"Nicht ständig Knüppel zwischen die Beine werfen!"

Lesedauer: ca. 8 Minuten

Jetzt nehmen die Kassel Huskies zum "Offenen Brief" der DEL-Klubs Stellung. 

­Diesen Sommer werden wohl die Eishockey-Fans nicht so schnell vergessen. Nach dem Frühling, welcher mit einem fantasischen v­ierten Platz der Deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei der Heim-Weltmeisterschaft endete, holte sie der Alltag schnell wieder ein. Nach dem Lizenz-Gerangel in der Deutschen Eishockey-Liga (D­EL) um den EHC München, sowie der Insolvenz und verwehrten Spielgenehmigung der Frankfurt Lions ist es vor Allem der "Fall Kassel Huskies", welcher in der Meinungsbildung zwar die meisten Eishockey-Fans im Sinne vereint, aber trotzdem für geteilte Ansichten sorgt. Es wird auch immer schwieriger, aufgrund der Informationsflut sich ein Urteil bilden zu können.

Gestern versendeten die Klubs der DEL einen "Offenen Brief", in dem sie sich klar positionierten und sich gegen einen Verbleib der Kassel Huskies aussprachen. Gespickt war diese Stellungnahme mit Fakten, welche die Klubs zu diesem Urteil hat kommen lassen. (Lesen Sie hier!)

Natürlich haben sich nun auch die Kassel Huskies zu diesem Brief geäussert. Ihr Geschäftsführer, der Rechtsanwalt Dr. Fritz Westhelle, verteidigt dabei den von seinem Klub eingeschlagenen Weg, und widerlegt dabei einige Fakten. Ferner wirft er den anderen DEL-Klubs vor, dass diese den Huskies ständig "Knüppel zwischen die Beine werfen." Sei es, dass sie den Weg der Huskies zur Entschuldung missachten, oder eben durch jene Kommunikation, dass die Nordhessen keine Lizenz erhalten, versuchen die Kasseler Spieler abzuwerben.

Die Stellungnahme des Geschäftsführers der Kassel Huskies zum Offenen Brief der DEL-Clubs veröffentlichen wir im nachfolgenden vollständig:

Sehr geehrte Vertreter der DEL-Clubs, sehr geehrte Medienvertreter, liebe Partner, Sponsoren und Fans der Kassel Huskies,

den heutigen offenen Brief habe ich mit großem Interesse gelesen. Dazu würde ich gern folgende Anmerkungen machen:

1. Die DEL räumt erstmals ein, dass nach ihrer Satzung die Eröffnung

eines Insolvenzverfahrens den Ausschluss des betroffenen Clubs aus der

DEL zur Folge haben KANN. Dies wurde in der Vergangenheit fälschlich

immer als ein Muss gesehen und auch so kommuniziert.

2. Im Falle der Kassel Huskies ist ein wirksamer Ausschluss auf der

Basis der genannten Kann-Bestimmung bislang nicht erfolgt und wird

angesichts der bereits erfolgten Sanierungsschritte im Rahmen des kurz

vor dem Abschluss stehenden Insolvenzplanverfahrens auch nicht mehr

erfolgen. In dem offenen Brief wird in diesem Zusammenhang insbesondere

vergessen zu erwähnen, dass bereits am 19.05. die Gläubigerversammlung

über den Insolvenzplan, den ich dem Insolvenzgericht vorgelegt hatte,

abgestimmt und dieser einstimmig angenommen wurde. Damit waren die

Kassel Huskies entschuldet. Angesichts dessen waren die DEL (deren

finanzielle Forderungen im Übrigen vollständig beglichen worden sind)

und ihre Gesellschafter nicht dazu berechtigt, den Ausschluss der

Kassel Huskies weiter zu betreiben und den formalen Abschluss des

Insolvenzplanverfahrens künstlich hinauszuzögern. Indem sie dies

dennoch tun, verstoßen sie gegen die in der Satzung der DEL

ausdrücklich verankerte gesellschaftsrechtliche Treuepflicht, die es

ihnen gebietet, die Sanierung eines Mitgliedsclubs zu fördern und nicht

zu hintertreiben. Ich habe mich daher mit den mir zur Verfügung

stehenden Mitteln gegen das rechtswidrige Verhalten der DEL erfolgreich

zur Wehr gesetzt und werde dies auch weiterhin tun.

