Pauels schlägt neue Struktur des deutschen Eishockeys vor

DEL: Eisbären bleiben spitze - Ingolstadt gewinnt in MannheimDEL: Eisbären bleiben spitze - Ingolstadt gewinnt in Mannheim
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Rodion Pauels (44) ist seit 2004 Sportkoordinator der Kölner Haie und damit für den gesamten sportlichen Bereich des DEL-Klubs zuständig, von der Laufschule bis zu den Profis. Der Jugendfreund von Bundestrainer Uwe Krupp ist Diplom-Sportlehrer und hat auch als Trainer im Nachwuchsbereich gearbeitet. Aufgrund seiner Erfahrungen macht sich Pauels seit Jahren Gedanken über eine bessere Struktur des deutschen Eishockeys und hat seine Analysen in den nachfolgenden Thesen zusammengefasst.
Kernpunkte seines Papiers: Verzahnung von DEL und 2. Liga zu einer DEL 1 und DEL 2, je 12 Teams, Auf- und Abstieg möglich, schrittweise Reduzierung der Ausländer-Kontingente. Jeder Klub muss eine Mindestsumme in die Nachwuchsarbeit investieren, ein „Supervisor“ soll die Nachwuchsarbeit bundesweit sinnvoll koordinieren.
Hier der genaue Wortlaut seiner Thesen:  


Thesenpapier, Strukturreform deutsches Eishockey

I) Einleitung/Ziele

Im folgenden Thesenpapier werden Ideen, Vorschläge und Visionen zu einer grundlegenden Reform des deutschen Eishockeys dargelegt. Es handelt sich hierbei um einen ganzheitlichen Ansatz. Führen wir eine Diskussion über das Thema, sollen zwar bestehende Kooperationsverträge und wirtschaftliche Belange nicht missachtet werden, dennoch ist es dringend vonnöten, das deutsche Eishockey unter sportlichen Aspekten zu durchleuchten und Reformideen zu formulieren. Da wirtschaftliche Rahmenbedingungen nur aus einem gesunden sportlichen Fundament erwachsen können, müssen wir uns den anstehenden Herausforderungen stellen. Schieben wir ständig nicht-sportliche Belange als Begründung der Reform-Resistenz an, werden Visionen von vorne herein als unrealistisch abgestempelt.

Zielsetzung der Reformen ist zum einen, die Sportart Eishockey in der nationalen Wahrnehmung besser zu positionieren – über regionale Standorte und Sichtweisen hinaus. Zum anderen gilt es die sportliche Weiterentwicklung auch auf internationaler Ebene zu verbessern, dies mit langfristiger Perspektive und dem Zwischenziel WM 2010.

II) Stand des deutschen Eishockeys

+    Top-Hallen
+    solide finanzielle Strukturen in der DEL durch GmbHs und Lizenzierungsverfahren

-    international zweitklassig
- Europäische Top-Ligen sind athletisch schneller
- A-Team war abgestiegen
- U 20 und U 18 sind „Fahrstuhlmannschaften“

III) Strukturreform  

1. Ligenleitung:

DEL und 2. Liga werden zu DEL 1 und DEL 2:

DEL 1: 12 Clubs
DEL 2: 12 Clubs
DEL 1 und 2 als geschlossenes System. Auf- und Abstieg zwischen DEL 1 und DEL 2 möglich.

DEL 1: Doppelrunde, 44 Spiele
Play Offs: Modus „best of seven“, maximal 21 Spiele

DEL 2: siehe DEL 1
Jedes Spiel wird 15% wichtiger, da weniger Spiele. Spiele können besser beworben werden. Zudem: Reduzierung der Dienstag-Spiele. Sportlich höhere Attraktivität da Verzahnung (und damit Auf- und Abstieg) von DEL 1 und DEL

2. Oberliga:

Drei Ligen mit je sechs Clubs (regionale Gruppen).

