Lions-Boss Schneider hat weiterhin große Hoffnung, aber es fehlen Millionen

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Die Frankfurt Lions kämpfen weiterhin mit Hochdruck an Lösungen, den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens noch rechtzeitig zurückzuziehen. „Wir haben noch gut eine Woche Zeit, ca. bis zum 20.06., dann muss eine Entscheidung fallen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der SSD AG, Siggi Schneider am Mittwoch. Schneider legte dabei erstmals offen die Zahlen auf den Tisch, um eine gewisse Transparenz zu schaffen, „und“, so Schneider, „weil ich das Gefühl habe, dass einiges falsch dargestellt wurde in der Vergangenheit“. „Meine Partner und ich sind damals zum Eishockey gekommen, weil wir der Stadt Frankfurt und den Menschen, die sich für die Lions begeistern, helfen wollten. Diese Hilfe hat uns bisher 5,25 Millionen Euro an privatem Geld gekostet. In den 5,25 Millionen waren 4,4 Millionen an Altlasten, weil in der Vergangenheit nicht immer seriös gearbeitet wurde. Bis auf die Altlasten, die der Stadt zustehen, ca. 500.000 EUR Hallenmiete für den Zeitraum 2002 bis 2008, ist alles bezahlt. Meine Partner und ich sind jetzt an dem Punkt, an dem wir nicht bereit sind, weiter privates Geld einzubringen, wenn wie so allein gelassen werden, wie zur Zeit“, so Schneider.

Dabei ist Schneider inzwischen klar, dass er mit dem Produkt Eishockey derzeit kein Geld verdienen kann. „Das musste ich eingestehen, was schwer fällt. Daher wollen wir auf null kommen, was kurzfristig auch ein Erfolg wäre“. Schneider gab zu, dass er vielleicht zu spät mit dem Hilfeschrei an die Öffentlichkeit gegangen ist, wies aber deutlich darauf hin, dass er der Stadt Frankfurt seit November 2009 in deutlichen Gesprächen signalisiert hat, dass es so nicht weitergehen kann. „Wir haben verschiedene Lösungsvorschläge präsentiert und für alles eine Deadline 31.05.2010 gesetzt. Zum heutigen Tag muss ich leider sagen, dass reden und handeln bei der Stadt Frankfurt zwei unterschiedliche Dinge sind“, kritisiert Schneider.

In einem der Vorschläge hatten die Löwen das Namensrecht für die Eissporthalle gefordert. „Wir hatten sogar zwei Interessenten“, verriet Schneider, fügte aber hinzu, „bis heute habe ich keine Antwort zu dem Vorschlag erhalten“. Ein weiterer großer Diskussionspunkt ist der Ausbau der Eissporthalle. Die Stadt hat inzwischen ein Gutachten in Auftrag gegeben, das prüft, inwieweit die Halle ausgebaut und modernisiert werden kann. „Das stimmt, nur wird das Gutachten erst im Oktober vorliegen, bis dahin gibt es vielleicht gar kein Eishockey mehr in Frankfurt“, betonte Schneider abermals, wie ernst die Situation ist.

Am Dienstag fanden auch zu diesem Thema erneute Gespräche mit Herrn Markus Frank, Dezernent für Wirtschaft, Personal und Sport der Stadt Frankfurt, statt. In dem Gespräch konnte weiterhin keine Einigkeit darüber gezielt werden, was mit den Altlasten geschieht und ob die Kosten (Hallenmiete) in Zukunft reduziert werden. Am Gespräch nahm auch der vorläufige Insolvenzverwalter Fabio Algari teil. Dieser äußerte sich erstaunt über die Untätigkeit der Stadt Frankfurt wegen den ungeklärten Punkten.

Welche Perspektiven haben die Lions nun? „Wir arbeiten an drei Säulen. Die 1. Säule besteht aus dem Programm Family und Friends. Wir haben Menschen aus Frankfurt angesprochen, die für 10.000 EUR ein Vip-Paket kaufen sollen, uns aber 50.000 EUR oder 100.000 EUR geben. Die Differenz erhalten wir als kostenloses Darlehen, welches wir in den nächsten drei Jahren zurückzahlen möchten. Die zweite Säule betrifft die Hilfe der Stadt Frankfurt mit den bekannten Themen und die dritte Säule sind wir. Es muss uns gelingen, soviel Gelder aufzubringen, dass die Stadt Frankfurt keine andere Wahl hat, als uns zu unterstützen“, äußerte sich Schneider weiterhin voller Hoffnung, dass dies auch gelingt.

Fakt ist: Kurz- und mittelfristig müssen die Lions 3,4 Millionen aufbringen, um den Verlauf der Saison 2010/2011 sicherzustellen. „Wenn dies gelingt, bin ich weiter dabei und zwar an der Spitze“, bestätigte Schneider, dass er im Falle, dass die Hessen die Lizenz erhalten, auch weiterhin Lions Boss bleiben wird. Zudem deutete Schneider an, dass es auch möglich sei, dass ein weiterer Gesellschafter mit in sein Team einsteigt. Die Gespräche hierüber würden laufen.

Sollten die Lions nicht die Lizenz erhalten machte Schneider aber auch kein Hehl daraus, dass er dann nicht mehr zur Verfügung steht und sagte ehrlich, dass er mit dem heutigen Wissen damals wohl auch nicht angetreten wäre. Mit der Aktion „Bist Du ein Löwe“ wurden heute zudem auch alle Fans der Frankfurt Lions aufgerufen, ihren Verein zu unterstützen. Bis zum 15.07. gelten Vorzugspreise auf Dauerkarten. Diese können ab sofort bestellt werden, ohne dass sie aber gleich bezahlt werden müssen. „Nur wenn wir in der DEL spielen wird die Bestellung wirksam und nur dann muss bezahlt werden“, bestätigte Pressesprecher Scholze. Am Ende dieser Aktion wollten die Lions 2.500 Dauerkarten-Bestellungen vorliegen haben. (Frank Gantert)