Nach dem Play-off-Aus der Straubing TigersDie ersten Reaktionen

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Auf der Pressekonferenz herrschte gelockerte Stimmung. Uwe Krupp und Larry Mitchell machten sich ein Späßchen daraus, dass Stadionsprecher Peter Schnettler verspätet auf der Veranstaltung erschien. Beide witzelten: „Dann stellen wir uns halt gegenseitig ein paar Fragen.“ Doch bevor Uwe Krupp die Leitung übernahm, kam Schnettler gerade noch rechtzeitig. Man merkte, beide waren froh und erleichtert, dass die Serie vorbei ist und beide haben großen Respekt voreinander.

So war auch Krupp voll des Lobes für die Niederbayern: „Ich glaube, wir haben zwei sehr gute, intensiv geführte Play-off-Spiele gesehen. Der Unterschied zwischen den Mannschaften könnte nicht kleiner sein. Wir hatten vielleicht ein bisschen mehr vom Spiel, von der aktiveren Seite, aber Straubing war immer brandgefährlich. Larry hat die Jungs super eingestellt. Wenn es in die dritte Overtime geht, gehört natürlich auch ein bisschen Glück dazu und das war in dem Moment auf unserer Seite.“ Ausschlaggebend für ihn war Berlins Unterzahl: „Unser Unterzahlspiel war heute gut, wir haben viel in Unterzahl gespielt und Straubing hat dieses ganz starke Powerplay, aber ansonsten war es ein enges Spiel.“ Und weiter: „Ich bin natürlich stolz auf die Jungs. Die haben hier gekämpft und sich gegen eine sehr gute Mannschaft, die 100 Prozent mit uns auf Augenhöhe war, durchgesetzt. Ich freue mich natürlich, dass wir weitergekommen sind.“ Insgesamt meinte er: „Es war super Eishockey für die Fans. Es war fair, es war hart und eng umkämpft. Die Zuschauer in beiden Arenen haben, glaube ich, super Eishockey gesehen.“

Ähnlich klang es auch bei Straubings Coach Larry Mitchell: „Ich möchte Uwe und seinen Jungs gratulieren und viel Glück für die nächste Runde wünschen. Aber viel mehr möchte ich meinen Jungs gratulieren. Wir haben den Berlinern alles abverlangt und haben alles gegeben.“ Er meinte auch: „Die haben heute alles auf dem Eis gelassen, so wie vor zwei Tagen. Leider hat es trotzdem nicht gereicht. Ich bin unheimlich stolz auf die Moral der Jungs. Wir hatten in der zweiten Verlängerung zwei Spieler durch Verletzung verloren und haben versucht, weiter zu marschieren. Ich denke, das ist uns gelungen. Letztendlich muss man anerkennen, wenn Berlin in jedem Spiel ein Tor mehr schießt, dass Empty-Net vom Mittwoch zähle ich nicht, dann sind sie auch verdient weiter.“ Dann erinnert er an den Saisonbeginn: „Anfang August, als wir uns das erste Mal zusammengesetzt haben, war mein Appell an die Mannschaft, dass es Mannschaften in der Liga geben wird, die talentierter sind. Es wird Spiele geben, in denen wir die zweitbeste Mannschaft auf dem Eis sind. Aber man muss für die Zuschauer alles geben, man muss für die Straubing Tigers alles geben und genauso wichtig für den Mann, der neben einem in der Kabine sitzt. Das haben die Jungs getan, es gab sehr wenige Ausnahmen diese Saison, dass sie das nicht getan haben.“

Vor der Kabine war eine merkwürdige Stimmung. Alles ging langsamer von statten als sonst, kaum jemand war geduscht, stattdessen wanderten die Tigers in kurzen Hosen und Badelatschen zwischen den Zimmern. Ein letzten Mal ausradeln, ein letzter Energie- oder Eiweißdrink in der Küche gemixt. Gesprochen hat kaum jemand. Die Stimmung war gedrückt. Verlassen sitzt Max Renner auf der Spielerbank, telefoniert und liest Kurznachrichten. Ein paar Meter weiter sitzt Mike Connolly, der einen Plausch mit einem Berliner hält. Dann kommt er rüber. Die Enttäuschung kann man dem kleinen Flügelflitzer ansehen: „Ja, ich bin enttäuscht. Oh Mann, das ist echt hart, so eine Serie zu verlieren, aber wir sind eine großartige Truppe.“ Man merkt, dass ihm fünf Gedanken gleichzeitig durch das Hirn gehen: „Es war so eng, aber wir müssen Berlin gratulieren. Ein ugly Goal, ein lucky Bounds. Aber das ist jetzt so. Aber wir können alle stolz sein. Wir haben Play-off-Eishockey gespielt. Es war ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Die nächsten Tage müssen wir das erstmal reflektieren. Ich denke, es war ein gutes Jahr.“ Es war ein langes Spiel, aber nicht das längste des 27-Jährigen: „Als ich noch ein junger Spieler war, hatte mal fünf Overtimes. Aber als ich noch jünger war, war das um einiges einfacher. Aber wir hatten tolle Trainer, die uns im Spiel hielten und auch immer erinnerten zu trinken. Es war ein langes Spiel, das leider einen schlechten Ausgang hatte, aber das ist Sport.“

