Olaf Kölzig zweiter NHL-Lockout-Crack der Eisbären

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Der Arbeitskampf in der besten Eishockeyliga der Welt macht es möglich – Spieler der Klubs aus Übersee reichern das sportliche Geschehen in Europas Ligen an, auch das der DEL. Insgesamt fast 400 NHL-Aktive tummeln sich mittlerweile auf dem alten Kontinent und mit fortschreitender Dauer des Ausstandes wurden die Namen der Zugänge aus der NHL auch hierzulande immer klangvoller. Während von Saisonbeginn an Spieler wie Marco Sturm und Andy McDonald in Ingolstadt, Jochen Hecht und Cristobal Huet in Mannheim und Mike York in Iserlohn bereits für Furore sorgen, verstärkten wenig später schon Stephane Robidas den Deutschen Meister, die Frankfurt Lions, und Erik Cole die Berliner Eisbären. Nun, da sich immer deutlicher abzeichnet, dass sich Spielergewerkschaft und Teambesitzer nach nahezu 700 entfallenen Spielen wohl nicht mehr auf einen neuen Rahmentarifvertrag werden einigen können, kam es zu weiteren Transfers. Zuerst waren es die Iserlohn Roosters, die die Verpflichtung von Verteidiger John-Michael Liles aus Colorado vermeldeten, dem folgte Ingolstadt mit dem zweimaligen Stanley Cup-Sieger Jamie Langenbrunner (New Jersey Devils) und kurz danach war Aufsteiger Wolfsburg mit Torhüter Ty Conklin (Edmonton) an der Reihe. Nach ihrem Irrtum mit Stürmer Jim Dowd versuchen es die Hamburg Freezers nun mit Anaheims Goalie und Play Off-MVP 2003 Jean-Sebastien Giguere, was den Hansestädtern ihre letzte Ausländerlizenz kostet und zu guter letzt sorgte Vizemeister Eisbären Berlin mit dem Zugang von Nationaltorhüter und Vezina Trophy-Gewinner (2000) Olaf Kölzig bei den Fans für einige Verzückung.

Mit dem 1970 in Johannesburg/ Südafrika geborenen Deutsch-Kanadier zog es einen echten Star in deutsche Eishockey-Gefilde und er muss nicht der Letzte dieser Kategorie bleiben, sofern sich die Tore der NHL-Stadien in dieser Spielzeit wirklich nicht mehr öffnen sollten. Schließlich haben die Hohenschönhausener, im Gegensatz zum ungeliebten Bruderklub in Hamburg, trotz Kölzigs Verpflichtung noch zwei Ausländerlizenzen zu vergeben. Ein Pfund, mit dem es für EHC-Manager Peter John Lee bis zum Transferschluss am 15. Februar zu wuchern gilt. Coach Pierre Pagé setzt seinen Vorgesetzten dabei tatsächlich etwas unter Druck, indem er sagt: „Pete hat bis dahin noch ein oder zwei große Entscheidungen zu treffen.“ Kürzlich wusste der Tagesspiegel vom Gerücht zu berichten, dass es Erik Coles Mannschaftskamerad und Stürmerkollegen Rod Brind´amour von den Carolina Hurricanes an die Ufer der Spree zieht. Lee war diesbezüglich, außer dem gewohnt spitzbübischen Lächeln und der alles und nichts bedeutenden Aussage: „Wir haben mit vielen geredet, warten aber noch die nächsten drei, vier Tage ab, was drüben passiert.“, keine tiefschürfendere Information zu entlocken.

Sollte auch diese Personalie zur Umsetzung gelangen, kämen die Fans der Eisbären in echte Entscheidungsnöte: Wessen Nummer und Name soll das neu anzuschaffende EHC-Trikot nun zieren, der von „Olie the Goalie“ oder der von „Hot Rod“? Merchandising-Chef Detlef Müller sollte das nicht weiter kümmern, wenn die Taler erst haufenweise in der Kasse klingeln, was durchaus legitim ist – vorausgesetzt natürlich Qualität und Quantität der beliebten, aber mit 85 Euro nicht ganz billigen Fantextilien sind in ausreichendem Maße gesichert.

Wie dem auch sei, am Donnerstag präsentierten die Hauptstädter der reichlich versammelten Presse mit Olaf Kölzig erst einmal ihren bisher prominentesten Neuzugang.

Selbstverständlich wollte man wissen, wieso er sich für seinen Europa-Trip nun gerade die Eisbären ausgesucht hatte: „Es sieht einfach nicht danach aus, dass die NHL diese Saison noch spielt. Ich hätte auch schon im September kommen können, aber aufgrund meiner familiären Situation habe ich damals anders entschieden. In meinem Alter ist es wichtig zu spielen, das Fenster meiner Karriere ist nicht mehr so groß. Einfach gesagt, es hat einfach wieder angefangen zu jucken. Wegen der Situation in der NHL haben sich einige DEL-Teams bei mir gemeldet, unter anderem neben den Eisbären auch Köln, Hamburg und Düsseldorf. Hier kenne ich aber schon einige Spieler von der Nationalmannschaft sehr gut.“ Zudem hat Kölzig einige Male mit Erik Cole telefoniert: „....über die Versicherungen..“, wie auch in einer amerikanischen Tageszeitung zu lesen war. Aber schlussendlich druckste „Olie the Goalie“ gar nicht lang herum und gab zu, dass es ohne das Zutun seines langjährigen Freundes Stefan Ustorf dieses Gastspiel wohl kaum geben würde: „Ja, Usti war ein Faktor. Ich fühle mich hier auch deshalb wohl, weil ich ihn und seine Familie kenne.“.

