – aus dem Schwarzwald. Während in Deutschlands Küchen die fette Weihnachtsgans gewürzt und glasiert wird, kämpfen die Wild Wings in der DEL fleißig um Punkte. Das Maximum an Zählern hatten die Schwenninger in ihren letzten drei Heimspielen erreicht. Den letzten Dreier schnappte sich das ehemalige Tabellenschlusslicht vergangenen Mittwoch gegen Berlin. Doch einen Tag vor Heilig Abend gingen die Schwarzwälder leer aus.

Powerplay, Überzahl und noch mal Powerplay…

Punktesammeln ist eben anstrengend. Vor allem „das Mittwochsspiel hat uns viel Kraft gekostet“, erklärt Wild-Wings-Coach Pat Cortina die 1:3-Auswärtspleite bei den Franken, die aus dem Spielplan der Schwenninger Kapital schlagen wollten. Von Beginn an beherrschten die Ice Tigers das Duell. Daher kam deren Führung nicht wirklich überraschend. Leo Pföderl erzielte in der fünften Spielminute den einleitenden Treffer, indem er gleich die erste Strafe der Gäste ausnutzte. Weitere Strafen sollten folgen.

Penalty Killing – ein wahrer Kraftkiller, findet Cortina. Und dann führen die Unterzahlspiele seiner Wild Wings auch noch zu zwei Gegentreffern. Pföderls 1:0 folgte nämlich ein weiterer Powerplay-Treffer: Steven Reinprecht brachte die Ice Tigers in Überzahl erneut in Führung (17.). Da konnte sich Gäste-Keeper Joey MacDonald nach seinem Abpraller noch so sehr aufs Eis schmeißen. Es half nichts. Doch auch die Undiszipliniertheiten des Gastgebers blieben nicht ungestraft und ohne Folgen. So hatte zuvor Schwenningens Jérôme Samson Ice-Tigers Goalie Jochen Reimer im Powerplay überwinden können (15.). Vier Tore fielen in diesem Match – drei davon in einer 5:4-Überzahlsituation. Beim letzten Treffer schlitterte die Hartgummischeibe in den leeren Kasten (59.). MacDonald hatte diesen für einen weiteren Feldspieler verlassen. Wie so oft im Eishockey, ging dieses letzte Aufbäumen aber nach hinten los. Rob Wilsons Plan, den gestressten Schwenningern besonders offensiv zu begegnen, ging dagegen auf. 

Müde, aber solide

Solide – das ist so ein Wort. Aber so ließe sich die Partie, die das Nürnberger Publikum erlebte, beschreiben. Weitgehend unspektakulär, aber nicht gänzlich unattraktiv – vor allem, als die Schwarzwälder ab dem zweiten Drittel etwas wilder mit ihren Flügeln schlugen. Dazu begeisterten individuelle Aktionen der Ice Tigers die Fans, die diese mit Applaus oder Staunen würdigten. Zugegeben: Ein wirkliches Top-Spiel hatte am Freitagabend wohl kein Zuschauer erwartet. Dennoch gehen die Meinungen bezüglich der Spielqualität auseinander – von „wie erwartet“ über „gar nicht so schlecht“ bis hin zu „langweilig“ war zu hören. Dass die Ice Tigers aber als verdienter Sieger vom Eis gingen, darüber waren sich die meisten Anwesenden dann doch einig. „Obwohl unser Spiel taktisch okay war“, verteidigt Cortina seine Mannschaft.

Inwieweit das Schwarzwälder Kellerkind in naher Zukunft taktiert, wird sich zeigen. Bereits am Montag wird in der Deutschen Eishockey-Liga nämlich schon wieder gespielt. Danach geht es im Zwei-Tages-Rhythmus weiter. Weihnachtszeit, Urlaubszeit? Von wegen. Schwenningen empfängt am zweiten Weihnachtsfeiertag Wolfsburg. Der Tabellenzweite aus Nürnberg reist zunächst nach Iserlohn, bevor er am 28. Dezember vor Heimpublikum gegen Erzrivale Mannheim ran muss. Das perfekte Eishockey-Feuerwerk zum Jahresende?

Das Spiel im Überblick:

Tore: 1:0 (5.) Leo Pföderl (PP1 / Steven Reinprecht, Yasin Ehliz), 1:1 (15.) Jérôme Samson (PP1 / Tim Bender, Daniel Schmölz) , 2:1 (17.) Steven Reinprecht (PP1 / Yasin Ehliz, Patrick Reimer), 3:1 (59.) Yasin Ehliz (EN / Steven Reinprecht, Colten Teubert)

Strafen: Nürnberg 10, Schwenningen 14

Schiedsrichter: Marc Iwert, Jens Steinecke

Zuschauer: 4.667


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