Max Renner und Tommy Brandl: „Haben den Rhythmus verloren“Nach der Straubinger Niederlage

Thomas Brandl von den Straubing Tigers. (Foto: dpa)Thomas Brandl von den Straubing Tigers. (Foto: dpa)
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Tommy Brandl wurde in Straubing zum Spieler des Monats gewählt und war auch am Sonntag wieder der Vorlagengeber zu den beiden Toren, doch das würde er lieber herschenken: „Den Titel würde ich gerne eintauschen gegen einen Sieg.“

Doch da das nicht geht, ist die einfachste und sicher auch die schwierigste Frage nach der Niederlage, die nach dem Warum. Max Renner meint dazu: „Eine gute Frage. Im ersten Drittel waren wir klar die bessere Mannschaft und dann gehst du nur mit einem 1:0 raus. Eigentlich kann es 2, 3 oder 4:0 stehen und dann ist das Spiel vielleicht schon durch. Aber so war es ein 1:0. Für die geht es ja auch noch um alles. War wahrscheinlich das wichtigste Spiel, dass sie überhaupt noch eine Chance haben. Das hat man dann ab dem zweiten Drittel gemerkt. Wir haben auch nicht mehr so konsequent gespielt, wie die ersten zwanzig Minuten. Dann verlierst du das Spiel.“ Tommy Brandl sagt zur selben Frage: „Ich glaube, weil wir heute nicht unser Spiel gespielt haben, was wir gegen Köln eigentlich ganz gut gemacht haben. Wir haben viel zu umständlich gespielt, zu kompliziert, haben den Gegner am Anfang schon ernst genommen, aber nach der 2:0-Führung haben wir es ein bisschen auf die leichte Schulter genommen. Das war dann der Knackpunkt.“

Keine Frage – nach dem ersten Drittel wäre eine höhere Führung für die Tigers verdient gewesen. Man war deutlich überlegen, über einen Gegner der nicht wirklich in der Halle war, gibt dann aber das Spiel her – nicht zum ersten Mal diese Saison. Es war also ein Rückfall in alte Zeiten. „Ja, kann man vielleicht so sagen“, sagt Renner und weiter: „Wir hätten einfach auf das erste Drittel aufbauen müssen und hätten einfach so weiterspielen müssen. Das war definitiv ein Rückschritt, vor allem wenn du am Freitag gegen Köln gewonnen hast. Daraus musst du Kapital schlagen. Das wollten wir auch alle, aber es hat halt heute nicht sein sollen.“ Hat man das Spiel vielleicht im ersten Drittel aufgrund der ausgelassenen Chancen verloren? Brandl glaubt nicht: „Ich weiß nicht, ob wir es da verloren haben. Wenn wir so weitergespielt hätten, wäre das gar kein Problem gewesen. Auch mit einer 1:0-Führung kann man ein Spiel gewinnen. Aber wir haben dann einfach unser Spiel verändert, das war, glaube ich, das Problem. Wir haben nachgelassen und haben einen Gang zurückgeschaltet. Das haben wir nicht vorgehabt, aber so haben wir Iserlohn wieder Leben gegeben. Die haben von unseren Fehlern profitiert und haben die Chancen eiskalt ausgenutzt.“

Straubing hatte die dicke Chance auf das 3:0, was aber verpasst wurde. Praktisch im Gegenzug fiel der Anschlusstreffer. Nun konnte man den Knacks der durch die Mannschaft ging im ganzen Stadion hören. Von einem dauerhaften Bruch will Max Renner aber nichts wissen: „Vielleicht war Whitmore kurz angeknackst, dass er ihn nicht reingemacht hat. Aber wenn das ein Dämpfer sein soll, dann sollten wir vielleicht alle nicht Eishockey spielen. Aber das schlimme ist, du hast Recht. Das war auffällig. Ich kann es wirklich nicht erklären. Es ist nicht so, als hätten wir nicht gewollt, im Gegenteil. Aber es hat einfach heute nicht sein sollen.“ Tommy Brandl erinnert sich so an die Sekunden und Minuten: „Es war nicht ganz so einfach, weil man gemerkt hat, dass wir vorne das 3:0 hätten machen können und dann bekommen wir das 2:1. Aber letztendlich waren wir immer noch ein Tor vorne und da wir gesehen haben, wie wir Iserlohn vorher dominiert haben, haben wir nicht wirklich Angst gehabt. Aber irgendwie haben wir den Rhythmus verloren und haben aufgehört zu spielen. Wir haben einen Fehler nach dem anderen gemacht und haben denen das Leben wieder leichter gemacht.“