„Zilla“ (in Anlehnung an das Science Fiction-Ungeheuer Godzilla) kam bei der eigens einberufenen Pressekonferenz locker-professionell daher und seine 1,90 Meter und 105 kg ließen keinen Zweifel darüber aufkommen, wie man sich diesen „Kampfnamen“ zu erklären hat. In seinen riesigen Körpermaßen liegt auch einer der Vorzüge des deutschen Nationaltorhüters, der damit schon auf natürliche Weise viel Netz abdeckt und gegenüber vielen seiner Kollegen über nicht übersehbare Reichweitenvorteile verfügt. Darüber hinaus kann er aus einem Pool, gefüllt mit der Erfahrung aus fast 600 NHL-Spielen (u.a. ein Stanley Cupfinale mit den Washington Capitals), zwei Teilnahmen an Weltmeisterschaften (1997, 2004), am World Cup of Hockey (2004) und am Olympiaturnier in Nagano 1998, schöpfen.

Was sein derzeitiges Leistungsvermögen angeht, sagte Kölzig: „Ich habe im Sommer das selbe Programm absolviert wie jedes Jahr. In Tri City habe ich drei mal in der Woche auf dem Eis gestanden, aber ganz sicher habe ich dort nicht die Schüsse aufs Tor bekommen, mit denen ich es in der DEL zu tun haben werde. Ich kann aber auch nicht verhehlen, dass ich noch nicht in meiner Top-Hockey-Form bin.“

Und in der Tat, der Termin für Kölzigs Dienstantritt bei den Eisbären konnte unter den in Nordamerika gegebenen Umständen kaum besser gewählt werden: Denn neben dem Training im nun auch für ihn heimischen Wellblechpalast kann der Keeper gleich im Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft unter Coach Greg Poss beim DEL-Allstar-Game und beim internationalen Turnier in Ungarn fehlende Spielpraxis aufholen und sich ans europäische Eishockey gewöhnen. Erste Gelegenheit für den neuen Eisbären-Keeper bei Nationaltrainer Greg Poss seine Bewerbung zur Teilnahme an der WM im Mai in Österreich abzugeben: „Am Samstag werde ich zur Nationalmannschaft stoßen. Ich weiß noch nicht genau was man dort mit mir vor hat, aber vielleicht kann ich schon am Sonntag beim All-Star-Game spielen.“ Die Umstellung auf die größere Eisfläche ist für ihn gar nicht so schwierig: „Das ist nur beim ersten mal ein Problem, wenn man von Nordamerika nach Europa kommt. Für mich ist es keins mehr, da ich mit der Nationalmannschaft schon mehrfach auf europäischen Eisflächen gespielt habe.“

Gefragt, ob es für ihn etwas Besonderes sei in solch kleinen Hallen wie den Wellblechpalast zu spielen, sagte Kölzig mit verschmitztem Lächeln: „Es ist sicher ein Erlebnis und ein großer Gegensatz zu Washington. Das erste Mal in Deutschland spielte ich in Mannheim, wo das Stadion nach drei Seiten offen ist. Das war schon komisch. Und im vorigen Jahr, als wir mit der Nationalmannschaft vor der Weltmeisterschaft in Heilbronn spielten, hätte ich mir gewünscht, ich hätte meine Sonnenbrille mit aufs Eis genommen, um meine Augen vor der tiefstehenden Sonne zu schützen.“

Bei seinem DEL-Debüt, das vermutlich am 15. Februar in der Kölnarena gegen die Haie stattfinden wird, sollte bei Kölzig allerdings fast NHL-Feeling aufkommen. Drei Tage später, wenn die Eisbären in Augsburg gastieren, wird er jedoch alle „Vorzüge“ einer offenen Halle im altehrwürdigen Curt-Frenzel-Eisstadion „genießen“ können. Am 20. Februar soll dann im Wellblechpalast gegen Hannover „Zillas“ Heimpremiere stattfinden. Auf seine Ziele mit den Eisbären angesprochen meinte der Eisbären-Neuzugang: „Ich weiß, dass man sich hier seit langem den Titel wünscht. Die Mannschaft hat das Zeug dazu, weshalb meine Ziele dieselben wie die der Fans sind.“ Mit Olaf Kölzig im Tor, der nach eigener Aussage sich erst einmal gegen den bisherigen Stammkeeper Oliver Jonas durchsetzen muss, haben die Eisbären einen weiteren Baustein zur Erfüllung des „Planes“ verpflichten können. Ob dieser Baustein zur tragenden Säule werden kann, werden die nächsten Wochen zeigen. Pierre Pagé konnte bereits jetzt ein loderndes Feuer in den Augen seiner Spieler erkennen, welches er in den letzten Wochen doch häufiger vermisste. (Matthias Eckart/Oliver Koch – Foto: City-Press)