Kopf hoch: Die Eisbären Berlin sind gut aufgestellt!Auch wenn Star-Abgänge drohen. Vizemeister hat eine grandiose Saison gespielt

Kopf hoch. Die Eisbären haben eine grandiose Saison gespielt. (picture alliance / SvenSimon)Kopf hoch. Die Eisbären haben eine grandiose Saison gespielt. (picture alliance / SvenSimon)
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Sie haben gehofft. Gebangt. Gelitten. Gefleht. So wie Rene Jenke, Chef des Overtime-Fanradios. In der Mercedes-Benz-Arena fieberte er beim Public Viewing inmitten von rund 5000 Fans mit seinen Eisbären. Immer das Mikro in der Hand. Immer mit Herz. Immer emotional. „Wir haben schon seit dem fünften Finale in den Pausen immer nur Lieder gespielt, in denen das Wort Wunder vorkam“, bemühte er höhere Mächte. „Wunder gibt es immer wieder“, sang einst schon Katja Ebstein. Aber eben auch nicht immer. Die Realität ist anders. Nicht die Eisbären, sondern der EHC Red Bull München ist Meister. Zum dritten Mal in Folge. Und das völlig verdient. Dennoch kann man in der Hauptstadt mit dem Erreichten zufrieden sein. Das sehen auch die Anhänger so. Die sowohl in München als auch in Berlin trotzig ihre Mannschaft feierten. „Wir haben unsere Chancen nicht genutzt. München war einfach effizienter. Mund abwischen. Wir sind stolz auf unser Team“, sagt Jenke im Brustton der Überzeugung. Dies wird sich mit Sicherheit am Samstag bestätigen, wenn die Bären den großen Saisonabschluss feiern (16 Uhr/MBA). Die ein oder andere Träne wird fließen. Abschiedsstimmung nach einer Finalserie, die Werbung für das deutsche Eishockey war. Aber auch, weil einige Protagonisten den siebenmaligen DEL-Meister verlassen werden.


Da ist zuallererst Trainer Uwe Krupp. Sicher ein Vater des Erfolges. Kontinuierlich hat der ehemalige NHL-Profi seine Mannschaft verbessert. Die Krönung blieb im verwehrt. Zwei Mal war der 52-Jährige als Trainer zuvor in einer Finalserie mit den Kölnern Haien gescheitert. Nun mit Berlin, das er wohl verlassen wird. Sparta Prag buhlt offiziell um die Dienste des ehemaligen Stanley-Cup-Siegers (Hockeyweb berichtete). Es wäre überraschend, sollte er seine Zelte in der Hauptstadt nicht abbrechen. Die Entscheidung wird auf dem saisonalen Abschiedsparty verkündet. „Genau das wird passieren“, erklärte Geschäftsführer Peter John Lee. Am Rhein und an der Spree blieb ihm der Silberpokal verwehrt. Vielleicht schafft er es ja in der goldenen Stadt. Zu gönnen wäre es Krupp.


Einen riesengroßen Umbruch wird es bei den Bären nicht geben. Warum auch? Sie sind sehr gut aufgestellt. Wie auch Krupp befindet. Einige Änderungen wird es dennoch geben. Petri Vehanen, der finnische Klasse-Torwart, beendet seine Karriere (Hockeyweb berichtete). Mit 40 Jahren darf der Publikumsliebling auch in die verdiente Eishockey-Rente gehen. Als Ersatz soll der zuletzt in Tschechien bei BK Mladá Boleslav aktive US-Torhüter Brandon Maxwell (27) kommen, der zum Olympiakader der USA gehörte.  

Ein schwerer Verlust könnte auch der von Nick Petersen sein. Der Top-Scorer der Play-offs wird vom Klagenfurter AC umworben. Louis-Marc Aubry, die Nummer 2 unter den Scorern der Meisterrunde, liegen ebenfalls Angebote vor. Erfolg weckt eben Begehrlichkeiten. Hier besteht Handlungsbedarf für die EHC-Chefetage.


Sven Ziegler zieht es wohl zu den Straubing Tigers. Mark Olver und James Sheppard will man binden. Offen ist die Lage bei Daniel Fischbuch, Jens Baxmann und Rihards Bukarts. „Es gibt viel zu tun, packen wir’s an“, lautet das Motto in Hohenschönhausen. „Das ist eine gute Truppe“, sagt Krupp. Selbst wenn es ihn in die goldene Stadt zieht, vielleicht hat er in Berlin den Grundstein für eine (neue) goldene Ära gelegt. Fakt ist: Die Eisbären sind zurück in der DEL-Spitze und für die Champions League der kommenden Saison qualifiziert. Die Reise ist nicht zu Ende. Sie hat erst begonnen. So sehen es die Fans: „Wir sind Meister der Herzen“, sagt Fanradio-Macher Jenke. Spätestens, wenn die Profis am Samstag in den Ovationen ihres Anhangs baden, wird bei vielen das Lachen zurück in die Gesichter kehren. Nach einer grandiosen Saison, einer Finalserie, die alles bot. Das wird den meisten Spielern mit etwas Abstand auch klar werden. Also hin! Zur Vizemeister-Party! Die Mannschaft hat es sich verdient. 



 Hockeyweb gratuliert den Eisbären Berlin zu einer begeisternden Saison.