"Meista" - Feier frei! DEL-Rekordmeister Eisbären Berlin

John Sim feierte mit den Fans - Foto: JayJohn Sim feierte mit den Fans - Foto: Jay
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Allein die Verletzungsmisere, welche die Mannschaft von Chefcoach Don Jackson in dieser Spielzeit heimsuchte, stellte die Eisbären vor große Herausforderungen. Und sie wurden mit dem bestmöglichen Ergebnis gemeistert. Mit Zufall oder nur Glück ist dieser Umstand nicht ernsthaft zu erklären. Dahinter steckt viel gezielte Arbeit, Sachverstand und Kontinuität der sportlichen Leitung um Manager Peter John Lee. Dem war die Freude zwar anzusehen, aber bei Lee kommt sie nicht in wildem, ausgelassenen Getöse, sondern recht still und gelassen daher. Dabei ist er der Architekt des Erfolgs, dieser Mannschaft, über die er im Jubel sagt: „Diese Mannschaft ist gigantisch! Es ist unglaublich, was sie in dieser Spielzeit geleistet hat.“ Aber wie war dieser Erfolg möglich, trotz der Rückschläge, der Ausfälle von bis zu zehn Stammspielern?

Einer, der auch in diesem Spiel wegen seiner zehn Spielen Sperre tatenlos zusehen musste, ist Stürmer André Rankel. Er versucht das Phänomen Eisbären zu erklären: „Ehrlich gesagt bin ich froh, dass es nun vorbei ist. Es ist grauenhaft, oben in der Loge sitzen zu müssen und nicht helfen zu können. Ich bin einfach nur stolz, dass die Jungs das geschafft haben, mit einem unheimlichen Charakter, Biss und Willen zum Sieg! Die meisten Jungs sind hier seit sechs bis acht Jahren zusammen, da entwickelt sich mehr als der übliche Teamgeist. Das erleichtert auch die Integration der Neuen, die sich auch in diesem Jahr super in die Mannschaft eingefügt haben.“

Einer von diesen Neuen heißt Barry Tallackson, der vor der Übergabe des Meisterpokals als wertvollster Spieler geehrt wurde. Sein Treffer zum 1:1 leitete die Wende in diesem erneut hart umkämpften Spiel ein, brachte die Eisbären mit einem weiteren genialen Moment auf die Siegerstraße. Nach einer schwierigen Anlaufphase anfangs der Saison, in der zunächst noch nicht alles klappte im Zusammenspiel mit seinen Reihen-Kollegen Florian Busch und Darin Olver, erfüllte der 29-jährige US-Amerikaner aber alle Erwartungen. Eisbären-Manager Peter John Lee, der sich sonst mit der Bekanntgabe von personellen Angelegenheiten gern bedeckt hält, plauderte im Freudentaumel aus, dass sich die Fans mindestens zwei weitere Jahre am Spiel Tallackson erfreuen dürfen: „Er hatte noch ein Jahr Vertrag, trotzdem habe ich schon im Februar um ein weiteres mit Barry verlängert. Es war doch längst zu sehen, dass es mit ihm passt.“ Lee steht in diesem Sommer gewiss noch vor schwierigeren Jobs, als der Vertragsverlängerung mit Barry Tallackson.

Ein Frage wird sein: Wie geht es mit dem Eisbären schlechthin, Sven Felski, weiter? In seinem 1000. Spiel für ein und denselben Klub feierte der inzwischen 37-Jährige seine sechste Meisterschaft. Als er mit Ertönen der Schlusssirene über die Bande sprang, um sich ins Jubelknäuel seiner Kollegen zu werfen, konnte der Routinier die Freudentränen nicht mehr zurückhalten. Mit dem Meisterpokal in Händen stürmte Felski glücklich der Stehplatzkurve der Eisbärenfans entgegen. Überwältigt versuchte er deren Gesänge zu übertönen: „Was soll ich schon sagen? Es ist das Beste überhaupt, im 1000. Spiel für diesen Verein, vor diesen Fans die sechste Meisterschaft zu holen. Es ist gar nicht in Worte zu fassen, wie geil das ist!“ Im Vorhinein schob „der Bürgermeister“ jeden Gedanken, jede Frage zu diesem Jubiläum von sich. Dann umarmte Felski Kapitän Stefan Ustorf, der es im letzten Drittel nicht mehr in der Eisbären-Loge ausgehalten und den Kampf der Kollegen in den letzten Minuten dieser Spielzeit am Eis stehend, klatschend und schreiend erlebte. Auch Ustorf stemmte den Fans den Meisterpokal entgegen und wurde gefeiert, als hätte er das entscheidende Tor geschossen.

„Ich muss das alles erstmal verarbeiten, dass die hier alle für uns jubeln.“, gestand Florian Busch inmitten all des Getummels aus Fotografen, Kollegen, Funktionären und Journalisten auf dem Eis der o2 World. Die letzten beiden Meisterschaften hatten die Eisbären bekanntlich in der Fremde errungen. Titel Nummer sechs ist die Heimpremiere. „Es war wieder ein unglaublich enges Spiel. Die Adler haben uns bis zum Schluss keine Ruhe gelassen. Da hieß es ruhig und cool zu bleiben. Aber jetzt, das ist einfach einmalig hier“, freute sich der Bayer strahlend.

Dann forderten die Eisbären-Fans ihr Recht: Meister-Uffta war angesagt! Die Meistermannschaft platzierte sich vor dem Fanblock und Vorsänger Claßen tat sein Werk. Als die Mannschaft schon im Kabinentrakt feucht-fröhlich – von außen mit einem Sprung ins Entmüdungsbecken, und von innen mit den entsprechenden alkoholhaltigen Flüssigkeiten – in eine lange Party-Nacht startete, erhielten die Fans Zugang zur Eisfläche und sogen den Zauber des Moments in vollen Zügen auf. Wie ihre Helden zuvor, formierten sie sich letztlich zu einen Meisterschaftsfoto. Unvergesslich, und doch nur eines von vielen Highlights in dieser Nacht des Triumphes. Am Freitag findet die offizielle Meisterfeier der Eisbären statt. Bis dahin wird aber kaum jemand warten, der den Eisbären verbunden ist. Nur gut, dass es in Berlin keine Sperrstunde gibt!


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