Pierre Page: "Es muss eine Lösung gefunden werden"

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Nein,

bester Laune war Youri Ziffzer nun wirklich nicht nach dem Spiel seiner

Eisbären gegen die Adler Mannheim. In einer nervenaufreibenden Partie hatten

die Mannheimer Gastgeber mit 3:2 gegen Hauptstädter gewonnen, die sich bis zur

letzten Sekunde nicht geschlagen geben wollten. Ziffzer spielte eine herausragende

Partie, aber das war ihm "völlig egal, wir brauchen die Punkte."

Sicherlich, auf lange Sicht gesehen wäre das natürlich schon gut, dass er an

diesem Nachmittag auch von beiden Trainern, dem eigenen wie von Greg Poss,

hochgelobt würde, aber für ihn zähle die Mannschaft. Und der Erfolg.


Die Adler rannten wie entfesselt auf Ziffzers Tor. Zumindest in zwei Dritteln

hatten sie die Übermacht, kamen immer gefährlich nahe ran, aber dann stand

Youri auf dem Posten, unüberwindbar wie es schien.


Es dauerte bis zur 33. Minute, bis dahin waren die Adler verzweifelt

angestürmt, bis Trepanier das 1:0 schoss. Doch die rund 13 000 in der Arena

freuten sich zu früh über einen vermeintlichen Sieg: im dritten Drittel

markierte Andy Roach den Ausgleich.  In der 49. Minute das 2:1 durch

Girard, in der 52. der erneute Ausgleich durch Beaufait. Die ebenso lauten wie

sympathischen Eisbären-Fans gaben nun einige Minuten lang den Ton an, die

Adler-Anhänger wie geschockt. Doch dann trat einmal mehr Thomas Steinert in

Aktion. Einen besseren Vorsitzenden einer Fan-Initiative kann sich kein Verein

wünschen. Steinert ist ausgeglichen, engagiert, hat Hummor und kann

organisieren. Und wenn Steinert loslegt, dann gibts kein Halten mehr und die

anderen folgen ihm. Ein Teil des Fan-Erfolges und des guten Rufs sind eindeutig

auf Steinert zurückzuführen.


Und dann wurde die Zeit knapp, die Adler fanden in der Phase kein Rezept gegen

druckvoll agierende Eisbären.Bis Corbet in der 59. Minute den Puck bekam und

mit einem perfekten Pass auf Nathan Robinson abgab. Der schoss den Siegtreffer

zum 3:2 und die Halle geriet aus dem Häuschen. Glückseligkeit in Mannheim.


Nathan Robinson strahlte beim Gang in die Kabine: "Ich fühle mich so gut,

wir haben gewonnen." Und er lobte Corbet über den grünen Klee, dessen Pass

wäre sensationell gewesen, er habe gar nicht mehr viel machen müssen, stellte

er sein Licht unter den Scheffel. Dann lobte er auch noch Robert Müller und

Youri Ziffzer und das Spiel an sich: "Das war unglaublich schnell".

Und, fügte er bei Hockeyweb an, er sei wirklich geschmeichelt, dass die Fans

ihn mögen würden, "das gibt mir ein großartiges Gefühl." Ausruhen

wird er in der Pause nicht, "ich werde das erste Mal mein Land beim

Deutschland-Cup vertreten, darauf bin ich stolz." Er sei zwar ein wenig

müde, aber das mache nichts, das kriege er schon hin.


Pierre Pagé gewann einmal mehr Sympathien durch seinen Auftritt bei der Presekonferenz.

"Mannheim hat heute sehr, sehr gut gespielt und verdient gewonnen, sie

waren die Besseren." Für sein Team konstatierte er: "Nach der Pause

müssen wir eine Lösung finden." Die Flinte ins Korn zu werfen, das gilt

nicht für Page, man werde mitspielen in dieser Liga.


Greg Poss sah es zumindest so, dass sein Team in den ersten 40 Minuten die

besseren Torchancen hatte, Ziffzer habe super gespielt, und auch eigentlich

unhaltbare Schüsse gehalten. Und auch Robert Müller sei sehr stark gewesen.


Inzwischen hatte sich Youri Ziffzer von der Belagerung der Fernsehteams, die

sich den Vorrang bei den Interviews mit großer Präsenz erkämpfen bisweilen,

abgesetzt. Ein Journalist hatte gefragt, ob die Präsenz von Ziffzers Vater auf

der Tribüne Ansporn gewesen sei: "Ich will immer gut spielen,"

antwortete der Goalie und später zu Hockeyweb: "Ich bin Profi, da sollte

die Anwesenheit des Vaters nun wirklich nichts ausmachen." So sehr er sich

freue, dass seine Eltern in der Arena waren.


Frisch geduscht, aber deshalb noch kein bisschen fröhlicher, kam er aus der

Kabine. "Meine Leistung ist doch sch... egal, wenn wir verlieren,"

ärgert er sich. Er sei enttäuscht, man brauche die Punkte. Und man werde, da

ist er sicher, am Ende der Saison wieder oben mitspielen. Noch seien Lizenzen

offen, das Projekt Eisbären, mit der Einbeziehung junger Spieler funktioniere.

Er habe nie bereut, von den Jungadlern weg nicht nach Übersee gegangen zu sein,

"damals war ich erst 17, das wäre wirkilch ein Riesenschritt

gewesen". Die Entscheidung für Berlin sei goldrichtig gewesen. Das sagt

auch Christoph Gawlik, ebenfalls eine ehemaliger Jungadler. In dem Projekt

fühle er sich bestens und fair behandelt, mit Page zu arbeiten, sei eine

Freude. Und die Mischung stimme bei den Eisbären ebenfalls. Die Älteren würden

den Jüngeren zur Seite stehen.


Für die beiden ehemaligen de Raaf-Schützling, hatte am Ende ein wenig die

Eisbären-Konzentration gefehlt, um doch noch den Sieg in Mannheim einzufahren,

aber auch Gawlik ist zuversichtlich, dass die Berliner Bären zurückommen werden,

an die Spitze der Liga.


Angelika von Bülow

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