Lars Brüggemann wird Leiter SchiedsrichterwesenVom Eis ins Büro

Lars Brüggemann hört als aktiver Schiedsrichter auf - und ist nun Leiter des Schiedsrichterwesens bei der DEL. (Foto: dpa/picture alliance/City-Press)Lars Brüggemann hört als aktiver Schiedsrichter auf - und ist nun Leiter des Schiedsrichterwesens bei der DEL. (Foto: dpa/picture alliance/City-Press)
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Bislang kümmerten sich Holger Gerstberger und Stefan Trainer als Schiedsrichterbeauftragte in Nebentätigkeit um dieses Aufgabenfeld. Lars Brüggemann berichtet: „Im Januar hatten Stefan Trainer und Holger Gerstberger ihren Rücktritt erklärt. Es wurde jemand gesucht, der deren Aufgaben hauptamtlich übernimmt. Dann kam DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke auf mich zu und fragte, ob ich mich nicht damit anfreunden könnte. Nach ein paar Diskussionen und Treffen habe ich dann entschieden: Ja, das ist der nächste Schritt in meiner Karriere.“

Die Vision: Eishockey besser machen!

An den neuen Job geht Brüggemann hochmotiviert und mit einer klaren Vision: „Mein Ziel ist es, den Eishockeysport in Deutschland besser zu machen. Dafür möchte ich im Bereich Schiedsrichterwesen dazu beitragen, dass die Spiele für die Spieler fair und sicher ablaufen.“ Dennoch: Leicht gemacht hat sich Brüggemann die Entscheidung nicht. „Das war kein Schnellschuss, im Gegenteil: Nach langer Überlegung und sorgfältigem Abwägen ist mir klar geworden, dass mir dieser Job die besten Perspektiven bietet. Abgesehen davon bin ich schon immer der Überzeugung gewesen: Hockey is a young man‘s game! Mit 41 Jahren bin ich zwar als Schiedsrichter noch nicht zu alt, allerdings ist die Herausforderung, mit jungen talentierten Schiedsrichtern zu arbeiten, ihnen meine Erfahrung weitergeben zu können und sie besser zu machen, viel wichtiger, als noch ein paar Jahre länger selber auf dem Eis zu stehen“, sagt er.

Die Herausforderung

Mit dem Sauerländer ist damit erstmals ein hauptamtlicher Mitarbeiter im DEL-Büro für diesen Bereich in der Verantwortung. Doch was genau hat er zu tun? Brüggemann: „Der Aufgabenbereich ist sehr komplex und hat viele Schnittstellen zum Bereich Spielbetrieb mit Jörg von Ameln und dem Disziplinarausschuss mit Tino Boos. Inhaltlich geht es u.a. darum, die Aus- und Weiterbildung der DEL-Schiedsrichter in enger Kooperation mit dem Deutschen Eishockey-Bund zu optimieren. Hinzu kommen die Weiterentwicklung sowie Anpassungen bzw. Änderungen und Auslegungen von Regeln sowie das Coaching von Schiedsrichtern. Auch hier bedarf es einer engen Abstimmung zwischen der DEL und dem DEB. Schließlich sind ein Großteil der Schiedsrichter formal beim DEB angestellt, erhalten aber eine Lizenz, um in der DEL pfeifen zu dürfen.“

Für die Leistung anderer verantwortlich

In der Pressemitteilung vom Februar spricht Lars Brüggemann von einer tollen Herausforderung. Was er genau darunter versteht, umschreibt er so: „Ich habe Eishockey gespielt und war dann Profi-Schiedsrichter. Da war ich immer für meine eigene Leistung verantwortlich. In dem neuen Job bin ich nun zum Teil auch für die Leistung der anderen verantwortlich. Das ergibt sich schon durch die Schiedsrichtereinteilung für die DEL, die CHL sowie die Einteilung von Spiel-Beobachtern und das Scouting von Schiedsrichtern, die eventuell für die DEL in Frage kommen.“

Neben Lars Brügemann verabschieden sich auch Willi Schimm und Thomas Gemeinhardt und hängen die Schlittschuhe an den Nagel. Das hinterlässt natürlich personelle Lücken, die es zu schließen gilt. Die Nachrücker scoutet er derzeit. Einen Namen konnten wir Lars Brüggemann nicht entlocken, nur so viel: „Das Thema hat für mich eine hohe Priorität.“

Niveau in der DEL ist schon hoch

Beim Einstieg hat Lars Brüggemann den Vorteil, dass er in der DEL eine gute Basis vorfindet. „Das Niveau dort ist sehr hoch. Da geht es allgemein um Nuancen, die aus einem guten Schiedsrichterteam ein sehr gutes Schiedsrichterteam machen. Ein wichtiges Thema ist die einheitliche Regelauslegung. Dabei spielt aber vor allem auch das richtige Fingerspitzengefühl eine Rolle. Was das aber ausmacht, steht wiederum in keinem Regelbuch. Meine Philosophie ist: Um ihre beste Leistung abrufen zu können, brauchen die Schiedsrichter eine einheitliche Marschroute – und für die bin ich zuständig.“

Kein Job, sondern Lifestyle

Im Moment befindet er sich bereits in einer Art Einarbeitungszeit und doch hört man heraus, dass der Job zwar stressig ist, aber sicher Spaß macht. „Ich bin eigentlich in allem, was ich anfange, sehr enthusiastisch. Ja, natürlich macht mir das Spaß. Ich habe meinen Job nie als Job gesehen, sondern als Lifestyle und das werde ich auch so weitermachen.“

Im Gespräch kann man aber auch durchaus Wehmut über den Abschied vom direkten Kontakt mit dem Eis registrieren. „Ja, das stimmt schon. Aber grundsätzlich habe ich das abgehakt. Als Spieler hat es mir auch gefehlt, dass ich keine Olympischen Spiele mehr spielen konnte, dann war ich als Schiedsrichter da. Das Leben geht weiter. Ein neues Ziel ist, den Schiedsrichtern bei Olympischen Spielen zu helfen, ein gutes Turnier zu leiten. Das ist auch eine Möglichkeit bei großen Turnieren dabei zu sein.“

Die Karriere

Lars Brüggemann spielte von 1992 bis 2007 als Verteidiger für den ECD Sauerland, die Hull Olympiques, die Adler Mannheim, die Nürnberg Ice Tigers, die Jacksonville Lizard Kings, die Krefeld Pinguine, die Moskitos Essen, die Iserlohn Roosters, die Hannover Scorpions und die Grizzly Adams Wolfsburg. Dabei spielte er einmal bei Olympischen Spielen und bei zwei Weltmeisterschaften. Seit 2008 war er als Schiedsrichter tätig, 2009 gab er sein Debüt als Hauptschiedsrichter in der DEL. 2011 wurde Lars Brüggemann Profischiedsrichter. Als Schiedsrichter nahm er einmal an Olympischen Spielen sowie dreimal an einer Weltmeisterschaft teil.

Wir wünschen Lars Brüggemann viel Glück, Erfolg und Freude am neuen Posten.