Panik im Umfeld der Haie

Die "Alex Hicks Initiative"Die "Alex Hicks Initiative"
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Am 22. Oktober 2006 verloren die Kölner Haie in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bei den Augsburger Panthern mit 3:4 nach Verlängerung. Sofort gingen in der Domstadt die Gemüter hoch, Manager Rodion Pauels musste am Handy immer wieder beteuern, dass der neue Trainer nicht vor der Entlassung stünde und man die Ruhe bewahre. Seit damals stehen die Haie permanent auf einem Tabellenplatz, der zur direkten Qualifikation für die Play-offs berechtigt.

Die Szene wiederholt sich: Am. 28. Januar 2007 unterlagen die Haie mit 4:5 nach Verlängerung - wieder in Augsburg. Und wieder rasten alle aus. Wer das Wort „Köln“ auf seinem Trikot trägt, darf nicht gegen einen Gegner verlieren, auf dessen Hemd nur „Augsburg“ steht. Die Niederlage in Bayern schmerzte, weil man eine 3:0 Führung noch aus der Hand gegeben hatte. Sie tat weh, weil die Haie es versäumten, den Anschluss zum vierten Tabellenplatz zu halten. Grund zur Panik gab der Punktverlust in Augsburg jedoch nicht, umso erstaunlicher war am Montag die Reaktion in der Karnevalshochburg. Da wurden absurde Vergleiche mit einer Situation im Jahre 2002 gezogen. Damals standen die Haie als Achter der Tabelle kurz vor dem Verpassen der Play-offs, die Fans beschimpften die Mannschaft und fielen mit Sprechchören über Trainer Lance Nethery her. Und heute? Die Haie sind Fünfter, haben vier Punkte Vorsprung auf den Siebten (der sich nicht direkt für die Play-offs qualifiziert) und fünf Punkte Rückstand auf den Dritten. Am Freitag treten sie bei den Hannover Scorpions an, die sie im bisherigen Saisonverlauf dreimal schlugen und vor zwei Wochen mit 9:1 vom Eis fegten. Danach geht die Liga in eine 10tägige Pause zugunsten der Nationalmannschaft. Sprechchöre gegen Trainer Doug Mason? Fehlanzeige.



Ein anderer Vergleich ergibt da schon mehr Sinn: In den Achtzigern waren die Haie das dominierende Team im deutschen Eishockey, die Qualifikation für die Play-offs war selbstverständlich, es ging nur um die Frage, ob man Meister oder Vizemeister wird. Seit damals hat sich die Liga komplett gewandelt, heute ist sie ausgeglichen besetzt, im vergangenen Jahr verpasste Titelfavorit Mannheim die Play-offs, in diesem Jahr droht dem Titelverteidiger Eisbären Berlin ein ähnliches Schicksal. Und auch die großen Kölner Haie sind nicht mehr per Naturgesetz im Rennen um die Meisterschaft, sondern müssen in jedem Spiel um die Teilnahme kämpfen, bis zum letzten Spieltag wird es knapp und spannend bleiben, Gott sei Dank. Das alles wusste man vor der Saison, die augenblickliche Panik ist nur damit zu erklären, dass man in der Domstadt mental noch in den Achtzigern steckt. Willkommen im 21. Jahrhundert.



Alexander Brandt

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