Doppelrunde in eigener Gruppe: 20 Spiele
Einfachrunde gegen die Clubs der beiden anderen Ligen: 24 Spiele
Gesamt Vorrunde: 44 Spiele
Play Offs: Die beiden Gruppenbesten aus den drei Ligen (sechs Mannschaften) sowie die beiden punktbesten qualifizieren sich für die Play Offs, Modus „best of five“: maximal 15 Spiele

Amateurmeister erhält € 100.000 Prämie (Finanzierung z.B. über Einzahlung in Pool aller 42 Mannschaften von DEL bis OL)

2. Nachwuchsarbeit:

Die im folgenden genannten Investitionen müssen unter dem Motto stehen: „Kinder aufs Eis!“:

a) Bereitstellung einer Eisfläche für mindestens 30 Stunden/Woche für den Nachwuchs

b) Intensive Förderung des Eishockey-Sports bei Kindern von klein auf (ab ca. fünf Jahren)

c)  Kooperation mit Schulen

d) Qualifizierte Trainer (auch Torwarttrainer)

- jeder DEL 1-Club muss jährlich mindestens € 250.000 in Nachwuchsarbeit investieren

- jeder DEL 2-Club muss jährlich mindestens € 150.000 in Nachwuchsarbeit investieren

- jeder Oberliga-Club muss jährlich mindestens € 50.000 in Nachwuchsarbeit investieren

- Überwachung der Qualität der Nachwuchsarbeit durch Supervisor (Angestellter des DEB)

3. Anzahl Ausländerstellen:

DEL 1: schrittweise Reduzierung auf sechs

DEL 2: Reduzierung auf vier

Oberliga: Reduzierung auf zwei
4. Nachwuchsligen:

- Verzahnung der Schüler Bundesligen Nord und Süd (ab Dezember einer jeden Saison) zur Verbesserung der Spielqualität.

- Änderung des DNL-Jahrgangs von U 18 auf U 19 mit entsprechender Altersanpassung der jüngeren Jahrgänge.

5. Sportdirektor:

- Kompetenz- und Aufgabenerweiterung des DEB-Sportdirektors, der für den gesamten sportlichen Bereich von DEL bis Oberliga, LEV und Nationalmannschaft verantwortlich ist.

6. Landesverbände:

- Reduzierung von Stützpunktmaßnahmen und Auswahlspielen (U 12 bis U 15). Diese Arbeit (siehe Punkt 2) wird von den Clubs geleistet.

- Stärkung der kleineren Vereine durch Finanzierung von Übungsleitern, die ausschließlich im Grundlagenbereich (vier bis zehn Jahre) arbeiten. Überwachung durch Cheftrainer der Landesverbände.

7.  „Reindl Pool“:

- Miteinbeziehung der DEL-Clubs

- Vereinfachung des Systems, da Kriterien der Nachwuchsarbeit angeglichen sind. Es sollte wieder eine Ausbildungsentschädigung eingeführt werden.

8. Nationalmannschaft:

- durch Reduzierung der DEL-Spieltage von 52 auf 44 entstehen mehr Freiräume für die Nationalmannschaft, die z.B. in einer dann möglichen DEL-Pause im Dezember für Länderspiele genutzt werden kann.

- Verbesserung der bestehenden Konzeption in den Bereichen U 16 bis U 20. Vereinheitlichung und Eliteförderung (z.B.: Torhüter, Powerskating, Techniktraining)

9. Schaffung einer übergeordneten Sportkommission:

- bestehend aus Vertretern von DEB, LEV, DEL und ESBG

- Zielsetzung:    -    Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den
                Organisationen
            -    einheitliches Auftreten in der Öffentlichkeit
                -    Überwachen der Verantwortlichen in den einzelnen
Gremien (Sportdirektor DEB, Supervisor DEB, Cheftrainer LEV)
-    eigene Zielsvorstellungen überprüfen und ggfs. anpassen