Kommentar zum Adler-Rausschmiss

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
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Als morgens der Pulk von Journalisten zur Pressekonferenz kam, ging fast jeder davon aus, einen neuen Trainer präsentiert zu bekommen. Spätestens, als man Bill Stewart und Rico Rossi am Tisch der Organisation sitzen sah, dämmerte einem allerdings, dass es andere getroffen haben dürfte. Die Adler haben es sich nicht leicht gemacht, das kann man Gesellschafter Daniel Hopp getrost glauben. Ein Stückweit ehrt es sie auch, dass sie nicht einfach den Trainern Fußtritte geben, wenn die sportliche Leistung in den Keller fällt. Die Frage ist jedoch, ob mit Ustorf und Racine nicht Bauernopfer gebracht worden sind. Weder die beiden Spieler noch die Presse erfuhren die Hintergründe für den Rauswurf, das kann eigentlich nicht sein. Der eine war Kapitän, der andere seit viereinhalb Jahren ein Adler mit großem Engagement auf dem Eis. Racine hatte gerade in der vergangenen Saison unglaublich viel Eiszeit, sicherlich, er mag sich sportliche Fehler geleistet haben, charakterlich stand er zumindest öffentlich nie zur Debatte. Und auch von Ustorf müssen Coaches und Management einiges gehalten haben, wie sonst wäre er an die Kapitänswürde gekommen? Keiner kann so genau beurteilen, was hinter den Kulissen vor sich gegangen ist, Gründe zu nennen, wäre gerade deshalb ein Gebot der Stunde gewesen, damit nicht der Eindruck von Willkürlichkeit entstehen kann. Die Zukunft wird zeigen, was die Entscheidung wert ist, die jetzt getroffen wurde. Bill Stewart ist nicht zu beneiden, er muss versuchen, Ruhe ins Team zu bekommen und vor allem zu motivieren. Wie weit das noch gelingt, ist die Frage der Saison. Nun gibt es ja wirklich Adler-Spieler, die sich einsetzen, die ackern und versuchen, andere mitzureißen. Aber es gibt eben auch andere, die eine lockerere Auffassung vom Berufsleben haben. Keiner verlangt von ihnen, ihren Chef zu lieben, eine gewisse Distanz oder sogar Abneigung können ganz normal sein im Berufsleben, was man aber verlangen kann ist Berufsethos. Die Adler bieten den Cracks viel, auch finanziell, da sollte es eigentlich normal sein, sich am Riemen zu reißen und das Beste zu geben. Jetzt können alle Seiten zeigen, ob sie tatsächlich Profis sind. Geht die Geschichte allerdings schief, dann gerät auch die Adler-Spitze in Erklärungsnöte. Eine schwere Zeit, die auf die Mannheimer Adler zukommt. (Angelika von Bülow)