Brandl spricht die Fehler an. Beim Iserlohner Siegtreffer reihen sich gleich mehrere aneinander. Der auffälligste war, dass vier Mann mehr oder weniger zusehen, wie Jason Jaspers von hinter dem Tor Louie Caporusso sucht und findet. Schwer zu verteidigen, aber nicht unmöglich. Tommy Brandl sieht es so: „Ich glaube, es war eine Aneinanderreihung von Fehlern. Ich finde, man muss versuchen den Scheibenführenden hinter dem Tor auf die Rückhandseite zu drängen. Das man ihn zwingt auf die Rückhandseite rauszulassen, dann ist es für schwieriger einen guten Pass zu spielen. Und dann haben wir alle die Augen auf die Scheibe gehabt und die Männer im Rücken vergessen. Dann ist er so frei dagestanden und hat eine gute Einschlussmöglichkeit bekommen.“

Dieses Jahr ist das Überzahlspiel die Paradedisziplin der Niederbayern. Es sah auch am Sonntag oft gut aus, aber immer kann das natürlich nicht klappen. Trotzdem muss man nachfragen, denn Iserlohn machte es nicht anders als Köln und da klappe praktisch alles. Überzahlspieler Brandl meint dazu: „Ich glaube, da hat uns heute das Quäntchen Glück etwas gefehlt. Einen Pfostenschuss haben wir gehabt und auch etliche Schüsse von oben. Aber die waren heute nicht so zwingend wie am Freitag. Von der Spielweise haben wir es nicht so verkehrt gespielt, manchmal haben wir vielleicht Probleme gehabt ins Drittel zu kommen und den Aufbau zu spielen, wie wir ihn sonst spielen, aber im Drittel habe wir es gar nicht schlecht gemacht und haben uns schon Chancen und Schüsse herausgespielt. Die waren halt leider nicht so präzise wie die letzten Male. Das war vielleicht auch ein Knackpunkt, dass wir nicht zurückgekommen sind.“

Viele der Schüsse waren zu sehr auf die Mitte des Tores und machten es Chet Pickard nicht sehr schwer. „Ich glaube, dass keiner von den Spielern, der von oben schießt, plant, den Torhüter auf den Bauch zu schießen“, sagt Brandl und meint weiter: „Jeder versucht, ihn irgendwie ins Eck zu bringen, aber das ist dann meistens doch etwas schwerer. Aber ich glaube, dass wir oben zwei sehr starke Verteidiger haben. Maury und Dylan haben viele Tore von oben geschossen und haben bewiesen, dass sie sehr platziert schießen können. Heute hat Dylan vielleicht einen Zentimeter zu weit links geschossen. Aber generell hat das zum Spiel gepasst, das haben wir heute hergeschenkt.“

Besonders bitter ist die Niederlage auch, weil alle anderen für die Tigers gespielt haben und man so einen Riesenschritt in die erste Play-off-Runde verpasst hat. Max Renner wurmt da sichtlich: „Dieses Jahr liegt es uns scheinbar besser gegen die Topteams zu spielen. Das ist halt auffällig. Gegen die Teams, die wir eigentlich schlagen sollten, die um uns rum sind, wo wir die Punkte wirklich brauchen, zeigen wir es nicht so richtig wie gegen die Topteams.“ Auch Brandl will das Spiel sicher schnell vergessen: „Es ist schon sehr, sehr ärgerlich. Wir haben gewusst, dass wir mit einem Sieg noch weiter nach vorne marschieren können, wir wussten auch die Ergebnisse von den anderen Teams, aber wir haben es heute leider nicht geschafft. Das passiert manchmal. Ich glaube, dass wir immer noch alles in der eigenen Hand haben, und das ist das Positive. Wir müssen uns nicht auf andere Teams verlassen und haben die direkten Konkurrenten zum Teil sogar noch zu Hause. Auch mit Bremerhaven haben wir noch eine Rechnung offen. Ich glaube, dass wir schon noch eine sehr gute Chance haben, uns sogar noch auf Platz acht zu katapultieren.“

Am kommenden Freitag haben die Tigers spielfrei, ehe es am Sonntag im Stadion am Pulverturm gegen die DEG geht.

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