Nach Herzmuskelentzündung: DEL legt Richtlinien nach Covid-19-Erkrankung festWolfsburgs Janik Möser fällt bis auf weiteres aus

Janik Möser (rechts) wechselt im Sommer von den Adlern Mannheim zu den Grizzlys Wolfsburg. Er fällt bis auf weiteres aus.  (Foto: dpa/picture alliance/Eibner-Pressefoto)Janik Möser (rechts) wechselt im Sommer von den Adlern Mannheim zu den Grizzlys Wolfsburg. Er fällt bis auf weiteres aus. (Foto: dpa/picture alliance/Eibner-Pressefoto)
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„Mir geht es so weit gut“, sagt Möser, der bewusst den Weg gewählt, die Folgen seiner Erkrankung öffentlich zu machen. Sport ist ihm derzeit aber verboten. „Ich muss auf meine Herzfrequenz achten“, sagt der 25-Jährige. „Ich gehe spazieren, mehr darf ich nicht machen.“ Dr. Axel Gänsslen, der Mannschaftarzt der Grizzlys Wolfsburg, hatte sich um Möser gekümmert. „Janik war in der üblichen zehntägigen Isolation“, berichtet er. „Wir haben uns dann in der Literatur informiert, haben uns die Konzepte aus dem Mai angeschaut.“ Zum Glück hatte Gänsslen gute Kontakte, ließ zudem statt eines EKG ein Belastungs-EKG durchführen. Nach einem Cardio-MRT bei Dr. Bernd Wolfarth in Berlin, einem leitenden Arzt des Deutschen Olympischen Sportbundes, stand fest, dass sich Möser eine Herzmuskelentzündung in Folge der Covid-19-Erkrankung zugezogen hatte. Hätte er damit Leistungssport betrieben, „hätte die Gefahr eine plötzlichen Herztodes bestanden“, so Gänsslen.

Daraufhin haben der Arzt und die Deutsche Eishockey-Liga in Zusammenarbeit mit den Handball- und Basketball-Bundesligen nun einen neuen Algorithmus entwickelt. „Es geht nicht nur darum, die anderen gesunden Spieler zu schützen“, sagt Jörg von Ameln, der Leiter des Spielbetriebs bei der DEL ist, „sondern auch darum die Spieler zu schützen, die eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben.“

So wird es in der DEL nun nach der zehntägigen Isolation einen Untersuchungszeitraum von sechs bis acht Tagen geben, in dem die Belastung bei einem EKG langsam angepasst wird. Erst wenn ein Spieler dabei symptomfrei bleibt, wird er wieder zum Sport zugelassen. „Das bedeutet, dass ein Spieler damit frühestens 17 Tage nach der Erkrankung wieder spielen kann“, so Gänsslen. „Das ist zwar länger als beispielsweise beim Fußball“, so der Wolfsburger Arzt. „Doch“, so von Ameln, „es geht darum, die Spieler zu schützen.“

Schon nach dem Todesfall von Stephane Morin, der im Oktober 1998 bei einem DEL-Spiel der Berlin Capitals in Oberhausen einen plötzlichen Herztod erlitt, hatte die DEL die Untersuchungsrichtlinien vor der Saison geändert, um Vorerkrankungen zu erkennen. „Es gab seither durchaus Fälle, in denen wir Spieler daher nicht lizenziert haben. Allerdings haben wir das natürlich nicht öffentlich gemacht“, so von Ameln über die üblichen medizinischen Schutzmechanismen, die nun mit Blick auf Corona erweitert worden sind.

„Zum Glück greifen unsere Hygienekonzepte“, sagt Möser. „Außer mir ist kein anderer Spieler krank geworden.“ Bis er selbst vollständig genesen sein wird, wird nun noch einige Zeit vergehen. „Die nächsten Untersuchungen stehen im 10./11. Januar erneut in Berlin an“, berichtet der Grizzlys-Spieler. Möser war zudem wichtig, öffentlich zu machen, „dass auch junge und gesunde Menschen Folgeerkrankungen in Folge einer Corona-Infektion erleiden können. Da gibt es nichts zu verharmlosen.“

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