3. Mir war von Anfang an klar, dass die DEL im

Lizenzbestätigungsverfahren versuchen würde, den Kassel Huskies diese

Bestätigung zu verweigern. Unser Antrag auf Lizenzbestätigung ist

deshalb extrem gründlich vorbereitet und mit allen erforderlichen

Unterlagen eingereicht worden. Innerhalb der von der DEL gesetzten

Fristen sind Nachfragen beantwortet und die von ihr noch für nötig

erachteten Unterlagen nachgereicht worden. Die komplette

Durchfinanzierung der Spielsaison 2010/11 ist in vollem Umfang

nachgewiesen worden, teilweise sind sogar mehr Nachweise erbracht

worden als angefordert. Die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kassel

Huskies steht daher außer Frage. Wäre dem nicht so, hätte das

Landgericht Köln sicherlich nicht per (vierter !) einstweiliger

Verfügung die Kassel Huskies zum Spielbetrieb zugelassen. Ich bin mir

sehr sicher, dass die den offenen Brief unterzeichnenden Clubvertreter

dies nicht wissen, sondern wegen der (ebenfalls rechtswidrigen)

Verweigerung der Lizenzbestätigung durch die DEL schlicht davon

ausgehen, dass die Kassel Huskies versuchen, "ohne den Nachweis eines

abgesicherten Etats" in der kommenden Saison anzutreten. Wenn ich

veröffentlichen würde, mit welch an den Haaren herbeigezogenen Gründen

die DEL die Lizenzbestätigung verweigert hat, würden sicherlich Manchem

die Augen aufgehen. Dies gehört aber nicht in die Öffentlichkeit, und

ich werde mich nicht auf die Ebene der DEL begeben, welche die

vertraulichen Unterlagen der Kassel Huskies den anderen Clubs

zugänglich gemacht hat.

4. Mit der DEL werden derzeit Vergleichsgespräche geführt, und es ist

schlicht nicht wahr, dass die Kassel Huskies irgend einen

Vergleichsvorschlag rundweg abgelehnt hätten. Der Vorschlag eines

unabhängigen Schiedsgerichts kam von mir und ich freue mich, dass die

DEL dies offensichtlich akzeptieren will. Dort möchte man allerdings,

dass dieses Schiedsgericht bis zum 31.07.2010 eine Entscheidung treffen

soll, so dass erst dann endgültig feststehen würde, ob die Kassel

Huskies in der DEL spielen oder nicht. Dies ist für die Kassel Huskies

nicht akzeptabel, weil sofort nach der Schlagzeile "DEL entzieht Kassel

Huskies die Lizenz" die Mitbewerber-Clubs der DEL (unter Verstoß

zumindest gegen die Regeln des guten Anstands und gegen die bislang von

allen Beteiligten aus guten Gründen beachteten Transfergepflogenheiten)

versucht haben, die von uns verpflichteten Spieler abzuwerben und ihnen

seitdem laufend Angebote unterbreiten (nachzulesen im Internet). Wenn

die Spieler nicht wüssten, dass wir in der nächsten Saison in der DEL

spielen werden, wären sie längst weg. Das ist der Hintergrund des

Angebots der DEL, die genau weiß, dass wir bei Annahme eines solchen

Vorschlages ohne Spieler dastehen würden. Vor allem dies war der Grund,

durch die beim Landgericht Köln erwirkte Zulassung zum Spielbetrieb in

der Spielzeit 2010/2011 Planungssicherheit zu erlangen. Vor der

Anrufung des Landgerichts Köln haben wir der DEL angeboten, ein

unabhängiges Schiedsgericht entscheiden zu lassen. Ich habe mich sogar

verpflichtet, bei Unterliegen in der Saison 2011/12 in der 2. Liga zu

spielen. Voraussetzung war und ist allerdings, dass die Kassel Huskies

in der kommenden Saison in der DEL spielen können. Anders ist ein

Vergleich nicht möglich. Das kann sicherlich jeder verstehen.

5 . Der offene Brief ist auch von keinerlei rechtlichen und sachlichen

Kenntnissen getrübt was das einstweilige Verfügungsverfahren betrifft.

