Larry Mitchell: So lange wie möglich um Platz zehn spielenTigers-Trainer spricht über Kaderplanung in Straubing

Larry Mitchell, Trainer der Straubing Tigers. (Foto: Imago)Larry Mitchell, Trainer der Straubing Tigers. (Foto: Imago)
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Die erste Frage gilt natürlich nach den Sommeraktivitäten. „Mein Sommer war abwechslungsreich“, sagt der Coach und berichtet: „Ziemlich schnell nach der Saison war ich mit Jason Duham drei Wochen drüben und habe in 17 Tagen 15 Spiele gesehen. Danach ging es heiß her mit Namen und Scouting-Berichten.“ Im Mai war er zwei Wochen zu Hause und Ende Juni ging es zum dritten Mal rüber. Diesmal gemeinsam mit Co-Trainer Rob Leask zu einer Trainervorstellung und zum Draft nach Buffalo. Auch um Kontakte zu pflegen und mit Agenten über potenzielle Spieler zu sprechen. „Danach ging es wirklich in den Urlaub. Ich war mit meiner Lebensgefährtin drei Wochen drüben. Seit dem 18. Juli bin ich wieder hier. Es war eine gute Mischung aus Arbeit und Urlaub. Das braucht man auch, um Kräfte zu tanken.“ Das scheint gut gelungen, denn Mitchell wirkt komplett entspannt.

Bei der Teamzusammenstellung wurden elf neue Spieler geholt und so früh wie vor der anstehenden Saison meldeten die Tigers noch nie „komplett“. Dabei spielten mehrere Faktoren eine Rolle. „Wir konnten Leitungsträger der letzten Saison halten. Die wirken vielleicht für manche nicht wie Leistungsträger, aber Schönberger, Röthke, Brandl sind für mich ganz wichtige Spieler. Bis auf Dotzler konnten wir die Spieler halten, die wir halten wollten. Bis auf die letzten beiden Spieler mit Timmins und Whitemore ist alles sehr schnell gegangen. Dazwischen war auch immer die Frage, was ist mit O‘Connor? Am 8.August waren wir noch nicht schlauer, aber er wollte uns nicht länger hinhalten und fühlte sich nicht in der Lage zu spielen. Hut ab vor der Entscheidung. Wir hätten ihn gerne gehalten. ‚OC‘ wollte auch bleiben, aber er fühlte sich nicht in der Lage zu spielen. Aber so ist er, er ist ein Teamspieler und versteht das.“ Man hatte Sean „OC“ O‘Connor zweimal eine Frist verlängert, aber es ist nicht klar, wie lange sich seine Verletzung hinzieht. Auch ein Karriereende steht im Raum. „Dann haben wir geschaut, welche deutschen Spieler in Frage kommen, und haben uns für Tim Miller entschieden.“

Unter den Abgängen sind weiter Publikumslieblinge wie Dustin Strahlmeier, Sebastian Osterloh oder Blaine Down. Damit haben die neuen Verpflichtungen nicht nur eine sportliche Bürde zu tragen. „Das ist ganz normal“, sagt Mitchell. „So ist der Sport. Es ist eine schöne Sache, dass jeder seinen Lieblingsspieler hat, aber ich denke, wenn man in sich geht, dürfen wir nicht 4200 Zuschauer fragen, wen sie hier haben wollen. Natürlich gibt es Fans, die traurig und vielleicht auch sauer sind, dass ihr Lieblingsspieler nicht verlängert wurde, aber wir werden dafür bezahlt und müssen dafür auf die Köpfe hinhalten, für Erfolge und Misserfolge. Wir müssen auch nach finanziellen Möglichkeiten entscheiden und mit dem Geld das Bestmögliche zusammenstellen. Als Beispiel wurde im Fall Stahlmeier von dessen Agenten einen Summe aufgerufen, die deutlich über seinem letzten Vertrag lag“, berichtet Larry Mitchell. „Wir sind ihm da nicht böse. Ich wünsche Strahli alles Gute in Schwenningen. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis.“

Ein Neuer, der beim Straubinger Anhang auf für den einen oder anderen Kopfschüttler gesorgt hat, ist Nikolaus „Niki“ Hartl. Ein Interview mit ihm wird in den nächsten Tagen hier auf Hockeyweb zu lesen sein. Doch auch diesen Zugang kann der Coach natürlich erklären. „Ende letzter Saison war er auf dem Spielermarkt und wir haben uns über ihn informiert. Dan Ratushny hatte ihn bei der österreichischen Nationalmannschaft. Jason Dunham und Dan Ratushny tauschen sich regelmäßig aus. Ich kenne Jim Boni (letzte Jahr Coach in Wien) aus seinen DEL-Zeiten. Wir haben immer dasselbe gehört, dass er ein Spieler ist, der sehr schnell ist und sein Herz am richtigen Fleck hat.“

