Schmeichelhaftes 1:0 über Huskies - Siegtreffer durch Alex Barta

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Eishockey an einem Dienstagabend, da bereitet sich der langjährige DEL-Zuschauer zu aller erst einmal auf relativ dünn besiedelte Ränge vor. Und richtig, mit offiziell 3500 Zuschauern im Berliner Wellblechpalast war das in der Partie zwischen dem derzeitigen Tabellenfünften EHC Eisbären und den relativ überraschend die Rote Laterne mit sich führenden Kassel Huskies dann auch erwartungsgemäß der Fall.



Denjenigen, die sich entschließen konnten sich lediglich anhand des Videotextes über den Ausgang des Matches zu informieren, kann man im Nachhinein auch nur zu ihrer weitsichtigen Entscheidung gratulieren. Dass die Begegnung in den Gastgebern den glücklichen 1:0-Sieger fand, war, wie vieles in diesem Spiel, lediglich Bruder Zufall geschuldet. Mit dem, was beide Teams den Zuschauern an „Spielkunst“ boten, war nun wahrlich wenig Staat zu machen und kaum der Rede wert. Die Floskel vom Kampf „Not gegen Elend“ bringt das Geschehen im Wellblechpalast ziemlich treffend auf den Punkt. Zwar hatten die Berliner den Ausfall der für ihr Offensivspiel wichtigen Verteidiger Micki Dupont und Derrick Walser zu beklagen, da sich beide in der sonntäglichen Wiederauflage des Vorjahresfinales gegen die Frankfurt Lions Spieldauerstrafen eingehandelten, aber eine derartig müde Leistung lässt sich auch damit nur schwerlich rechtfertigen.

Auch dass EHC-Stürmer Mark Beaufait im Spielverlauf mit einer Adduktorenzerrung ausschied, konnte dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen. Der „Rest“ der Pagé-Truppe ließ einmal mehr vieles von dem vermissen, was die Eisbären mit ihrer Art Eishockey zu spielen in den letzten beiden Jahren zu einem der attraktivsten DEL-Teams machte. Ungenau im Passspiel, zögerlich und inkonsequent, glücklos beim Abschluss und zudem eher zurückhaltend im Spiel Mann gegen Mann, das sind bisher die Eisbären des Herbstes 2004. Bezeichnender Weise war es Jungnationalspieler Alexander Barta, der sich im Mittelabschnitt ein Herz fasste, tief aus dem eigenen Drittel kommend mit dem Puck in Richtung Husky-Gehäuse stürmte, das erstmals vom SC Langnau aus der Schweiz verpflichteten Corey Hirsch gehütet wurde, und die Hartgummischeibe mit viel Dusel hinter der Kasseler Neuverpflichtung zum siegbringenden Treffer versenkte (39.). Pierre Pagé lobte so durchaus zu Recht seine jungen Cracks wie eben Barta, Busch, Rankel und Hurbanek für ihren guten Einsatz. Von den gestandenen Profis fiel am ehesten noch Kelly Fairchild auf, der in der ungeliebten Verteidigerrolle aushelfen musste. Andere aber, von denen man eigentlich hätte erwarten können, dass sie mit einer Aktion wie der von Barta ein Zeichen setzen müssten, blieben gut getarnt in den Büschen.

Dennoch stellte sich der Eisbären-Coach einmal mehr schützend vor sein Team und warb um Nachsicht: „Kassel war gut. Sie sind allemal besser als es ihr derzeitiger Tabellenplatz aussagt. Meine Mannschaft hat innerhalb von 12 Tagen das siebte Spiel absolviert, da ist man nicht mehr so frisch.“ Am Ende zählte für den kanadischen Übungsleiter offensichtlich vor allem das Ergebnis und die drei eingefahrenen Zähler, was nach dem punktelosem vergangenen Wochenende sicher nachvollziehbar ist, aber die Fans schlussendlich nur wenig tröstlich stimmte. Erstmals in dieser Saison tat der Eisbären-Anhang lautstark seinen Unmut über das Gebotene kund: „Wir wollen die Eisbären sehen!“, sangen sie und dokumentierten so ihrem Team einen alarmierenden Grad an Entfremdung. Pierre Pagé kommentierte die Pfiffe und Gesänge der Fans mit den Worten: „Die Ansprüche in Berlin sind hoch, aber ich habe auch Verständnis für das Verhalten der Fans.“ Nichts desto Trotz erweckt der Vizemeister im Moment den Eindruck, dass er sich erst einmal bis zur Deutschland Cup-Pause retten will.

Dass die Gäste aus Hessen aktuell nicht zufällig am Ende des DEL-Tableaus herum dümpeln, wurde nicht weniger deutlich. Ihr Coach Mike McParland haderte mit der Chancenverwertung seiner Mannen: „Wir waren den Eisbären ebenbürtig. Nur finden unsere Schüsse derzeit einfach nicht den Weg ins Tor. Wir haben in den letzten beiden Spielen achtzig Mal aufs Tor geschossen und haben dabei aber nur zweimal getroffen. Da hilft es wenig, dass wir ordentlich kämpfen.“

Alles in allem gingen alle Beobachter am Dienstagabend mit mehr unbeantworteten Fragen im Kopf nach Hause, als sie gekommen sind. Nicht wenige haben im Spiel gegen die angeschlagenen Huskies den Befreiungsschlag der Eisbären erwartet, der aber blieb ein weiteres Mal aus. Am kommenden Freitag geht es zum DEL-Rekordmeister nach Mannheim, der selbst auch eine kleine Kunstpause eingelegt zu haben scheint. Da Begegnungen zwischen Eisbären und Adlern jedoch stets recht brisant sind, steht zu befürchten, dass die Spieler von Helmut de Raaf zur rechten Zeit ihre Motivation wiederfinden. Ob die Eisbären dazu in der Lage sein werden, bleibt bis zum erbrachten Beweis offen. (mac/ovk - Foto: City-Press)

EHC Eisbären Berlin - Kassel Huskies 1:0 (0:0; 1:0; 0:0)

Tor: 38:13 Barta / EQ

Zuschauer: 3500

Schiedsrichter: Dimmers/ Gregorius, Jablukow

Strafen: 6/ 4

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