Mach et joot, Pee-Wee!

Trikotversteigerung bei den PinguinenTrikotversteigerung bei den Pinguinen
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In einer 15-zeiligen Meldung veröffentlichten die Krefeld Pinguine gestern Abend, dass der gültige

Vertrag des Spielers Thomas Brandl mit Wirkung vom 10. November 2003 aufgelöst sei.

Nachrichten wie diese muss man erst einmal verdauen, obgleich sich in den letzten Tagen und

Wochen die Anzeichen mehrten, dass mit dem Ende der Karriere des Mannes mit der

Rückennummer “7” bald zu rechnen sei. Schon allein aufgrund der in den letzten zwei Spielzeiten

aufgetretenen zahlreichen Verletzungen des 34-jährigen Oberbayern, der als einziger Spieler in den

Reihen aller drei rheinischer DEL-Vereine stand, schien es absehbar, dass Brandl irgendwann einmal

“die Nase voll” hätte.

In 709 DEL- und Bundesliga I-Spielen erzielte er 201 Tore, gab 408 Vorlagen und saß 1049

Minuten auf der Strafbank, stand dreimal (1988 und 1994 mit Köln, in diesem Jahr mit Krefeld) im

Team des jeweiligen Deutschen Meisters. Er nahm an fünf Weltmeisterschaften, drei Olympischen

Spielen sowie dem World-Cup 1996 teil. 116-mal trug Thomas Brandl das Trikot mit dem Adler und

sorgte dort für 16 Tore.

Bekannt wurde Thomas Brandl, der im Alter von 18 Jahren nach Köln kam, dort neun Jahre spielte,

dann nach Düsseldorf für zwei Jahre wechselte und im Sommer 1998 zu den Krefeld Pinguinen stieß,

durch seine kompromisslose Spielweise. Der bissige Mittelstürmer stand stets unter Volldampf und

war immer ein Muster von unbedingtem Einsatz- und Siegeswillen.

Thomas Brandl war in der Mannschaftssportart Eishockey trotzdem auch ein Einzeltyp, einer, der

das machte, was er für richtig hielt und nicht, was andere ihm vorerzählten. So antwortete er einmal

auf die Frage bei einer Fete der Kölner Haie zur Saisonvorbereitung auf die Frage, wie er die

Chancen für seinen Klub einschätze: “Ich hoffe, dass wir unter die letzten Vier kommen.” Zuvor

hatten ausnahmslos alle ihren festen Glauben an die Meisterschaft, natürlich unter dem Jubel der

Fans, bekundet. Mit der Nationalmannschaft machte er schnell Schluss. Schon 1995, im Alter von 26

Jahren, absolvierte er seine letzte Weltmeisterschaft. Mit Bundestrainer Hans Zach fand er

offensichtlich schnell klärende Worte über eine weitere Nichtberücksichtigung bei WM-Turnieren.

Ein Mannschaftstyp wie Didi Hegen oder Peppi Heiß, die notfalls auch mit dem Kopf unter dem Arm

kamen, wenn der “Ruf der Nation” erging, war der giftige Center sicherlich nicht. Für andere

Verantwortung zu übernehmen, war nicht immer das Ding des Routiniers. Als Vorsitzender der

Spielergewerkschaft resignierte er schnell (“Viele weigerten sich sogar, den Jahresbeitrag zu

entrichten.”), zum Amt eines Mannschaftskapitäns konnte er selten überredet werden.

Vielleicht oder gerade deswegen war Thomas Brandl unvergleichlich. Dass er meist keine Lust hatte,

direkt nach Spielende im Kabinengang mit Journalisten zu reden, war fast sein Markenzeichen. Dass

er trotzdem viel Humor auch auf dem Eis entwickelte, verdeutlicht eine kleine Episode in Krefeld.

Dort hatte Peter “August” Slapke (ebenfalls eine Type) nach Beendigung einer Drittelpause seine

Pfeife vergessen. Brandl stand am Mittelkreis und wartete auf den Einwurf. Brandl fragte ihn: “Hast

du dein Pfeiferl vergessen?” Slapke bejahte verlegen die Frage und machte sich Richtung Kabine auf

die Socken bzw. Schlittschuhe. Brandl musste lauthals lachen. Bei den Kölner Haie nahm er während

eines Penaltyschusses Wetten an, ob sein Mannschaftskamerad die Scheibe wohl im Tor unterbringe

oder nicht.

Wie es auch sei und wie auch immer der Oberbayer vom Umfeld, Öffentlichkeit, den eigenen

Kameraden und Gegnern eingestuft wurde, die DEL verliert mit dem gebürtigen Bad Tölzer einen

Spieler, dessen Rückenansicht jedermann (und auch jedefrau) kannte. Seine Nummer “7”, egal, ob im

rot-weißen Trikot der Haie, rot-gelben Jersey des “Alt”-Meisters oder schwarz-gelben Dress des

jetzigen Champions, war für Fans des gegnerischen Lagers stets ein rotes Tuch und für die eigenen

Leute ein Ansporn. Dass es für manchen Gegenspieler ebenfalls “Reizwäsche” darstellte, soll nach

dem uralten Spruch “in dubio pro reo (im Zweifelsfall für den Angeklagten)” an dieser Stelle, auch

aus sportlichen Gründen, nicht vermutet werden.

Der Schreiber dieser Zeilen, der Brandl vom Endturnier der Deutschen Jugendmeisterschaft 1986 im

heimatlichen Bad Tölz (damals in einer Reihe mit den Gebrüdern Lenz und Florian Funk beim

Meister EC Bad Tölz vor Landshut, Krefeld und Düsseldorf) bis heute journalistisch begleitete,

wünscht von dieser Stelle aus dem Ex-Akteur: Alles Gute, Pee-Wee, und auf ein baldiges

Wiedersehen in irgendeinem Stadion, auch wenn Du es (noch) nicht glaubst!


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