Nathan Barrett - Ein Knipser für Straubing?

Straubing: Trew bleibt ein TigerStraubing: Trew bleibt ein Tiger
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Der Papierform nach müsste die Torausbeute der Straubing Tigers in der DEL in den nächsten Wochen in die Höhe schnellen. Auf 1,73 Treffer im Schnitt pro Partie kommt der Aufsteiger bislang nach elf Spielen rein rechnerisch. Mit Nathan Barrett gibt nun ein ausgesprochener Goalgetter, der in der letzten AHL-Saison über 30 Tore schoss, am Freitag in Frankfurt sein Debüt bei den Niederbayern.

 

Der Kanadier will sich allerdings nicht die ganze Verantwortung auf seine Schultern laden lassen, er sagt: „Das Toreschießen ist eine Aufgabe der ganzen Mannschaft und nicht eines einzelnen.“ Er tut gut daran, sich nicht selbst zu sehr unter Druck zu setzen, auch wenn man von ihm in Straubing vor allem Akzente in der Offensive erwartet.

 

„Er hat einen guten Schuss, einen guten Pass und schnelle Hände“, schildert Co-Trainer Günther Preuß seine ersten Eindrücke von dem 25-Jährigen, der allerdings erst wenige Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolvieren konnte.

 

Nathan Barrett ist noch keine Woche in Straubing, zu seinen Erwartungen kann er sich nur schwer äußern. Von den Play-Offs spricht er, mit einem fragenden Blick, ohne zu wissen, ob das realistisch ist.

 

Vorsichtig wird er in die Straubinger Mannschaft eingebaut. Co-Trainer Günther Preuß sagt: „Wir wollen ihn nicht verheizen.“ In Frankfurt soll Nathan Barrett in der nominell vierten Reihe an der Seite von Stefan Mann und Youngster Thomas Wilhelm seine ersten Eindrücke im DEL-Spielbetrieb sammeln.

 

Das Heimspiel am letzten Sonntag gegen die Kölner Haie (2:1) erlebte der Neuzugang als Zuschauer, weil ihm der Jetlag noch in den Knochen steckte: „Ich wollte nichts riskieren und es war wohl die richtige Entscheidung. Die Mannschaft hat ja auch ohne mich gewonnen.“ Beeindruckt war Nathan Barrett von den über 5.000 Zuschauern und der Stimmung im Eisstadion am Pulverturm, über das er sagt: „Das ist eine recht kleine Halle, aber die Zuschauer sind deshalb unglaublich laut.“

 

Bis sich der Mann aus Vancouver an das Leben in Niederbayern („Das ist ganz anders“) gewöhnt hat, wird es wohl noch etwas dauern. Auch wie fit er wirklich ist, müssen die nächsten Spiele erst noch zeigen.

 

Denn Nathan Barrett versuchte zwar, sich in Nordamerika in Form zu bringen, er pokerte aber um einen Vertrag und stand deshalb nicht im Kader eines Profiteams und nahm auch an keinem Trainingscamp teil. An Spielpraxis wird es ihm noch mangeln.

 

„Eine Frage des Geldes“ sei es gewesen, warum er bei keinem Minor League-Team unterschrieb und den Weg nach Europa einschlug. Hier lagen ihm auch Angebote aus Finnland und aus der Schweiz vor. Der Center entschied sich aber für Straubing und die DEL, weil er „besseres Eishockey spielen“ wollte.

 

Den Sprung in die Königsklasse des Eishockeys, die NHL, hat Nathan Barrett nie geschafft, obwohl er im Laufe seiner Karriere bei drei Clubs (Vancouver, Toronto und Chicago) im erweiterten Aufgebot stand. Verletzungen, unter anderem an der Leiste und eine Gesichtsfraktur, in den Spielzeiten 2002/03 und 2003/04 macht er in allererster Linie dafür verantwortlich. „Das hat mich jeweils 30 Spiele gekostet.“

 

In der letzten Saison scorte er bei den Norfolk Admirals (AHL) mit 31 Treffern und 33 Vorlagen in 82 Spielen (incl. Play-Offs) gewaltig. Allerdings kam er in der Saisonbewertung des „Virginian-Pilot“ mit einer Note von „Zwei minus“ und der Einschätzung als „defensivschwächster Spieler“ seiner Mannschaft nicht so gut weg. Auch die Statistik spuckt für ihn eine Plus-/Minuswertung von -16 aus und unterstreicht diese Benotung.

 

Beim Finden der passenden Rolle gilt es für Tigers-Trainer Erich Kühnhackl anzusetzen, damit Nathan Barrett für das Team der Straubinger der erhoffte Glücksgriff wird. Co-Trainer Günther Preuß kündigte bereits an, dass es am bevorstehenden Wochenende passieren könne, dass Nathan Barrett im Powerplay als vierter Stürmer auf das Eis geschickt wird. Immerhin sagt der Angreifer, der sich nach eigener Aussage rund um das Tor am wohlsten fühlt und dort seine Stärken sieht, selbst: „Ich habe in Überzahl viele Tore geschossen. Ich bin ein Offensivspieler.“ Günther Preuß erklärt: „Wenn ein Spieler diese Fähigkeiten hat, dann wollen wir das nutzen.“

 

Ihre vor allem auf fremdem Eis ausgeprägte Defensivtaktik werden die Tigers indes nicht aufgeben. „Das hat zuletzt in Mannheim und Nürnberg gut funktioniert“, stellt Günther Preuß fest. Damit steht die Auswärtsstrategie für den Auftritt in Hessen am Freitagabend.

 

Für das Heimspiel am Sonntag gegen die Eisbären Berlin ist die Aussage etwas mutiger: „Wir werden ganz klar auf Sieg spielen. Zuhause sind wir durch die unglaubliche Unterstützung des Publikums weiter eine Macht. Es ist unfassbar, wo die Fans diese Kraft hernehmen.“

 

Auf die Kraft wird es nicht nur beim Anhang, sondern auch bei den Tigers selbst ankommen, denn jedes Match verlangt der Mannschaft einiges ab. Wieviel der Neuzugang dabei schon einbringen kann, sollten die nächsten Spiele offen legen. Nathan Barrett wird allerdings über kurz oder lang daran gemessen werden, ob es ihm gelingt, im gegnerischen Drittel für Durchschlagskraft zu sorgen. Denn ein „Knipser“ ist das, was das Straubinger Spiel momentan effektiv am meisten beleben kann.