Leserfrage: Wieso zählt das Tor nicht?Eishockey-Regelkunde

Schiedsrichter Lars Brüggemann - Foto: Heribert BöcklSchiedsrichter Lars Brüggemann - Foto: Heribert Böckl
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Es war der 2.November 2012 in der Kölner Lanxess-Arena, als die Kölner Haie und die Straubing Tigers gegeneinander antraten. Tyler Beechey machte mit einem Unterzahltor beim 2:1-Sieg der Niederbayern den entscheidenden Treffer. Als Schiedsrichter der Partie waren Lars Brüggemann und Bastian Haupt eingeteilt und wurden an den Linien von Markus Mosler und Matthias Starke unterstützt. Soweit ist alles in Ordnung. Doch dann kam die 13. Minute des ersten Drittes. Kölns Björn Krupp verlor die Scheibe gegen Straubings Carsen Germyn. Dieser hatte nun in einer penaltyähnlichen Situation nur noch Goalie Youri Ziffzer vor sich. Germyn fackelte nicht lange und haute das Spielgerät in die Maschen. Schiedsrichter Brüggemann zeigte sofort mit dem rechten Arm auf den Puck im Netz und signalisierte somit einen Treffer. Soweit kann man die Szene auch in der Videozusammenfassung von Laola1.tv sehen. Nicht zu sehen ist das, was kurz zuvor passiert ist.

Leser Haslbeck schreibt „Abseits des Spielgeschehens verletzt ein Straubinger Spieler einen Kölner Spieler mit hohem Stock im Gesicht.“ Der Straubinger war Blaine Down, der Kölner Daniel Tjernqvist. Weiter schreibt er „Das Foul, ob nun beabsichtigt oder nicht, wurde von keinem der beiden Hauptschiedsrichter geahndet.“ Nach dem vermeintlichen Tor kommt „nun der Linienrichter zum Schiedsrichter und klärt ihn über das zuvor begangene Foul des Straubinger Spielers auf. Der Schiedsrichter fährt an die Kölner Bank und sieht sich die Verletzung des Spielers an.“

Nach dem er Tjernqvist gesehen hat, kommt er zur Entscheidung das Tor zurück zu nehmen und stattdessen eine 5 Minuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe wegen hohen Stock mit Verletzungsfolge gegen Blaine Down auszusprechen. Dominic Haslbeck ist mit der Strafe einverstanden, aber „hätte das Tor nicht zählen müssen?“

Antwort:

Die Linienrichter haben die Pflicht, die Schiedsrichter darüber in Kenntnis zu setzen, dass ein Foul „im Rücken des Schiedsrichters“ beziehungsweise ein vom Schiedsrichter nicht wahrgenommenes Foul erfolgte, welches nach der jeweils einschlägigen Regel mit einer "Großen Strafe" nebst automatischer Spieldauer-Disziplinarstrafe (5 Minuten plus Spieldauerstrafe) oder gar mit einer Matchstrafe zu ahnden ist. Um allein dieser Pflicht nachkommen zu können, dürfen sie allerdings das Spiel nicht unterbrechen, es sei denn, sie haben sichere Anhaltspunkte darüber, dass der gegnerische Spieler offensichtlich ernsthaft verletzt ist. Im hier in Rede stehenden Fall wird das laufende Spiel durch ein Tor unterbrochen, welches das sich verfehlende Team erzielte. In diesem Spielunterbruch klären die Linienrichter - mitunter hat es nur einer der beiden Linienrichter erkennen können - die Schiedsrichter auf. Sie schildern, was sie wahrgenommen haben. Nach ihren detaillierten Schilderungen entscheiden die Schiedsrichter, ob die 5 Minuten plus automatische Spieldauerstrafe oder die Matchstrafe zu verhängen ist.

Nach der Entscheidung der Schiedsrichter darüber, will es die Regel, dass dann auch das Tor des sich verfehlenden Teams zu annullieren ist. Das folgende Anspiel findet in der Endzone des sich verfehlenden Teams statt. Der Zeitraum, der zwischen dem Zeitpunkt des Fouls und dem Zeitpunkt des zu annullierenden Tores verging, führt nicht etwa dazu, dass die Spielzeit entsprechend anzupassen ist. Die Spielzeit bleibt so bestehen, wie sie nach dem Unterbruch wegen des zu annullierenden Tores auf der Spielzeituhr zu sehen ist.    

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