Retro- siegt einfach gegen Event-EishockeyMünchen – Düsseldorf 0:4

Lesedauer: ca. 4 Minuten

In ihren werbefreien gelben Retro-Trikots und durchgängig mit nur drei Reihen agierend, spielte das junge rheinische Team taktisch diszipliniert und mit viel Hingabe einfaches Eishockey: Mit einer 3-1-1-Aufstellung in der Rückwärtsbewegung ließen die Gäste kaum einmal ein geordnetes Eindringen in ihre Verteidigungszone zu. Dabei spielte ihnen das durchweg unkonzentrierte Passspiel der roten Bullen gehörig in die Karten; kaum ein Puck landete auf der Kelle eines Mitspielers und wenn, war dieser derart überrascht, dass zumeist die Annahme und Weiterverarbeitung scheiterte. Die besten Szenen hatten die Hausherren deshalb, wenn die Scheibe mit einer Einzelaktion zum Angriff getragen wurde und die Herde mit viel Hurra und Hufetrommeln folgte. Ging das Spielgerät dann verloren, war die Not groß, zumal die Rheinländer auch bei ihren Kontern mit einfachen, aber präzisen Pässen und Mitteln ihr Werk verrichteten und zumeist ohnehin nur ein Bulle die blaue Angriffslinie zu sichern versuchte.

Das Spiel begann mit einer Strafzeit gegen die Oberbayern, die aber dennoch mit einem Konter über Links und dem abschließenden Lattentreffer durch Jan Urbas die beste Chance dieser Phase verzeichnen konnten. In der 5. Minute vertändelte zwar zunächst Colin Long, zwei Meter zentral vor dem Tor stehend, die bis dahin beste Chance der Gäste, doch mit einem folgenden flachen Schlagschuss von der blauen Linie ermöglichte Andrew Hotham seinem Center Justin Bostrom, den Puck hoch ins Tor abzufälschen - einfach und wirkungsvoll. Toni Ritter eröffnete sich drei Minuten später, nach einem von der Bande zurückprallenden Schuss, zwei Meter rechts vor dem Tor die Gelegenheit zum Ausgleich, doch konnte er die Scheibe nicht unter Kontrolle bringen. Auch im zweiten Unterzahlspiel der Hausherren erspielten sie sich eine Riesenchance; der Querpass von Grant Lewis zu dem im Slot laufenden Ritter über drei Meter war aber so unpräzise gespielt, daß dieser nicht zum Abschluss kam. Kurz darauf zeigte Manuel Strodel mit einem messerscharfen Steilspiel in die Mitte der blauen Angriffslinie auf den entwischenden Alexander Preibisch, wie es besser geht. Der Angreifer ließ danach auch Jochen Reimer im Tor der Blauen keine Abwehrchance und erhöhte zum 2:0-Pausenstand.

Im zweiten Drittel verstetigte sich der Spielverlauf: nur siebenmal gelang den wild anrennenden Red Bulls ein Abschluss, bei dem sie jedoch stets ihren Meister im blendend haltenden Bobby Goepfert im DEG-Tor fanden. Besser machten es wieder die Gäste, die ihr viertes Überzahlspiel mit vielen Chancen schließlich zum Torerfolg nutzten: diesmal schoss Bernhard Ebner flach von links und Nikolaus Mondt fälschte hoch ins Tor ab. Kurz darauf entlud sich bei Daniel Bois aufkommender Frust, als er Corey Mapes zum ersten Faustkampf des Abends bat. Und nachdem Sekunden vor Drittelende erneut ein Münchner Hammer aus Halbdistanz von Goepfert gemeistert wurde, griff sich Nick Palmieri Kontrahent Preibisch zur Kampfeinlage - zumindest Show wurde den heimischen Fans also geboten.

[AD_MRECT]Uli Maurer bot sich kurz nach Beginn des Schlussabschnitts, völlig frei im Slot stehend, die große Möglichkeit, mit einem Anschlusstreffer doch noch den Umschwung einzuleiten. Aber erneut war Goepfert zur Stelle. Den Unterschied beider Teams an diesem Abend wurde in der 47. Minute zusammengefasst: nach einem neuerlichen Fehlpass der bayerischen Angreifer vor dem Düsseldorfer Tor zeigte die DEG im direkten Konter, wie ein scharfer Querpass von der rechten Bande durch Andreas Martinsen so genau auf den mitgelaufenen Kapitän Daniel Kreutzer gespielt werden kann, dass dieser trotz Bedrängnis direkt vor dem Tor nur den Schläger hinzuhalten braucht, um Reimer zum vierten Mal zu überwinden. Zwar steckten die Gastgeber bis zum Schluss nicht auf, vermochten aber für keine Änderung zu sorgen. Stattdessen lud Palmieri mit einem neuerlich ungenauen Hintertorpass Sekunden vor Schluss Daniel Fischbuch zum direkten 1:0-Konter ein, doch scheiterte dieser am Pfosten.

Während DEG-Coach Christian Brittig das „taktisch beste Spiel der Saison“ von seiner Mannschaft sah und mit der „kompakten Bewegung“ seines Teams „die individuellen Stärken der Münchner Spieler nicht zur Entfaltung kommen“ ließ, referierte Münchens Pierre Pagé diesmal in durchgängig englischer Sprache Bemerkenswertes: Sein Team wollte gewinnen, war aber „nicht bereit, den Preis dafür zu zahlen“. Die DEG hätte „einen Plan gehabt, um das Spiel zu gewinnen“, andererseits, auf die vielen technischen Fehler angesprochen, „machen die Spieler den Unterschied, nicht das System oder der Trainer“. Er ist aber überzeugt: „Wir haben ein gutes Team und werden das Ergebnis korrigieren!“ - Na dann... Dem jungen rheinischen Team, das durch diesen Sieg einen Sprung vom Tabellenende auf Platz 11, punktgleich mit dem deutschen Meister schaffte, darf man mit solchen Leistungen in den kommenden Wochen noch einige Überraschungen zutrauen. München rutschte ab auf Platz 7 und dürfte weiterhin für Unterhaltung sorgen.

Tore: 0:1 (5.) Bostrom (Paris, Hotham), 0:2 (14.) Preibisch (Strodel, Zanetti), 0:3 (31.) Mondt (Long, Ebner) 5-4, 0:4 (47.) Kreutzer (Martinsen, Zanetti).

Strafen: München 16 + 10 Bois (übertriebene Härte) + 10 Palmieri (übertriebene Härte), Düsseldorf 12 + 10 Mapes (übertriebene Härte) + 10 Preibisch (übertriebene Härte).

HSR: Brüggemann, Pesina (Gast/ IIHF); LSR: Höck, Kretschmer

Zuschauer: 3.112


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