Saisonvorschau Kassel Huskies 2008/09

Schafft es Manuel Klinge?Schafft es Manuel Klinge?
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Die erste Spielzeit als Rückkehrer

in der DEL wird für die Huskies sicherlich keine leichte. Das Gerüst

für das neue DEL-Team stand schon kurz nach der Meisterschaft in der

2. Bundesliga: 15 Cracks der letzten Saison blieben Trainer Stéphane

Richer erhalten. Die Mannschaft, bis dahin eher ein Zweitligateam als

eines des Oberhauses, wurde kurz vor Saisonbeginn noch einmal gezielt

verstärkt: Tallaire für den vorerst nicht einsatzbereiten McNeil,

Gaucher als Brecher in der Abwehr und zuletzt Dustin Wood und Brian

Schmidt, ebenfalls als Verstärkung für die Defensive. 

Tor

Im Tor haben die Huskies auch

in diesem Jahr eine klare Nummer eins: Boris Rousson, der letzten Sommer

mit der Empfehlung von 414 DEL-Partien nach Nordhessen wechselte, war

maßgeblich am Aufstieg der Schlittenhunde beteiligt. Seine Mitspieler

werden nicht müde zu betonen, wie viel Ruhe er ausstrahlt. Sicherlich

ist Rousson eine wahre Größe, ob er sich mit inzwischen 38 Jahren

und nach einer Spielzeit im Unterhaus aber noch immer mit den Großen

in der DEL messen kann, muss er noch beweisen. Back-up Elwing hatte

in Kassel schon in der zweiten Liga keinen leichten Job. Ist er eingespielt,

bringt er für gewöhnlich solide Leistungen. Ob er diese Chance in

der DEL jedoch tatsächlich bekommen wird, darf angezweifelt werden. 

Verteidigung

In der Verteidigung sind den

Huskies mit Mike Pellegrims und Drew Bannister die wichtigsten Stützen

erhalten geblieben. Pellegrims will sich gerade wegen seiner 40 Jahre

auch nach zwei Jahren im Unterhaus noch einmal in der DEL beweisen;

Bannister, zuletzt zwei Mal Verteidiger des Jahres in der 2. Bundesliga

und Torschütze des entscheidenden Meisterschaftstores, hat definitiv

das Potenzial zu einem Top-Defender im Eishockey-Oberhaus. Verstärken

konnte man das Team durch Dominic Auger und Ryan Gaucher; im August

kamen außerdem Dustin Wood von den Panthern aus Ingolstadt und Brian

Schmidt von den Milwaukee Admirals dazu. Brad Burym, der schon seit

2005 für Kassel aufläuft und zumeist als Defender eingesetzt wurde,

rutschte in der Vorbereitung zurück in den Sturm und zeigte, dass er

sich weiter empfehlen will. Semen Glusanok wird vorerst beim Kooperationspartner

in Crimmitschau Eiszeit sammeln. Insgesamt scheint die Huskies-Abwehr

recht solide und durch die Neuzugänge besonders kampfstark. 

Sturm

Im Sturm setzen die Huskies

auf Konstanz, nur fünf neue Spieler sind für die DEL dazu gekommen.

Mit Martin Bartek konnte man schon früh einen Wunschkandidaten an sich

binden. Er spielt an der Seite von Alex Leavitt, der aus der CHL nach

Kassel kam, für seine 24 Jahre aber eine erstaunliche Übersicht beweist.

Das Duo soll der Offensive die nötige Durchschlagskraft verleihen.

Für das kämpferische Element im Huskies-Sturm wurde Colin Beardsmore

von den Sinupret Ice Tigers geholt; Rückkehrer Alexander Heinrich sollte

nach zwei Jahren unter Gunnar Leidborg fit für die DEL sein. Ansonsten

setzt man weiter auf altbewährte Kräfte. Da wiegen die Ausfälle von

McNeil und Plachta besonders schwer. Der an Rheuma leidende McNeil wird

vorrausichtlich in zwei Wochen wieder auflaufen können; Plachta fällt

nach einer Schultereckgelenksprengung noch mehrere Wochen aus. Durch

McNeils Ausfall wurde vorerst auch der Kasseler Top-Sturm McNeil-Boisvert-Klinge

gesprengt. Als Rückversicherung holte man daher noch Sean Tallaire

an die Fulda, der in der DEL wahrlich kein Unbekannter ist. Auch Ryan

Kraft sollte in der ersten Liga wieder für den ein oder anderen Scorerpunkt

gut sein. Steve Palmer wird mit seiner Erfahrung die vierte Reihe anführen,

während Mark Kosick erst noch beweisen muss, dass er das Potenzial

zum DEL-Spieler hat, nachdem er im vergangenen Jahr in Wolfsburg nicht

dazu gekommen ist.  Thorben Saggau ist dabei schon auf einem guten

Weg und wird sicherlich für Wirbel in den gegnerischen Reihen sorgen.

Eigengewächs Michael Christ läuft vorerst für den ETC Crimmitschau

auf.  

Umfeld

Die Multifunktionsarena scheint

mal wieder in greifbarer Nähe. Laut Huskies-Geschäftsführer Rainer

Lippe befindet man sich auf einem guten Weg, Gespräche mit einem potentiellen

Betreiber gehen immer weiter ins Detail. Bis mindestens 2010 müssen

die Huskies aber noch in der altgediegenen Eissporthalle am Auestadion

auflaufen. Für die erste DEL-Saison kalkuliert die Geschäftsleitung

mit einem Schnitt von 3.500 Zuschauern – etwa der erfüllte Wert der

beiden vergangenen Spielzeiten in der 2. Bundesliga. Auch wenn der große

Sprung dieses Jahr ausbleiben wird, werden Gegner wie Mannheim, Berlin,

Köln und Frankfurt die Eishockeybegeisterten Nordhessens sicherlich

in die Halle treiben. 

Fazit

Selbst Stéphane Richer und

Fabian Dahlem waren in der Vorbereitung einigermaßen überrascht von

der überzeugenden Leistung der Schlittenhunde. Schnell wirkte die Truppe

eingespielt und bereit für den Kampf in der DEL. Auch nach dem Erreichen

der Viertelfinalrunde des Deutschen Eishockey Pokals macht man sich

aber keine Illusionen. Offizielles Ziel bleibt es, nicht Letzter zu

werden – alles andere gilt als Zugabe. „Wir haben dieses Jahr eine

ganz andere Rolle: Jetzt wollen wir versuchen die großen Mannschaften

zu ärgern“, fasst Trainer Richer zusammen. Man will zeigen, dass

man mithalten kann, nie kampflos aufgeben. Dennoch: Die Huskies scheinen

auf sehr gut eingespielt und eingestimmt auf die neue Saison, gilt es

doch dieses Jahr zu Beginn und nicht erst zu Ende der Spielzeit voll

da zu sein. Die Stimmung im Team ist entsprechend gut, was für die

Schlittenhunde nur ein großer Pluspunkt sein kann. Ziel muss es jetzt

erst einmal sein die gute Stimmung und den Schwung aus der Vorbereitung

möglichst weit mit in die Saison zu ziehen. Selbst ohne Play-Off-Teilnahme

könnte die Saison dann als Erfolg verbucht werden.

Leona Malorny