Ralph Krueger: Das Eishockey in Deutschland hat PotenzialDer Ex-NHL-Coach im Hockeyweb-Interview

Ralph Krueger - Foto: jayRalph Krueger - Foto: jay
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Herr Krueger, Sie waren in Sachen Team Kanada in letzter Zeit viel unterwegs. Wo kommen Sie gerade her?

Ich komme gerade aus Kanada, wo ich die letzten Wochen verbrachte. Jetzt gehe ich aber wieder in die Schweiz und bereite mich auf meine Aufgaben vor.

Ihre nächste größere Aufgabe sind die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi als einer der Co-Trainer bzw. Berater von Team Kanada. Wie kamen sie dazu?

Kurz nach meiner Entlassung bei den Edmonton Oilers rief mich Mike Babcock (Kanadas Nationaltrainer bei den Olympischen Spielen Anm. d. Autors) an und fragte mich, ob ich ihm assistieren würde.

Was ist ihre konkrete Aufgabe in dem Team? 

Ich werde meine Erfahrungen mit den großen Eisflächen einbringen. Diese sollen helfen, den Unterschied zur in Nordamerika üblichen kleineren Eisfläche im Spiel zu erkennen. Mike Babcock ging es vor Allem um einen Assistenten mit Erfahrungen auf den großen Eisflächen. Immerhin ist es ein Unterschied von 240 Quadratmeter. Zudem ist die neutrale Zone größer. Das hat einen Einfluss auf die Taktik. Bei den Spielen werde ich beobachten und das Scouting der Gegner leiten. Außerdem sind da noch meine Erfahrungen von drei Olympischen Spielen.

Klingt nach viel Arbeit. Bleibt dennoch Zeit für einen neuen Trainerjob bzw. ein neues Team?

Ich hatte mit meiner Frau abgesprochen, dass wir erst einmal bis zu den Olympischen Spielen eine Auszeit nehmen. Das passt jetzt wunderbar mit meiner Arbeit für das Team Kanada zusammen.

Sie sprachen von ihrer Entlassung in Edmonton. Wie haben Sie, fast ein Vierteljahr danach, die Entlassung als NHL-Chefcoach nach nur einer Saison verkraftet?

Ich hatte keine großen Probleme. Es ist auch so, dass dies als Trainer nichts Außergewöhnliches ist. Es waren drei tolle Jahre in Edmonton. Zwei als Co-Trainer und die letzte Saison als Chefcoach. Ich habe enorm viel gelernt, das mich in meinen nächsten Trainertätigkeiten weiterbringen wird.

Was war denn ihrer Meinung nach der Auslöser für die Entlassung in Edmonton?

Eine Trainer-Manager-Beziehung ist wie eine Ehe. Wenn es passt, dann ist Alles gut, wenn nicht, dann trennt man sich wieder. Mit dem alten Manager Steve Tambellini passte es gut. Aber er wurde im April abgelöst. Der neue Manager und ich hatten keine gemeinsame Philosophie.

Nach ihrer Entlassung in Edmonton war es fast wie ein Reflex, dass sie neuer Chefcoach der Eisbären Berlin werden könnten. Letztendlich war dieser Posten zu diesem Zeitpunkt noch vakant und mit deren Manager Peter John Lee sind sie eng befreundet?

Peter John Lee rief mich nach meiner Entlassung an. Einerseits als mein Freund, andererseits auch als Manager der Eisbären. Aber ich wäre nicht bereit gewesen, diesen Posten gleich zu übernehmen. Es war schon Mitte Juni und ich hätte bereits wieder mit den Vorbereitung beginnen müssen. Aber ich war noch nicht frei im Kopf, wusste dass ich den Abgang aus Edmonton noch verarbeiten muss. Zudem hatte ich dort bereits bei Mike Babcock und Team Kanada zugesagt

Wäre also der Posten des Eisbären-Chefcoachs eine Alternative für Sie gewesen?

Die Eisbären sind eine Super-Organisation. Und mit Jeff Tomlinson hat Peter John Lee genau den richtigen Trainer verpflichtet. Auch wenn es für Jeff zunächst schwierig sein wird, in die großen Fußstapfen von Don Jackson zu treten. Ob es für mich eine Alternative hätte sein können, darüber habe ich nicht nachgedacht. Zumal ich dem Team Kanada schon meine Zusage gegeben hatte.

Vor mehr als zwei Jahren wurden sie als Nachfolger von Uwe Krupp als Bundestrainer gehandelt. Wurden es aber letztendlich nicht. Wie sehr hatte sich der DEB damals um sie bemüht?

Es gab Gespräche mit dem DEB. Sie hatten sich um mich bemüht. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits die Chance, in der NHL zu arbeiten. Es war die optimale Chance, mich in Nordamerika weiterentwickeln zu können. Trotzdem lag und liegt mir das Deutsche Eishockey sehr am Herzen.

Wahrscheinlich werden Sie auch der einzige Deutsche sein, der am olympischen Eishockeyturnier teilnimmt.

Das Deutschland nicht dabei ist, hat mich traurig gemacht. Ich bin Deutschland eng verbunden, fühle mich auch als Deutscher. Mein Vater ist in Stralsund, Vorpommern geboren und ich bin gerne hier.

Die verpatze Olympia-Qualifikation stellte ja nach vielerlei Ansicht einen Tiefpunkt im Deutschen Eishockey dar. Wie sehen Sie das, mit etwas Abstand?

Es war Schade. Gerade das verpatzte Spiel gegen Italien in der Olympia-Qualifikation (1.2 n.V. - Anm. d. Autors) hängt nach. Aber das Eishockey in Deutschland hat Potenzial. Die Nachwuchsarbeit wurde verbessert und es ist so, dass die Nationalmannschaft nach Niederlagen wieder gestärkt zurückgekommen ist.

Das beste Beispiel ist die Nationalmannschaft der Schweiz, deren Trainer sie 13 Jahre lang waren. Die Strukturen, die sie mitgestalteten, führten bis ins Finale der letzten Weltmeisterschaft.

Es war ein tolles Gefühl, auch weil ich bei dem Finale im Stadion dabei war. Peter John Lee, mein damaliger Co-Trainer und ich hatten immer daran geglaubt, dass die Schweiz einmal eine Medaille gewinnen kann. Besonders freute ich mich über Spieler, die ich im Laufe der Jahre in der Nationalmannschaft mit entwickeln konnte.

___________________________________________________

Ralph Krueger - geboren am 31.August 1959 in Winnipeg (Kanada), Deutsch-Kanadier.

Spieler in Deutschland:

  • 1977 - 1978 - Duisburger SC
  • 1979 - 1982 - Düsseldorfer EG
  • 1982 - 1984 - Schwenninger ERC
  • 1984 - 1985 - SC Riessersee
  • 1985 - 1986 - ECD Iserlohn
  • 1986 - 1988 - Düsseldorfer EG
  • 1988 - 1990 - SB Rosenheim

Trainerkarriere:

  • 1989 - 1990 - Duisburger SV (Spielertrainer)
  • 1991 - 1998 - VEU Feldkirch (Österreich)
  • 1998 - 2010 - Schweiz - Nationaltrainer
  • 2010 - 2012 - Edmonton Oilers - Co-Trainer
  • 2012 - 2013 - Edmonton Oilers - Cheftrainer