Red Bull München vor dem UmbruchDaryl Boyle: „Es fühlt sich im Moment irreal an“

Der Meister steht nach drei Titeln in Folge vor dem Umbruch. (picture alliance/NurPhoto)Der Meister steht nach drei Titeln in Folge vor dem Umbruch. (picture alliance/NurPhoto)
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Nein, es waren nicht die Kleinigkeiten, die dieses Spiel entschieden haben – oder anders ausgedrückt: Es waren so viele Kleinigkeiten, die sich zu einer deutlichen Überlegenheit des alten und neuen Deutschen Meisters EHC Red Bull München summierten. Und das trotz eines weit mehr als soliden Auswärtsspiels der Eisbären, das im Normalfall zu einem Sieg gereicht hätte – selbst gegen ein Spitzenteam wie die Bullen. Die Eisbären starteten gut, für die Fans in der Hauptstadt sogar vielversprechend: Mit Schwung nach vorne, aggressiv im Forecheck, defensiv gut organisiert und sogar effektiv im Powerplay. Micki DuPont nutzte gleich das erste Überzahlspiel zur Führung für die Gäste. Der Ausgleich durch Kony Abeltshauser fiel danach vielleicht ein bisschen zu schnell, weil mit dem ersten strukturiert gespielten Angriff. Der vielleicht nicht ganz neutrale TV-Experte Sven Felski sagte nach dem Spiel: „Der Sieg von München geht in Ordnung, da kann man nur gratulieren. Berlin hat zwar ein sehr gutes Auswärtsspiel abgeliefert, aber München war einfach brutal effizient und die Eisbären Berlin hatten ihren besten heute nicht im Tor stehen.“

Direkt nach dem schnellen Ausgleich folgte die Phase, in der München mehr als deutlich machte, wer hier den Cup stemmen würde. Jon Matsumoto, nach dem Spiel mit zwölf Punkten – damit vier Punkte mehr als Leo Stefan in der Premieren-Saison der DEL 1994/95 – zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt, Geburtstagskind Steve Pinizzotto und Mads Christensen im wieder einmal effektiven Powerplay der Münchner legten noch im Eröffnungsdrittel mehr als nur den Grundstein zum dritten Titelgewinn in Folge. Daryl Boyle, einer von Münchens Olympia-Helden fasste es so zusammen: „Es fühlt sich im Moment irreal an: Erst Olympia, dann der Titel hier, im Sommer heiraten wir noch – besser kann es nicht werden. Wir haben uns diesen Titel so hart erarbeitet und sind heute nach zwei Niederlagen in den letzten beiden Spielen zurückgekommen. Es hat von Anfang an alles gepasst, jeder wusste, was er zu tun hatte. Es war ein harter Kampf über alle sieben Spiele, Berlin hat alles gegeben und sehr hart gekämpft.“


Und auch gut gespielt, aber eine insgesamt sehr gute Leistung war gegen diese Münchner einfach nicht genug. „Wir haben in einer tollen Serie heute Abend das vielleicht beste Eishockey gesehen. Dazu haben beide Mannschaften beigetragen. Wir haben uns vor dem Spiel gesagt, dass wir in den letzten drei Jahren eine Familie geworden sind – und dass wir es heute zu Ende bringen“, sagte Keith Aucoin, Powerplay-Quarterback und Spieler des Jahres der DEL. Diese Familie wird im nächsten Jahr wohl ein völlig anderes Gesicht bekommen. Einige verdiente Spieler stehen vor dem Karriereende, Dominik Kahun vor dem Wechsel nach Nordamerika, weitere Wechsel, die mehr als nur eine punktuelle Blutauffrischung darstellen, stehen im Raum. Bullen-Kapitän Michael Wolf meinte nach dem Spiel vielsagend: „Es war eine lange harte Serie, der Sieg besonders hart erarbeitet. Aber jetzt genießen wir das und feiern. Über das Gesicht der Mannschaft sprechen wir in ein paar Monaten.“


Jason Jaffray, der ebenfalls vor dem Abschied vom Profisport stehen soll, ließ im Augenblick des großen Triumphes seine Karriere Revue passieren: „Ich habe in Nordamerika zwölf, dreizehn Jahre auf einen Meistertitel gewartet. Jetzt zum dritten Mal mit diesen Jungs Meister zu werden, ist einfach fantastisch. Wenn man sich die Top-Teams anschaut, gibt es viel Potenzial in der Liga, aber das hier ist ein Team! Ich zolle Berlin großen Respekt für ihre Leistung. Sie haben extrem gut gespielt.“ Und dann gibt es ja noch Steve Pinizzotto: Der Unruheherd, der mit seiner Rückkehr nach der Sperre aus dem Halbfinale die Serie zumindest in Spiel 2 und 3 zugunsten der Münchner aus der Balance brachte, feierte neben der dritten Meisterschaft auch seinen 34. Geburtstag – und beschenkte sich selbst mit zwei Treffern: „Es ist der beste Geburtstag bisher. Die Serie war so hart und jetzt in Spiel sieben zu gewinnen ist einfach unglaublich“, sagte „Pinner“ nach dem Spiel überglücklich.

Hockeyweb gratuliert dem verdienten Deutschen Meister. Wir wünschen eine gute Kondition für den anstehenden Feier- und Terminmarathon!

Informationen zur Meisterfeier: 

Der EHC Red Bull München wird am Samstag die dritte Meisterschaft in Folge gebührend feiern. Zur Meisterfeier auf dem Vorplatz des Olympia-Eisstadions sind alle Freunde und Partner der Red Bulls herzlich eingeladen - los geht’s um 15.00 Uhr.

Alle Fans dürfen sich auf ein buntes Rahmenprogramm freuen. Essens- und Getränkestände laden dazu ein, die Saison Revue passieren zu lassen. Die Hattrick-Meister blicken schließlich auf eine äußerst erfolgreiche Spielzeit zurück: Sie wurden nicht nur Meister und zuvor Hauptrundensieger, sondern stellten in der Hauptrunde mit Keith Aucoin den Topscorer (64 Punkte) und mit Brooks Macek den besten Torschützen (26). Dazu wurde Jon Matsumoto als wertvollster Spieler der Finalserie ausgezeichnet. Auf all diese Erfolge kann am Samstag angestoßen werden. Darüber hinaus gibt es verschiedene Stationen, wie Schussanlage, Hüpfburg, Kletterwand oder Kinderschminken, sodass sich auch die kleinen Fans austoben können.

Der Höhepunkt folgt dann gegen 16.30 Uhr: Nach einer Stadtrundfahrt durch die Landeshauptstadt fährt die komplette Mannschaft der Red Bulls – inklusive Trainer- und Betreuerstab – im offenen Doppeldeckerbus zum Olympia-Eisstadion. Stadionsprecher Stefan Schneider begrüßt dort alle Spieler und bittet sie nacheinander auf die Bühne. Dort zeigen sie den Zuschauern dann den Lohn für die harte Arbeit: den silbernen Meisterpokal. Anschließend können die Fans die Zeit nutzen, um sich mit den alten und zugleich auch neuen Deutschen Meistern zu unterhalten und sich Autogramme und Fotos zu sichern.

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