Sandro Schönberger: „Wir wollen die rote Laterne nicht mehr“Nachgehakt

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Auf der Pressekonferenz rechneten viele mit einem schlecht gelaunten Berliner Trainer Uwe Krupp, doch dieser kam bestens gelaunt und meinte: „Straubing hat über 60 Minuten ein sehr gutes Spiel gespielt. Sie haben um jeden Zentimeter hart gekämpft. Es war ein enges Eishockeyspiel. Das Tor zum Schluss war etwas kurios. Für uns etwas schmerzlich, dass wir am Ende im Powerplay das Tor bekommen, aber Straubing hat viele der letzten Heimspiele gewonnen. Sie sind gefährlich und haben viele Unterzahltore geschossen. Meine Mannschaft wusste das und war gut vorbereitet.“ Dass Straubings Coach Larry Mitchell gut gelaunt war, verwundert hingegen nicht:  „Ich denke, wir haben die ersten 37 Minuten gut gespielt und geben sehr leichtfertig eine Führung aus den Händen. Wendepunkt im Spiel war sicher das lange drei gegen fünf, das wir überstanden haben. Das wird langsam unheimlich. 28 Sekunden vor dem Schluss bekommt man eine Strafe und hat viele Gedanken um Kopf: Wir haben gut genug gespielt, um zu punkten, wir müssen die 28 Sekunden überstehen und plötzlich bekommen wir ein zwei gegen null.“

Diese Strafe war ansonsten kaum ein Thema, was auch daran lag, dass nicht die Überzahlmannschaft, sondern das Team in Unterzahl das Spiel entscheiden konnte. Larry Mitchell meint einen Tag später dazu: „Aus meiner Sicht kann man die Strafe geben, aber ich glaube, was uns DEL-Trainer am meisten stört, ist die fehlende Konstanz. Denn diese Szene ist vorher im Spiel schon ein- oder zweimal passiert und da gibt es keine Strafe.“ Insgesamt findet Mitchell: „Es wird viel zu wenig Behinderung gepfiffen, deswegen beschwere ich mich auch nicht bei der Strafe gegen Wörle beim Bully. Für mich war das eine Strafe. Merkwürdig ist nur, dass es in den ersten zwei Dritteln bei derselben Szene sieben oder acht Mal keine Strafe gab. Für solche Dinge haben wir keine Erklärung.“ Auch Sören Sturm sieht es ähnlich: „Ich glaube, dass es eine Strafzeit war, die man pfeifen kann. Tommy (Brandl Anm. d. Autors) wollte sich wohl mit dem Schläger an den Gegner ranziehen, da ist er abgerutscht. Da muss Tommy schon besser aufpassen. Es gab aber andere Situationen, in denen er hätte pfeifen können.“

Auch nach der Schlusssirene gab es hitzige Momente. Sturm erklärt das: „Es ging irgendwie darum, dass einige Berliner mit der Art, wie Stewart gespielt hat, nicht einverstanden waren und haben schon die ganze Zeit versucht, ihn zu provozieren. Nach dem Spiel sind sie direkt auf ihn los. Während des Spieles hatte auch einer zu mir was gesagt, da bin ich dann hin und wollte ihn etwas provozieren. Aber da hat er mich umgehauen. Keine Ahnung, warum der Schiedsrichter so was nicht sieht und pfeift. Es ist ein bisschen hitziger zum Schluss geworden.“

