Neues Zeitalter?Kommentar

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DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke sagte einst über die neue Verbindung zwischen DEL und Telekom: „Durch die Zusammenarbeit eröffnen sich für die DEL neue faszinierende Möglichkeiten. Das ist ein großer Schritt, der dem Eishockey insgesamt enormen Auftrieb geben wird.“ Und Henning Stiegenroth, Leiter Sportmarketing der Telekom, meinte: „Wir machen Eishockey hautnah erlebbar – kompetent, emotional und in höchster Qualität.“ Auf der neuen Internetpräsenz heißt es: „Neue Adresse – doppelte Power“.

Hört man sich in Fankreisen um, so ist es zurzeit aber eher eine Mischung aus Ernüchterung und Enttäuschung. Ja, es gibt sicher auch Gutes. Toll ist sicher, dass alle Spiele zu sehen sind und durch die neuen Bullyzeiten, kann sich der Hardcore-Fan am Sonntag auch drei Spiele hintereinander ansehen. Und das alles zu einem unschlagbaren Preis. Dafür haben sich alle ein dickes Lob verdient! Selbst wer „nur“ die Spiele seines Clubs ansieht, wird zum Sparfuchs. Doch um ehrlich zu sein, das war es dann auch schon an Verbesserungen.

Schon der Start war „holprig“, aber viele drückten ein Auge zu und dachten sich: „Das wird schon noch.“ Andererseits könnte man auch argumentieren, dass die Zeit lange genug war, um sich technisch aufzustellen. Immerhin siebeneinhalb Monate. Denn seit dem 27. Januar ist offiziell, dass sich die Telekom die Rechte gesichert hat. Auch das der erste Spieltag der 16. September war, war wenig überraschend.

Nichtsdestotrotz fehlt es an allen Ecken und Enden. In der ersten Goalie-Statistik war der Torhüter mit den meisten Gegentoren als Bester geführt. Auf dem ersten neuen Spielberichtsbogen fehlte der zweite Linienrichter. Woher dieser Fehler kam, ist unklar. Immer noch zeigen die Statistiken nur die ersten fünf Spieler. Detailliertere Infos gibt es nur innerhalb des Teams. Den Spielberichtsbogen als PDF-Datei à la Pointstreak gibt es gar nicht mehr. Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, den Torhütern eine Plus-Minus-Statistik zu verschaffen? Die gibt es inzwischen nicht mehr, dafür gibt es sie aber auch nicht für Feldspieler. Falsch. Es gibt sie, man muss sie nur suchen! Leider muss man festhalten, dass die sogenannten Statistiken so nicht wirklich brauchbar sind. Dass der von vielen geliebte und unterhaltsame Liveticker abgeschafft wird, war absehbar. Trotzdem trauern einige darum. Vergangenes Wochenende klappte nicht mal mehr die Ereignismeldung. Keine Strafen, keine Torschützen. Die Frage muss erlaubt sein: Wieso hat man die „alte“ Del.org -Seite nicht übernommen? Oder sich zumindest daran orientiert. Nicht immer ist neuer auch besser!

Ein erfahrener Mann wie Wolfsburgs Coach Pavel Gross sprach laut das aus, was viele denken: „Wir Trainer und Manager arbeiten viel mit Statistiken. Im Moment finde ich aber nicht mehr die Sachen, die ich unbedingt brauche. Selbst in der Oberliga ist in dem Bereich das Niveau besser als bei uns.“ Das scheint nicht gut anzukommen. Denn statt die berechtigte Kritik aufzunehmen, in sich zu gehen und an dem mehr als schwachen Auftritt zu arbeiten, hat Gross nun ein Verfahren am Hals.

