Saisonvorschau Hannover Scorpions 2008/2009

Scorpions erlegen tapfer kämpfende WölfeScorpions erlegen tapfer kämpfende Wölfe
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Weder Fisch, noch Fleisch war die letzte Spielzeit der Hannover Scorpions. Mit dem Aus in den Pre-Play-Offs gegen die Metro Stars aus Düsseldorf war die Saison schon recht zeitig beendet. Und da der Konjunktiv bekanntlich der Feind des Verlierers ist, bringt es wenig darüber nachzudenken, wie weit die Hannoveraner gekommen wären, wenn das Verletzungspech nicht so derart heftig zugeschlagen hätte. So ruhen die Hoffnungen heuer auf weniger Arbeit für die medizinische Abteilung, und auf die Homogenität des Teams.

 

Die Torhüter:

Mit Alexander Jung und Martin Morczinietz gehen die Landeshauptstädter mit dem Torhüter-Duo der Vorsaison auch in die kommende Saison. Ob sich die Verantwortlichen der Scorpions damit einen Gefallen getan haben, wird die Saison zeigen. Suchte doch die sportliche Leitung den Sommer über in Übersee nach Ersatz für Jung. Das Scheitern in der Serie gegen Düsseldorf in der Vorsaison, oder auch gegen Nürnberg im Jahr zuvor, schieben nicht wenige rund um die Expo-Plaza Jung zu. Ob die wenig vertrauensbildende Suche nach einer neuen Nummer eins Wirkung zeigt, wird sich zeigen. Sein Back-Up Martin Morczinietz dürfte einer der talentiertesten der DEL sein. Selten enttäuschte der 24-jährige bei seinen bisherigen Einsätzen und zeigte, dass mehr in ihm steckt als die Rolle des Bankdrückers. Ob es zur neuen Saison für mehr Einsätze langt werden wir sehen.

Fazit: Nominell dürften die Scorpions im Tor mit wenig Sorgen in die Saison gehen. Dennoch bleibt, wie bereits angesprochen, abzuwarten, wie Jung das Hick-Hack um seine Position verarbeitet hat.


Die Verteidigung:

Der Abgang von Stephane Robitaille (Bietigheim-Bissingen) dürfte zu verschmerzen sein, ansonsten bleibt in der Defensive alles beim Alten. Viel wird auch davon abhängen, ob das Knie von Ex-Nationalspieler Sascha Goc hält. Zu abhängig scheint das Spiel der Skorpione vom Ex-NHL-Profi zu sein. Gerade im Powerplay würden, bei einem Ausfall, seine gefürchteten Schlagschüsse vermisst werden. Patrick Köppchen hat zuletzt einen weiteren Schritt nach vorne gemacht, und dürfte einer der Schlüsselspieler in der Defensive werden. Ebenfalls interessant wird sein, ob Shootingstar Andy Reiß die Leistungen der Vorsaison bestätigt. Aris Brimanis und Dan Lambert können für die nötige Portion Routine sorgen, wohingegen Niki Goc und Danny Pyka, neben Reiß, die Garde der jungen Wilden darstellen. „Local Hero“ Rainer Köttsdorfer scheint etwas hinten anzustehen, dürfte aber aufgrund seiner Vielseitigkeit seine Rolle bekommen.

Fazit: Alles scheint in der Defensive mit Sascha Goc zu stehen und zu fallen. Jedoch zeigten in der Vorsaison seine Abwehrkollegen, dass man einen Ausfall von Goc gut kompensieren kann.


Der Sturm:

„Da weiss man was man hat…“ - getreu dem alten Werbeslogan darf man die Zusammensetzung der Abteilung Attacke betrachten. Die Abgänge von Green (Wolfsburg), Röthke und Nickulas (beide Ingolstadt), Lanier (Bremerhaven), sowie von Bright, machen die Zugänge von Klaus Kathan, Tore Vikingstad und von Garret Festerling mehr als vergessen. Gerade von den Neuzugängen aus Düsseldorf versprechen sich die Verantwortlichen viel. Ob der junge Festerling den Sprung aus der Oberliga in die DEL packt, wird sich zeigen. Mittelfristig könnten aber die Hannoveraner viel Freude an dem aus Füssen gewechselten Kanadier haben. Die deutsche Fraktion um Tino Boos, Niki Mondt und Thomas Dolak ist mehr als nur Durchschnitt. Die Kanadier Eric Schneider, Chris Herperger und Adam Mitchell sollen und werden mit Sicherheit für die nötigen Tore sorgen. Martin Hlinka und Matt Dzieduszycki darf man als Ergänzungsspieler sehen, während für die jungen Angreifer Thomas Holzmann, Marian Dejdar und Sachar Blank die kommende Saison ein weiteres Ausbildungsjahr wird.

Fazit: Viel Mainstream, was keinesfalls negativ auszulegen ist, werden für ausgeglichene Reihen sorgen. Gepaart mit dem Zach´schen Defensivsystem kann der Angriff für den Rest der Liga sehr unangenehm werden.


Am Rande der Bande:

Es wird wichtig für die Scorpions sein, gleich zu Beginn der Saison ihre Fans zu begeistern. Von jeher als sehr kritisch geltend, werden bei einem durchwachsenden Start sehr schnell die Kritiker auf der Matte stehen. Auch dürfte ein guter Start gut für die Stimmung in der TUI-Arena sein und für mehr Zuschauer als letzte Saison sorgen. Ein weiterer Zuschauerrückgang wäre mit Blick auf den Lokalrivalen Hannover Indians eine mittelschwere Katastrophe. Sorgte bereits das enthusiastische Auftreten der Indians-Anhänger beim Derby vor zwei Wochen fast schon für eine Identitätskrise der Fans des Erstligisten. So blickt Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth dem Startschuss am Freitag gespannt entgegen: „Für die Scorpions wird die Saison 2008/2009 nicht nur aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten die wichtigste Spielzeit überhaupt.“ Die Scorpions haben entsprechend zu Wochenbeginn eine großangelegte Plakatkampagne ins Leben gerufen, und hoffen auf mehr Zuschauer denn je.

Prognose:

„Das Play-Off-Viertelfinale zu erreichen wird unser Maßstab sein“, erklärt Cheftrainer Hans Zach, der auf eine insgesamt erfolgreiche Vorbereitung zurückblickt. „Wir haben dabei weniger auf Ergebnis gespielt als vielmehr die psychische und physische Belastbarkeit der Spieler simulieren wollen“, so Zach weiter. Wenn die Niedersachsen vom ganz großen Verletzungspech verschont bleiben, und alle Rädchen ineinander greifen, steht einem besseren Abschneiden als in den Vorjahren nichts im Wege. Vom Papier her liegt eine direkte Play-Off-Qualifikation durchaus im Bereich des Möglichen. Auch sollten die Vielseitigkeit und der gute Charakter einiger Spieler ein weiterer Pluspunkt sein.

Jens Wilke