Solche Eilentscheidungen der Gerichte ergehen in aller Regel ohne

mündliche Verhandlung und werden auch nicht begründet. Die

einschlägigen gesetzlichen Regelungen sehen dies ausdrücklich vor. Dem

Erlass einer einstweiligen Verfügung geht jedoch stets eine Prüfung

durch das Gericht voraus. Dies war auch hier der Fall. Im Übrigen

wurden die Clubs in der mündlichen Verhandlung am 24.06. vom

Landgericht Köln sehr wohl angehört. Sie haben ihre Anwälte auch

ausführlich schriftsätzlich vortragen lassen. Dass dies nicht den

Erfolg hatte, den sie sich gewünscht hätten, steht auf einem anderen

Blatt. Für mich ist angesichts dessen die von der DEL öffentlich geübte

Richterschelte nicht nachvollziehbar. Ob die Richter des Landgerichts

Köln "vom Sport keine Ahnung haben", wie in der Presse zu lesen war,

weiß ich nicht und kann ich nicht beurteilen. Von Recht und Gesetz

verstehen sie jedoch sehr viel und nur darauf kommt es an.

6. Zusammenfassend möchte ich noch zwei Dinge festhalten:

a )

Im März 2010 waren die Kassel Huskies zahlungsunfähig und überschuldet.

Aus diesem Grund habe ich unverzüglich nach meiner Berufung zum

Geschäftsführer einen Insolvenzantrag gestellt. Wäre das

Insolvenzverfahren normal durchgeführt worden, hätte sich niemand gegen

den Ausschluss aus der DEL gewandt. Das Eishockey in Kassel wäre

erledigt gewesen. Die Quote für die Gläubiger hätte bei allenfalls 8 %

gelegen. Dies hätte für die Verwaltungsberufsgenossenschaft ebenso

gegolten wie für alle anderen Gläubiger. Dadurch, dass ich einen

Insolvenzplan vorlegte, dem alle Gläubiger zugestimmt haben, ist zum

einen für die Gläubiger eine Quote von nunmehr über 20 % erzielbar. Zum

anderen haben sich die Kassel Huskies erfolgreich saniert und können

daher natürlich weiter in der DEL spielen. Für die Sünden aus der Zeit

vor März 2010 können weder der neue Gesellschafter noch der neue

Geschäftsführer etwas. Wir haben mit großer Kraftanstrengung aus einer

verkorksten Insolvenzsituation für alle Beteiligten etwas Gutes

gemacht. Auf diesem Weg bleiben wir auch künftig. Dabei sollte man uns

nicht ständig Knüppel zwischen die Beine werfen.

b)

Einer der Geschäftsführer der den offenen Brief unterzeichnenden Clubs

hat uns am vergangenen Freitag anlässlich der Gesellschafterversammlung

in Köln sinngemäß das Folgende erzählt:

Wenn sich vier Leute regelmäßig zum Skatspielen treffen und verabreden,

dass sie nicht nach den Altenburger Regeln spielen wollen, sondern auch

Bock und Ramsch, und dann einer dieser vier aus irgendwelchen Gründen

nicht mehr eingeladen wird, dann kann der sich nicht mit Hilfe eines

ordentlichen Gerichts wieder einklagen, um weiter mit den anderen drei

spielen zu können, das ist doch wohl absolut logisch.

In der Tat wäre das der von dem Einen oder Anderen offenbar so

gewünschte rechtsfreie Raum. Hier geht es aber um keinen Skatclub,

sondern um die DEL, die Millionen bewegt und sich natürlich an

rechtsstaatliche Grundsätze zu halten hat. Das ist eine

Selbstverständlichkeit und wird durch das Bosman-Urteil des EuGH, das

von der DEL selbst derzeit ständig in den Medien bemüht wird,

ausdrücklich bestätigt. Als Geschäftsführer muss ich verhindern, dass

die DEL durch ihr Vorgehen, das nicht nur gegen gesetzliche

Bestimmungen, sondern auch gegen die von ihr selbst aufgestellten

Regularien verstößt, den Kassel Huskies Existenz bedrohenden Schaden

zufügt. Das bin ich nicht nur den Fans, sondern auch unseren Spielern,

zahlreichen weiteren Mitarbeitern und ihren Familien schuldig.

Schließlich hängt auch deren wirtschaftliche Existenz vom Fortbestand

der Kassel Huskies ab.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Fritz Westhelle

 


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