Erfreulicher war das Siegtor nach der Vorlagen von Jared  Gomes. Er wurde gestern zum „First Star“ gewählt, gibt sich aber bescheiden: „Ich bin glücklich über mein Spiel und mit der Teamleistung. Wir müssen einfach so weiter machen und uns gegenseitig unterstützen.“ Aus seiner Sicht spielte sich die Sache wie folgt ab: „Im Penaltykilling wollte ich etwas forechecken und an der roten Line habe ich die Scheibe gestohlen, dann war es auf einmal ein zwei gegen null. Sandro hat toll vollendet. Es ist toll, zusammen so zu gewinnen.“ Doch er hat auch Lob für seinen anderen Flügelmann „Ich spiele gerne mit meinen Linies zusammen, Reed ist guter Vollstrecker, er bringt auch viel Geschwindigkeit ums Tor.“ Zu den Gerüchten, dass die Tigers angeblich eine Option für nächste Saison für ihn haben, meint er: „Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung. Ich habe bis jetzt noch mit niemanden gesprochen. Ich denke auch noch nicht an nächste Saison, wichtig ist jetzt erst mal diese Saison.“ Gegen ein Bleiben hätte er jedoch nichts: „Hier weiter zu spielen, würde mir gefallen, aber das muss die Organisation und der General Manager entscheiden.“

Vor der Entscheidung wurden aber auch einige hochkarätige Chancen ausgelassen. Einmal schlug Sören Sturm gar die Hände über den Kopf zusammen und konnte es nicht glauben: „Das waren zwei Situationen, in denen ich Sacha (Treille, Anm. d. Autors) bedient habe. Er hat direkt in die Fanghand geschossen und der Torhüter hat doch noch einen überragenden Save gemacht hat. Wir konnten es beide irgendwie nicht fassen, aber so ist es manchmal. Gott sei Dank haben wir es die letzten Sekunden geschafft.“ Zudem gab es im Schlussdrittel noch eine kleine Umstellung. Marcel Brandt wechselte die Position mit Tobias Wörle, der einen etwas unglücklichen Tag hatte. „Das war auch eine Belohnung für Marcel für seinen Einsatz im Training und seine Leistung“, sagt Larry Mitchell dazu.

Für die Hausherren bedeutet der Sieg ein kleines Zuckerl vom Coach. So berichtete Sandro Schönberger gestern: „Wir haben jetzt in der Pause einen Tag extra frei.“ Mit kleinen Extragaben bringt Mitchell zusätzlich Motivation ins Team, allerdings weiß niemand, was es gibt. „Nein, keine Ahnung, was das nächste sein könnte“, sagt Dotzer, der heute nach dem Training am Ohr genäht werden musste. Er freut sich natürlich auch über das Verlassen des letzten Platzes „Das ist erleichternd für uns, dass wir die rote Laterne abgegeben haben. Das ist schon wichtig für uns. Wir werden jetzt alles dafür tun, dass wir die nicht mehr bekommen und so viele Spiele wie möglich gewinnen und den Fans schönes Eishockey zeigen.“

Das nächste Spiel findet am Sonntag in Nürnberg statt. Dort trifft man auf Ex-Coach Rob Wilson. „Für uns ist es nochmal eine extra Motivation, es dem alten Trainer zu zeigen. Vor allem die Spieler, die nicht so viel bei Rob gespielt haben“, sagt Sören Sturm.

Larry Mitchel hofft, dass einige angeschlagene zurückkommen: „Osterloh hat nicht trainieren können, weil er gestern zu viele Schüsse geblockt hat. Nach der Behandlung heute schaut es besser aus. Ich hoffe, dass er morgen in die Schlittschuhe kommt. Wir hoffen, dass wir sechs Verteidiger aufbringen werden. Wiederer ist zurück, sodass wir wieder mit vier Sturmreihen spielen wollen.“ Über den Gegner sagt der Coach: „Nürnberg ist die stärkste Heimmannschaft, da muss man einen guten Start erwischen. Natürlich muss man diszipliniert Spielen. Es gibt sicher Probleme, wenn Reinprecht, Reimer und Co. zu viel die Scheibe haben. Deshalb wollen wir eng am Mann sein.“ Als Schiedsrichter trifft Mitchell wieder auf Roland Aumüller. „Ich schreibe keine Statistiken, was welcher Schiedsrichter pfeift, aber manche Journalisten machen das und wenn die mir das zeigen, dann ist das schwierig zu kapieren. Wir hoffen, dass Herr Aumüller morgen sein Bestes gibt, mehr kann man nicht verlangen. Wir hoffen, dass wir fair behandelt werden, dann sind wir sicher nicht chancenlos.“