Play-offs im Hockeyweb-Check: Fakten statt Phrasen!

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Die Play-offs starten morgen und die Grizzly Adams Wolfsburg gelten als Hauptrunden-Erster mit als Favorit auf den Meistertitel - neben der Düsseldorfer EG und den Eisbären aus Berlin.


Doch zwei Sachen aus der statistischen Historie könnten den Wolfsburgern die Suppe versalzen.

Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel in der DEL (Saison 1998/1999), feiert diese DEL-Saison ein neuen Negativrekord, denn mit "nur" der erreichten Punktzahl von 96 der Grizzlys, wurden zum ersten Mal keine 100 Punkte oder mehr in einer Hauptrunde erreicht. Hinzu kommt noch ein weiterer Negativrekord, denn die Wolfsburger schossen mit ihren 156 Toren die wenigsten Tore aller Erstplatzierten in der DEL-Geschichte - und haben damit sie auch nur die sechst meisten Toren in dieser Periode geschossen. Sie unterschritten die Eisbären aus der Saison 2003/2004, die damals als Erster nur auf 171 Tore kamen. Mit diesen beiden Fakten klingt die Favoritenrolle schon nicht mehr so rosig - obwohl im Vorjahr immerhin zum ersten Mal das
DEL-Halbfinale erreicht werden konnte.

Es gibt auch eine Parallele zum Vorjahr, genauso wie 2009/2010 ziehen die Wolfsburger auch in dieser Saison mit einer Tordifferenz von +40 in die Play-offs ein. Diesmal haben sie von Beginn an Heimrecht, welches sie auch, bis auf das Halbfinale letztes Jahr, gut zu wissen nutzten. Dabei eröffnet sich aber ein interessanter Fakt: Anscheinend können die Grizzly Adams Wolfsburg in den Play-offs nicht gegen ein Team gewinnen, welches am Ende der Hauptrunde fünf Platzierungen Abstand zu ihnen hat. Zum Beweis: sie verloren 2008/2009 im Viertelfinale gegen die Hannover Scorpions, welche als Tabellenzweite gegen die siebtplatzierten Wolfsburger antraten, mit 2:4 und im letzten Jahr verlor man im Halbfinale als Dritter gegen den
Tabellen-Achten aus Augsburg die Serie mit 1:3. Dieses "Problem" würde die Wolfsburger aber eh wieder erst ab dem Halbfinale mit dem ERC Ingolstadt heimsuchen, - vorausgesetzt, dass Ingolstadt die Berliner und die Düsseldorfer die Mannheimer aus den Play-offs werfen würden.

Bisher schaffte es aber nur ein Verein, mit den sechst meist geschossenen Toren in der Hauptrunde, die Meisterschaft zu gewinnen. Das waren die Krefeld Pinguine in der Saison 2002/2003, dort mit gar nur 147 erzielten Toren und einer Tordifferenz von +14 sowie noch als Sechstplatzierter.

Eine weitere Sichtweise auf die Meisterprognose könnte die Quersumme der erreichten Tordifferenz nach der Hauptrunde sein. Interessanterweise konnte noch nie eine Mannschaft Meister werden, die eine Quersumme von 4 oder 0 (hier: Sonderfall) aufwies. Die Wolfsburger (+40) und die Krefelder (+13) haben diese 4 nun als Quersumme und würden daher keine Chance auf den Meistertitel haben.