Sean Sullivan, Torschütze zum Führungstreffer, kam als einer der Ersten geduscht und gestylt aus der Kabine. Er meinte: „Es ist schwer, Worte für das finden, was passiert ist. Ich denke, wir hätten mehr verdient, aber in einer dritten Overtime kann aber jederzeit ein Tor fallen. Wir haben so hart gespielt, wie wir konnten, mit etwas mehr Glück hätten wir vielleicht ein Spiel am Sonntag bekommen. Ich denke aber, wir können alle stolz auf uns sein.“

Auch Colton Jobke macht einen geknickten und angeschlagenen Eindruck. Das Spiel und die Serie hat Spuren hinterlassen. Der Verteidiger gesteht: „Jeder ist enttäuscht, denn das Ergebnis ist nicht das, was wir wollten. Wir sind eine tolle Truppe und jeder kann auf jeden stolz sein. Wir haben uns die Chance gegeben, die nächste Runde zu erreichen, aber wir hatten etwas zu viel Pech.“ Es war ein langer Abend. Für ihn gab es nie ein längeres Spiel: „Oh nein“, lacht Jobke, „das war das längste Spiel, dass ich je gespielt habe. Ich glaube ein paar Jungs haben mal in die vierte Overtime gehen müssen, aber das war das längste Spiel für mich.“ In der nun langen Sommerpause macht er das, was die meisten Spieler machen. „Ich gehe heim, werde etwas Urlaub machen und dann mit dem Sommertraining beginnen.“ Denn das Ende der einen Saison, ist irgendwie auch der Beginn einer neuen Saison.

Auch Dylan Yeo hatte noch keinen längeren Eishockeyabend auf dem Eis erlebt: „Nein, das war das längste Spiel, das ich je gespielt habe.“ Er meint weiter: „Wir haben die ganze Serie hart gekämpft, aber Berlin hatte etwas mehr Glück. Aber so ist das manchmal, das ist Eishockey. Wir können aber alle stolz auf die ganze Mannschaft sein.“ Der Stolz ist bei „Yosi“ deutlich zu spüren, wenn er sagt: „Wir haben die ganze Saison so hart gekämpft und hatten Höhen und Tiefen, aber wir haben uns durchgebissen und sind als echtes Team aufgetreten.“

Stürmer Tommy Brandl sagte: „Noch nie“ habe er ein längeres Spiel bestritten. Zum Spiel meint er: „Ich glaube, wir haben den gleichen Willen gehabt wie Berlin. Letztendlich wurde es durch ein glückliches Tor entschieden. Das Lustige war, dass es eigentlich vom Empfinden vom Körper okay war, aber man hat gemerkt, dass die Konzentration nachlässt und die Entscheidungen, die man trifft, wesentlich schlechter sind als die, die man zuvor getroffen hat.“ Sollte er nochmal in so eine Situation kommen, wird er aber eine Sache etwas anders machen: „Man muss ökonomisch spielen. Ich habe in der ersten Overtime ein paar Wege genommen, bei denen ich dann selber gemerkt habe, dass bringt jetzt gar nichts.“ Auch der sonst meist lachende Brandl ist nach dieser Serie nicht glücklich: „Natürlich ist die Enttäuschung jetzt groß, vor allem über die Art und Weise. Auch das erste Spiel wurde glücklich entschieden. Wir haben uns das als Ziel gesetzt, dass wir unter die ersten zehn kommen. Wir haben fünf Mannschaften hinter uns gelassen. Ich glaube, da kann man stolz darauf sein, weil das mit Straubing nicht so alltäglich ist, dass du in die Play-offs kommst.  Seitdem ich hier bin, habe ich es in vier Jahren zweimal geschafft, da bin ich generell stolz. Vor so einer Kulisse zu spielen, mit dem Rückhalt der Fans, hat das unglaublich viel Spaß gemacht.“ Er braucht aber jetzt erst mal etwas Abstand von der Eishalle: „Erst mal etwas abschalten. Gerade habe ich keine große Lust auf Eishockey, weil die Enttäuschung natürlich recht groß ist. Man kann Zeit mit der Familie verbringen und die letzten Tage mit den Teamkollegen genießen, weil man den einen oder anderen leider nicht mehr wiedersieht. Das ist das Traurige am Eishockey, dass nach einem Jahr die Wege meist wieder getrennt sind. Man wird ja von Teamkollegen zu Freunden“, erzählt er wehmütig.

Für ihn wie für alle anderen, die nicht im Viertelfinale stehen, ist die Sommerpause länger als erhofft. Doch im Sommer wird es sein wie jedes Jahr. Ein paar werden den Club verlassen, dafür kommen ein paar Neue dazu und im August werden wieder etwa 23 Spieler aufs Eis gehen und eine neuen Angriff starten.


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