Red Bull München siegt mit Geduld und KlasseIn der Ruhe liegt die Kraft

Mads Christensen traf zum 2:0 für die Red Bulls München bei den Straubing Tigers. (Foto: GEPA pictures/ Markus Fischer)Mads Christensen traf zum 2:0 für die Red Bulls München bei den Straubing Tigers. (Foto: GEPA pictures/ Markus Fischer)
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München hat nicht nur große individuelle Klasse, sondern auch sehr großes Verständnis im Zusammenspiel. Allen voran Yannic Seidenberg, der nominell als Verteidiger auflief, blitzte an allen Ecken und Enden auf. Mit ihm ist es schon fast wie mit gutem Wein, der mit zunehmendem Alter immer wertvoller wird. Doch auch die Jüngeren, wie Dominik Kahun, verstehen dieses Spiel. Um nur zwei außergewöhnliche Qualitäten zu nennen: München ist wahrscheinlich das einzige Team, das bei Unterzahl noch aggressiver in der eigenen Zone zu Werke geht, als bei fünf gegen fünf. Man lässt den Stürmern kaum Zeit, die Pässe zu verarbeiten und Schüsse anzusetzen. Außerdem bleiben die roten Bullen unglaublich ruhig, egal was passiert. Man spielt einfach konsequent das System von vorne bis hinten zu Ende, ohne Hektik und ohne Nervosität und dabei sieht alles fast schon spielerisch leicht aus.

Durch Strafen den Faden verloren

Dabei hatten die Niederbayern einen ausgezeichneten Start aufs Eis gelegt. Cheftrainer Tom Pokel meinte zufrieden: „Wir haben ein sehr gutes erstes Drittel gespielt. Wir waren gut vorbereitet und haben gespielt, wie wir  wollten, gegen ein gutes Münchner Team. Ich kenne Don und seine Spielweise schon aus der EBEL mit Red Bull Salzburg. Die kommen mit aggressivem Forechecking.“ Bereits nach zehn Sekunden gaben die Tigers den ersten Schuss ab. Auch in der Folge hatten sie mehr vom Spiel, zumindest bis zur Werbepause. Danach kamen die Münchner besser ins Spiel, was auch an den Straubinger Strafen lag. Tom Pokel: „Wir haben sehr gute Chancen herausgearbeitet, aber dann kamen die Strafen.“ Die Oberbayern spielten geduldig und ließen die Scheibe kreisen, bis man in einer guten Schussposition war. Doch die Straubinger Verteidigung hielt bis hierhin gut dagegen und brachte das Spiel mit einem 0:0 in die erste Pause.

Wenn alles leicht aussieht

Das zweite Drittel ging dann aber klar an die Gäste. Nicht nur der 0:3-Spielstand sprach eine eindeutige Sprache, auch die Aktionen auf dem Eis bestätigten das. München gewohnt ruhig und in den entscheidenden Situationen hellwach, was man von den Gäubodenstädtern nicht immer sagen konnte. Münchens Coach Don Jackson sah dieses Drittel als das entscheidende: „Wir haben im zweiten Drittel sehr gutes Eishockey gespielt und die Weichen für den Sieg gestellt.“ Tom Pokel sagte dazu: „In den ersten 25 Minuten haben wir bereits viermal Unterzahl gespielt. Ein gutes Team wie München wird dann aber irgendwann das vierte oder fünfte Powerplay mit seiner Tiefe im Kader und ihren Go-To-Spielern nutzen. Das haben sie im vierten Powerplay dann getan.“ Noch dazu war das Scheibenglück auf Seite der Oberbayern, doch auch das muss man sich erarbeiten. Der Wille war bei den Tigers durchaus zu erkennen, doch das alleine reichte nicht. Straubing fehlte ein Taktgeber, ein Leader. Man sprach zwar vor den Bullys oft miteinander,  doch klappte eine Aktion nicht, gingen bei einigen sofort die Köpfe runter.

Wachgerüttelt

In der zweiten Pause fand Tom Pokel aber wohl die richtigen Worte, denn Straubing spielte wieder mit. Mit einem Unterzahlkonter, den Stefan Loibl abschloss, waren die Hausherren dann auch auf der Anzeigetafel angekommen. Doch keine zwei Minuten später sorgte Franky Mauer für die Vorentscheidung. Pokel: „Ich denke, dass das dritte und vierte Tor unsere Killer waren.“ Es war wieder einer der Momente, in dem sich alle Münchner ansahen und wohl sagten: Lasst uns ein Tor machen. Doch es war nur die Vorentscheidung, da die Tigers nochmal verkürzen konnten. Straubings Coach war mit dem Abschnitt insgesamt aber zufrieden: „Im dritten Drittel haben wir ganz gut gespielt und hatten dann Powerplays. Wir hatten sehr gute Chancen und im zweiten Powerplay haben wir dann das Tor gemacht.“ Er zog seinen Goalie und das Team drückte. Pokel bewertet das so: „Bei sechs gegen fünf haben wir alles riskiert und sehr viel Zeit in der Red-Bulls-Zone verbracht. Die Entscheidungen, die wir getroffen haben, waren schon richtig, aber die Ausführung war leicht daneben. Das müssen wir sauberer ausspielen.“ Fünf Sekunden vor der Sirene fiel das Empty-Net-Tor.

Zusammengefasst

Tom Pokel: „Im Großen und Ganzen ein sehr gutes drittes Drittel, ein sehr gutes erstes Drittel. Aber wenn man gegen ein Topteam wie München nicht 60 Minuten gut spielt, wird man nicht gewinnen.“ Don Jackson: „Die Straubing Tigers sind sehr organisiert und sehr gut vorbereitet. Straubing liefert jedes Spiel einen großen Kampf und hat nicht aufgegeben, darum sind wir glücklich über die drei Punkte.“ Zwischen beiden Trainern war es das zwölfte Duell, wie Tom Pokel in einer kleinen Anekdote berichtet: „Momentan steht es 7:5 für Don. Ich bin jetzt zwei Spiele hinten, heute war die Möglichkeit auszugleichen. Hoffentlich können wir in Zukunft weiter gegeneinander spielen, damit ich die Chance habe aufzuholen.“ Das hörte sich dann doch sehr nach einer Bewerbung um eine weitere Amtszeit in Straubing an.

Statistik

Tore: 0:1 (22:25) Dominik Kahun (Jason Jaffray), 0:2 (30:02/PP) Mads Christensen (Brooks Macek, Derek Joslin), 0:3 (36:55) Patrick Hager (Michael Wolf, Jon Matsumoto), 1:3 (43:42/SH) Stefan Loibl (Mike Zalewski), 1:4 (45:14) Frank Mauer (Dominik Kahun), 2:4 (58:27/PP) Dylan Yeo (Mike Hedden, Kyle MacKinnon), 2:5 (59:55/EN) Jason Jaffray.

Schiedsrichter: Mark Lemelin, Elvis Melia; Linienrichter: Kilian Hinterdobler, Joep Leermakers.

Strafminuten: 10:6 (6:0, 2:2, 2:4).

Zuschauer: 4.020.

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