Gross meinte weiter: „Manchmal bezweifle ich, dass die Leute, die für die DEL diese Verträge aushandeln, Ahnung vom Eishockey haben.“ Ja, das ist starker Tobak, aber ich bezweifle, dass die Leute, die die neue Seite programmiert haben, auch nur ein Spiel gesehen haben oder sich auch nur annähernd mit Eishockey beschäftigt haben. Dazu fällt mir eigentlich nur der deutsche Filmtitel eines James-Dean-Films ein - „Denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Zu Recht fragt Grizzly-Manager Charly Fliegauf: „Das ist lächerlich, einfach nur noch lächerlich. Wo sind wir denn hier?“ Der eine oder andere fühlte sich an Nordkorea erinnert, ich persönlich fühle ich mich eher an einen Kindergarten, als an ein Profigeschäft erinnert.

Dank diverser sozialer Netze bekommen Gross und Fliegauf aus allen Ecken der Eishockey-Republik Zustimmung.  Vielleicht lässt das die DEL ja doch noch ins Nachdenken kommen.

Doch als ob das nicht schon alles genug wäre, so gibt es auch bei der Liveberichterstattung deutliche Schwächen. Ein Basti Schwele und Rick Goldmann sind über jeden Zweifel erhaben, besonders wenn sie im Doppelpack auftreten. Und wenn dann ein Sascha Bandermann noch den „Bandendienst“ übernimmt, ist der Abend gerettet. Doch bei so manch anderem bleibt nichts anderes übrig, als die Hände über den Kopf zusammenzuschlagen.

Dass man hin und wieder einen Spieler nicht erkennt, sei verziehen.  Dass Ballsportreporter hin und wieder von „Ball“ anstelle von „Puck“ sprechen, ist bedauerlich, aber sei in der Hektik des Spiels auch vergessen. Dass man aber über das ganze Spiel einen Spieler aufruft, der gar nicht in der Aufstellung ist, ist peinlich. Wenn man dann aber auch noch Spielernamen in die Welt ruft, die es  weder im einen, noch im anderen Team gibt, ist mehr als mangelhaft. Dass zum vorangegangenen Spiel die Reihen komplett umgestellt sind, aber dann sinngemäß „die Aufstellung ist so wie immer“ kommentiert wird, deutet auf keinerlei Vorbereitung hin. Es wird kommentiert, dass die Schiedsrichter eine Strafe zurückgenommen hätten, weil man den Unterschied zwischen Icing und Strafe offenbar nicht kennt. Spieldauerstrafen werden als Matchstrafen betitelt. Die an den Tag gelegten Regelschwächen sind eigentlich nicht fassbar. Und als kleiner Tipp: die mit den roten Streifen am Ärmel sind die Schiedsrichter, die ohne rote Streifen, sind die Linienrichter.

Wie will man neue Kunden gewinnen und Menschen für Eishockey begeistern, wenn Reporter offensichtlich nicht mal die Schiedsrichterzeichen deuten können? Wie will man sein Produkt verkaufen, wenn der Fan mehr Ahnung hat, als der Reporter?

Doch bei der DEL will man zurzeit wohl ohnehin nur das hören, was man hören will. Anders ist auch die Strafe gegen Straubings Coach Larry Mitchell nicht zu erklären. Larry Mitchell ist dankenswerter Weise niemand, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hält. Wer Mitchell kennt, der weiß, dass wenn er mit seiner „Geschenk“-Aussage in Schwenningen die Schiedsrichter gemeint hätte, er das auch gesagt hätte. Übrigens haben die Schwenninger Mitchells Aussage auf die Straubinger Spieler bezogen. Aber für die DEL scheinen die Deutschkenntnisse eines seit 26 Jahren in Deutschland lebenden und arbeitenden und wirklich ausgezeichnet Deutsch sprechenden Trainers nicht gut genug zu sein.

Liebe DEL, es wird Zeit, dass ihr wieder was für die geilste Sportart der Welt und deren Fans macht. Und liebe Telekom, es wird Zeit, dass ihr in die Hufe kommt. Denn frei nach Marcellus in William Shakespeares Hamlet: „Etwas ist faul im Staate DEL.“