O-O-OsterlohSpielerplausch

Sebastian Osterloh im Spielerplausch. (Foto: Heribert Böckl)Sebastian Osterloh im Spielerplausch. (Foto: Heribert Böckl)
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Diesen Titel hat ihm Manager Jason Dunham bei der Verpflichtung zur Saison 2010/11 gegeben. Er kam nach der Insolvenz der Frankfurt Lions zu den Niederbayern und galt nicht nur als Aufräumer, sondern hatte in der Liga auch den Ruf, ein harter Verteidiger zu sein. „Mit Sicherheit habe ich meine Spielweise geändert. Ich bin ja auch älter und erfahrener geworden. Nichts destotrotz, wenn der Gegner vorm Tor steht, wird aufgeräumt. Aber ich fahre keine unnötigen Checks mehr, bei denen ich mich auch selbst verletzen könnte. Heute mache ich das mit etwas mehr Kopf“, so der 29-jährige.

Angefangen hat aber alles viel früher. „Mein Vater hat in Kaufbeuren Fußball gespielt und war ziemlich gut. Das Sportliche lag also in der Familie. Ich habe Fußball und Eishockey gespielt und musste mich irgendwann entscheiden. Da Kaufbeuren eine Eishockey-Stadt ist, bin ich beim Eishockey geblieben.“ Wenn man seine weitere Laufbahn verfolgt, war es sicher die richtige Entscheidung. Die erste Station war gleich einer der deutschen Vorzeigeclubs. Osterloh erzählt über seinen Wechsel zum Kölner EC: „Wir haben mit Kaufbeuren die Deutsche Schülermeisterschaft gewonnen. Nach dem Turnier kam der Trainer der Kölner auf mich und meine Eltern zu und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, in Köln zu spielen. Ich bin dann nach Köln und habe bei einer Gastfamilie gewohnt. Mit 17 Jahren habe ich schon fast alleine gelebt. Ich glaube, das hat mir ganz gut getan, und ich denke, ich habe genau das Richtige gemacht.“

Vielleicht hat die Aussage von Verteidigerkollege Grant Lewis seinen Ursprung aus dieser Zeit, denn Lewis sagt über Osterloh: „Sebastian ist ein toller Kerl, er ist ein Leader in der Kabine und auf dem Eis.“ Außerdem sagt er: „Er achtet auf die Kleinigkeiten, arbeitet hart und  gibt in jedem Wechsel alles.“ Alex Dotzler ist praktisch derselben Meinung: „Osti ist ein lustiger Kerl. Er ist wichtig für die Mannschaft, nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Kabine. Er hat einen scharfen Schuss und ist sehr ehrgeizig. Auf ihn kann man sich einfach verlassen.“

Von Köln aus ging es über Neuwied (3. Liga), Straubing (2. Liga), Wolfsburg (DEL), Kassel (DEL) dann zu den Frankfurt Lions (DEL). Dort wurde Sebastian Osterloh Nationalspieler und nahm an drei Weltmeisterschaften teil. Die schwerste Zeit waren die letzten Tage der Lions. „Ja, das war auf jeden Fall eine sehr schwere Zeit“, berichtet er wehmütig. „Ich habe vier Jahre in Frankfurt gespielt und eine tolle Zeit gehabt. Als Frankfurt insolvent gegangen ist, war es hart, weil keiner wusste, wie es weitergeht. Dann hat sich Jason Dunham von den Tigers gemeldet und mir war von vorneherein klar, dass ich den Schritt nach Straubing gehen werde. Schon zu Zweitliga-Zeiten hat es mir hier super gefallen. Außerdem wusste ich, dass es meiner Familie hier auch gefällt. Es war dann etwas Glück im Unglück.“

Doch mit seinem Wechsel zu den Tigers endete auch die Nationalmannschaftskarriere des Verteidigers. Kontakt zu einem Nationalcoach gab es nicht mehr. „Nein, gar keinen. Wenn sie sich bei mir melden, ist das schön, und wenn nicht, ist das auch nicht schlimm. Ich habe drei Weltmeisterschaften mitgespielt, deshalb sehe ich das total relaxt, außerdem kommen da so viele Junge nach.“ Dass er aus dem Fokus des DEB-Teams gefallen ist, lag auch an einer schweren Verletzung. Osterloh erinnert sich: „Ich hatte das erste Jahr in Straubing einen Kreuzbandriss, das hat mich eine ganze Saison rausgeworfen.“ Osterloh konnte nur 15 Spiele bestreiten. „In der nächsten Saison war es hart, ich dachte, das geht einfacher, aber wenn man so lange aus dem Eishockey raus ist, dann holt man das so schnell nicht wieder auf. Im zweiten Jahr habe ich dann gemerkt, dass es wieder besser geht und dieses Jahr fühle ich mich so gut, wie ich mich noch nie in meiner Eishockeykariere gefühlt habe. Ich fühle mich topfit, mir geht’s gut, meiner Familie geht’s gut, den Kindern geht’s gut“, erzählt er glücklich lächelnd. „Ich denke, das alles ist auch ausschlaggebend.“

Dieses Gefühl schlägt sich auch in den Statistiken nieder. Osterloh ist jetzt schon kurz davor, eine neue persönliche DEL-Scoring-Bestmarke aufzustellen. „Ja, das weiß ich“, sagt er freudig. „Es ist nicht typisch für meine Position zu scoren, darum fällt es mir schon auf, dass ich ein paar Punkte gemacht habe.“

Leistung zahlt sich aus, auch in Straubing. Vor kurzem hat Sebastian Osterloh einen neuen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2015/16 unterzeichnet. Zudem hat seine Frau Mona mit einer Freundin eine Kinderboutique in Zentrumsnähe eröffnet. In Summe nicht nur ein Bekenntnis zum Club, sondern auch zur Stadt. Allerdings kann man sich auch die Frage stellen, hat Osterloh sich um einen so langen Vertrag bemüht, weil seine Frau ein Geschäft eröffnet hat. „Nein, Nein“, schmunzelt Osterloh, „der Vertrag hatte schon oberste Priorität. Aber für das Geschäft ist es natürlich gut, dass ich drei Jahre Vertrag habe. Jason Dunham weiß, dass ich ein Arbeiter bin und dass ich mich auch mit einem langen Vertrag nicht ausruhen werde. Aber die Reihenfolge ist schon so, dass ich zuerst einen Vertrag bekommen habe und dann das Geschäft eröffnet wurde.“

Die Ergebnisse der Tigers sind diese Saison etwas auf den Kopf gestellt. Gegen die Topteams zeigt man Topleistung und kann punkten, gegen die tabellarischen Kellerkinder schaut die Bilanz düster aus. „Für mich gibt es keine Formel, warum wir gegen die guten Mannschaften gut spielen und gegen die weniger guten nicht. Wir müssen einfach in jedem Spiel Vollgas geben, egal wer der Gegner ist, dann gewinnen wir auch gegen die in Anführungszeichen Schlechten. Wir haben einfach zu viele Spiele hergegeben. Zufrieden sind wir erst wenn wir die Play-offs geschafft haben.“

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