Olaf Kölzig: „Die Fans haben sich an mich erinnert“

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Stadionsprecher Uwe Schumann stellte die

Starting Six beider Mannschaften vor. Und als die Reihe an Tampas Torwart Olaf

Kölzig war, brandeten die Sprechchöre auf, die dem sympathischen NHL-Veteranen

mit deutschen Wurzeln den Empfang bereiteten, den der sich im Vorhinein

gewünscht hatte. „Das ist für dich, Olaf“, kommentierte Schumann, was nicht

unbedingt nötig gewesen wäre. „Zilla“, wie der Torwarthüne in der Szene genannt

wird, war den Eisbärenfans in guter Erinnerung geblieben: „Die Fans haben mich

nicht vergessen. Ich war sehr begeistert, noch einmal hier her zurückkehren zu

können. Die Atmosphäre war toll und ich hatte eine Menge Spaß. Schade, dass uns

nur einige wenige Stunden Zeit blieben, ich hätte gern mehr gehabt“, sagte

Kölzig nach dem Spiel, das der Tampa Bay Lightning mit 4:1 in der o2 World vor

11.800 Zuschauern gegen die Berliner Eisbären gewann. 

("Olie the Goalie" Olaf Kölzig in Aktion - Foto by City-Press)

Als der Puck eingeworfen war, mochte

manch Beobachter seinen Augen nicht trauen: nach einigen Minuten Spielzeit legte

der deutsche Meister seine Anfangsnervosität ab und übernahm dank wachsendem

Selbstbewusstsein sogar das Kommando auf dem Eis. Insbesondere Nathan Robinson

tanzte seine Gegenspieler ein ums andere Mal schwindelig. Zahlreiche

Einschussmöglichkeiten erarbeiteten sich die Eisbären mit zum Teil sehenswerten

Kombinationen, von deren Zielstrebigkeit die NHL-Cracks zunächst sichtlich

überrascht waren. Bei Unterbrechungen fuhren die immer wieder zueinander und

kamen im Wortwechsel wohl zu der Erkenntnis, dass man sich hier ohne Plan wohl

ordentlich blamieren könnte. Die Hausherren gingen unter tosendem Jubel durchaus

verdient durch Denis Pederson in Führung.

 

(Tampa Bay Lightning Coach Barry Melrose - Foto by mac)

Tampas neuer Chefcoach Barry Melrose

gestand hernach auch: „Kölzig hat uns im Spiel gehalten, bis wir unsere Beine

gefunden hatten.“ Insgesamt 34 Schüsse parierte der Routinier gegen die

Eisbären. Und Kölzig selber meinte: „Das erste Drittel war nicht unser bestes.

Die Jungs haben mich vorher gefragt, was wir von den Eisbären zu erwarten

hätten. Viel Talent und Schnelligkeit. Und genauso war es dann ja auch.“ Tampas

Kapitän Vincent Lecavalier, der nach langwieriger Schulterverletzung auf dem Eis

der o2 World sein Comeback im Team feierte, nimmt ebenfalls positive Eindrücke

aus Berlin mit: „Die Fans in Europa sind komplett verrückt. Dabei hat man mir

gesagt, dass es heute gar nicht mal so laut war. Mir hat es gelangt. Es macht

aber unheimlich viel Spaß, vor so einem Publikum zu spielen. Wenn Olaf heute im

ersten und auch im letzten Drittel nicht so gut drauf gewesen wäre, hätten die

Eisbären uns auch erwischen können.“ Chefcoach Melrose sagte zur Leistung seines

Stars: „Vince musste nach seiner langen Pause heute so viel laufen, seiner

Kondition hat dieses Spiel gewiss gut getan. Er ist aber gut durch gekommen und

seine Schulter machte ihm keine Probleme. Das war eine gute Botschaft.“

 




(Vincent Lecavalier unmittelbar nach Spielschluss in der Kabine - Foto by City-Press)

Dass sich das NHL-Team am Ende doch noch

standesgemäß mit 4:1 durchsetzen konnte, dafür fand Stefan Ustorf als Erklärung:

„Tampa hat ab dem zweiten Drittel viel konsequenter auf den Körper gespielt. Da

hat man gesehen, was NHL-Hockey bedeutet. Sie bemühten sich auch, die einfachen

Dinge besser zu machen als im ersten Drittel. Und trotzdem: Es war eine gute

Erfahrung für uns alle, gerade für unsere jungen Spieler. Sie haben gesehen, was

nötig ist, um in der NHL zu bestehen.“



(Tampa spielte ab dem zweiten Drittel härter auf den Körper. Dies bekam auch Eisbären-Stürmer Alexander Weiß zu spüren, der unsanft von Lightning-Verteidiger Andrej Meszaros an die Plexiglasscheibe gedrückt wurde. - Foto by City-Press)
­

­ Augenzwinkernd fügte Ustorf hinzu: „Und

für einen wie mich, woran es gefehlt hat.“ Alles in allem klingt das

Schlussergebnis zwar standesgemäß, doch haben sich die Berliner Eisbären mehr

als respektabel aus der Affäre gezogen. Vor allem auch die gute Leistung des

eigenen Torwarts, Rob Zepp, sollte Eisbären-Chefcoach Don Jackson Freude

bereitet haben. Mit etlichen Glanztaten, als der Lightning sich zunehmend seiner

Stärken besann, zeigte sich Zepp voll auf der Höhe des Geschehens.



(André Rankel und Daniel Weiß versuchen sich gegen Steven Stamkos durchzusetzen - Foto by City-Press)
­­

­Im Hinblick

auf die bald folgenden internationalen Auseinandersetzungen in der Champions

Hockey League gegen Finnlands Meister Kärpät Oulu und Metallurg Magnitogorsk,

bezeichnete Jackson dieses Spiel ebenfalls als sehr wertvollen Test und war mit

der Leistung seiner gesamten Mannschaft sichtlich zufrieden.  

(Matthias Eckart/Oliver Koch)  


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