Die Zahlen 2, 7 und 8 konnten bisher bei 15 ausgetragenen DEL-Meisterschaften gar zehnmal (dreimal 2: 95/96 Düsseldorf, 01/02 Köln, 03/04 Frankfurt; dreimal 7: 97/98 Mannheim, 00/01 Mannheim, 04/05 Berlin; viermal 8: 96/97 Mannheim, 98/99 Mannheim, 08/09 Berlin, 09/10 Hannover) den Sieger stellen, was eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 66,6% darstellt. Nur die Münchner wiesen die Quersumme 2 auf, jedoch sind sie schon in den Pre-Play-offs ausgeschieden, was auch in die Reihe passt. Denn bisher wurde noch nie eine Mannschaft Meister, die eine einstellige positive Tordifferenz aufweisen konnte. Die Quersumme 8 erreichte keine Mannschaft, dafür aber eine Mannschaft die 7 - die Düsseldorfer EG. Bisher traf man nur einmal auf
die Adler aus Mannheim in der Saison 1997/98, damals auch im Viertelfinale, aber man verlor mit 0:3 die Serie. Kurioserweise wurde damals Mannheim mit einer Quersumme von 7 Deutscher Meister. Vielleicht dreht sich dieses Jahr das Blatt zugunsten der Düsseldorfer? Düsseldorf weist auch die torhungrigste Offensive auf, jedoch konnten bisher nur 26,67% der Mannschaften auch damit den Titel gewinnen.

Es scheint nicht immer schlecht zu sein, Zweiter zu werden, zumindest bei den erzielten Toren, denn immerhin 40% konnten damit Meister werden. Die Quersumme der erzielten Tore weist bei den Düsseldorfern eine drei auf (174 Tore), wie in dem Jahr als sie zuletzt DEL-Meister wurden (228 Tore), 1995/96. Seit dem hatte die DEG auch nie wieder, bis jetzt, diese Quersumme der erzielten Tore erreicht. Ein gutes Omen für die Düsseldorfer.

Zweimal trafen die Ingolstädter auf die Berliner Eisbären, jeweils zweimal im Halbfinale, und verloren diese beiden Aufeinandertreffen (Saison 2003/04 mit 0:3 und Saison 2004/05 mit 1:3). Man darf gespannt sein, ob diese Serie auch im Viertelfinale noch Bestand hat. Die Zuschauer durften sich aber jedes mal freuen, denn in jedem Play-off-Spiel zwischen Berlin und Ingolstadt wurden bisher immer fünf oder mehr Tore geschossen. Bei sieben Aufeinandertreffen gingen die Eisbären sechsmal als Sieger hervor. Ingolstadt ist zwar die erste Mannschaft, welche die Berliner in einer Saison viermal schlagen konnte, jedoch sind die Karten in der Saison meist neu gemischt. Ein Fakt dämpft aber die Euphorie: die Eisbären wurden noch nie als Dritter Deutscher Meister.

Hannover gelang es letztes Jahr zum ersten Mal Deutscher Meister zu werden und das auch als erster Verein mit einer negativen, einstelligen Tordifferenz nach der Hauptrunde. Diese Saison sind sie schon wieder im Minusbereich zu finden (-6). Außer in der Saison 2005/06 konnten
die Scorpions noch nie gegen ein besser platziertes Team gewinnen (damals als 7. gegen den Zweiten aus Ingolstadt mit 4:3 gewonnen). Sie trafen aber noch nie in den Play-offs auf Krefeld - man darf also gespannt sein.

Zu guter Letzt die Kölner Haie, sie konnten sich als Neunter für das Play-off-Viertelfinale qualifizieren, jedoch stehen die Zeichen sehr schlecht. Köln ist zwar die vierte Mannschaft in der Historie der DEL-Play-offs, die als Neunter in das Viertelfinale einziehen konnten, allerdings nur den Düsseldorfern gelang es bisher dann auch in das Halbfinale einzuziehen in der Saison 2007/08 - man verlor gegen den späteren Meister Eisbären Berlin. Köln schaffte es bisher zweimal aus vermeintlich schlechter Platzierung heraus Meister zu werden (zweimal als 6. Meister geworden, 94/95 und 01/02), dennoch hatten alle bisherigen Meister in der Hauptrunde mindestens 1,5 Punkte pro Spiel erreicht. Köln kommt diese Saison nur auf 1,4. - eher schlecht.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Finalserie stark nach Düsseldorf gegen Berlin riecht, mit Düsseldorf diesmal als
glücklichen Gewinner.