Insgesamt hat Straubing einen Spieler mehr im Sturm und einen weniger in der Verteidigung. Auch hier liegen die Gründe im finanziellen Bereich. „Es ist klar, dass ein Austin Madaisky nicht für die Hälfte seines letzten Gehalts spielt.“ Auch ein Maury Edwards hat nach Aussage des Coaches einen finanziellen Aufschlag erhalten. „Das sind so Entscheidungen, die der Fan vielleicht nicht auf Anhieb betrachtet. Spieler wie Yeo und Edwards können und wollen viel Eiszeit. Im Paket haben wir diese ganzen Punkte betrachtet und uns dann so entschieden.“ Aber man ist sich des Risikos, mit sieben Verteidigern in die Saison zu gehen, durchaus bewusst. „Klar! Aber wenn man nicht Red Bull oder Daniel Hopp hinter sich hat, muss man immer gewisse Risiken eingehen. Letztes Jahr war es ein Risiko, Maury Edwards aus der DEL2 einen Vertrag zu geben. 13 andere Teams wollen das Risiko nicht eingehen. Risiko gibt es bei den kleinen Vereinen immer.“

Aber es gibt ja noch den Kooperationspartner. Hier kommt bisher nur ein Verteidiger in Frage – Eric Stephan. „Wenn es wirklich brennt, können wir uns auf Cherno verlassen.“ Doch auch Rich Chernomaz muss mit seinen Frankfurter Löwen ein Team auf dem Eis haben. Co-Trainer Rob Leask hat Eric Stephan in Kassel schon gecoacht und hat eine hohe Meinung vom 22-Jährigen. „Er wird auch die zweite Woche der Vorbereitung bei uns trainieren.“ Und wenn alle Stricke reißen, haben die Tigers immer noch Adam Mitchell und René Röthke. „Mitchell hat schon in der zweiten Liga bei mir Verteidiger gespielt. Er hat bis zu seinen Uni-Zeiten Verteidiger gespielt“, bestätigt der Coach und auch Röthke musste bereits bei den Tigers etwa ein halbe Saison hinten aushelfen. Bei den Stürmern wurde über Lukas Laub und Dennis Reimer gesprochen. „Ich kenne beide“, sagt Mitchell. Ob einer von beiden kommt, ist aber noch nicht klar. Kommt Roman Pfennings in Frankfurt über seinen Tryout-Vertrag hinaus, ist auch er ein Kandidat für eine Förderlizenz.

Das neue Zauberwort in Straubing heiß „Flexibilität“. Nicht nur weil man zwei Stürmer hat, die in der Verteidigung aushelfen können. Jason Dunham betonte in den letzten Mittelungen, dass man nun fünf Stürmer hat, „die Center sowie Außenstürmer spielen können.“ Offenbar wurde bei der Spielerauswahl darauf ein besonderes Augenmerk gelegt. „Definitiv“, unterstreicht Mitchell. „Das war immer ein Thema zwischen Jason und mir. Spieler, die verschiedene Positionen spielen können, sind immer ein gewisser Vorteil. Gerade in der Anfangsphase und mit elf neuen Spielern werden wir einiges ausprobieren. Timmins oder Conolly können Außen und Center. Miller kann links und rechts. Aber es stimmt, darauf haben wir dieses Jahr Wert gelegt.“ Heißt also, dass jede Aufstellung anders sein kann. „Wir werden sicher die ersten fünf Vorbereitungsspiele einiges probieren. Letztes Jahr haben wir nicht wirklich den passenden Rechtsaußen für Steven Zalewski und Mike Hedden gefunden. Connor James hat ganz gut gepasst, René Röthke hat eine Chance bekommen. Wir haben drei, vier Kandidaten, wer am besten passt. Wir wollen Loibl als Center in einer der hinteren Reihen probieren, wollen ihn aber auch auf Außen einsetzen. Wir wollen Conolly und Timmins zusammen spielen lassen. Wir wollen die Vorbereitung nutzen und viel zu probieren.“

Wo geht die niederbayerische Reise diese Saison hin? „Ich denke, dass ich den Wind aus allen Segeln schon rausnehmen kann. Der zehnte Platz ist für jeden kleinen DEL-Club sehr schwer. Da müssen viele Dinge zusammenkommen. Man muss Glück haben bei Verletzungen, man muss eine geschlossene Einheit haben. Aber natürlich wollen wir nicht Elfter werden, das ist der bitterste Platz, den es gibt und alles von elf bis vierzehn hat keine Chance auf die Meisterschaft. Wir wollen so lange wie möglich um Platz zehn mitspielen.“

Zum Schluss die beliebte Frage nach dem Titelfavoriten. „Letztes Jahr war Hamburg mein Favorit. Zocker sollten also nicht unbedingt auf meinen Tipp hören – das ist wahrscheinlich mein bester Tipp“, meint er lachend. Dann sagt er aber: „Momentan denke ich an München, Köln und Mannheim.“


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