Kölner Not besiegt Straubinger ElendStraubing - Köln 0:2

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Die kämpferische Einstellung und Leistung kann man den Teams jedoch nicht absprechen. Doch diese 60 Minuten bewiesen, dass beide zu Recht ganz unten stehen.  Zwar hatte die Partie im ersten Drittel kaum Unterbrechungen und die Spieluhr tickte munter vor sich hin, doch gute Chancen konnte man leicht an einer Hand abzählen. Insgesamt hatten die Gäste gefühlt doppelt solange Scheibenbesitz, mehr aber auch nicht.

Wer auf Besserung im zweiten Abschnitt hoffte, wurde bitter enttäuscht. Der meistgespielte Pass war der Fehlpass. Beide Teams suchten fast schon verzweifelt einen Rhythmus – ohne Erfolg. Das in diesem Spiele keine herauskombinierten Tore fallen, war schon längst klar. So war es dann auch beim Tor von Philip Gogulla, das eine Mischung aus Glück der Haie und Pech der Tigers war. Wenn Straubing Chancen hatte, dann meist durch Spieler wie Tobias Wörle oder Sören Sturm. Die sind ohnehin nicht als Goalgetter bekannt, daher war die Überraschung gering, dass die Scheibe nicht im Haie-Netz landete „Wer frei vor dem Tor ist, oder wer Torchancen hat, ist am Ende egal. Wir sind eine Mannschaft und wir müssen als Mannschaft torgefährlich sein, Torchancen rausspielen und dann verwerten“, sagt Straubings Verteidiger Florian Ondruschka.

Im Schlussdrittel mussten die Hausherren zulegen, um das Spiel auszugleichen, doch das gute Umschaltspiel der Tigers reichte nicht. Zudem ist das Überzahlspiel immer noch eine Großbaustelle in Niederbayern. Doch bei einem Bewegungsradius von etwa drei Metern pro Spieler wirkt die Sache oft recht statisch und macht es der Verteidigung viel zu leicht. Dazu sagt Ondruschka: „Unser Powerplay war heute nicht gut. Wir haben ein paar Chancen gehabt, haben aber leider keine Tore gemacht, haben auch relativ wenig herausgespielt. Das ist natürlich nicht gut.“ Als Straubings Coach Rob Wilson Goalie Jason Bacshihua zugunsten eines weiteren Feldspielers runterholen wollte, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, ehe der Schlussmann auf das Winken seines Trainers reagierte. Als er dann vom Eis war, machte Alex Weiß den Deckel drauf. „Zählt auch“, schmunzelt der Stürmer der Haie. „Läuft bei mir ja dieses Jahr auch nicht so, aber ja, muss ich machen.“

Kölns Coach Niklas Sundblad kann sich wenigstens mit den drei Punkten trösten und freut sich über das Zu-Null-Spiel von Danny aus den Birken. „Es waren drei sehr wichtige Punkte für uns. Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaftsleistung.“ Einen deutlich zerknirschteren Eindruck vermittelte Straubings Coach Rob Wilson: „Wir haben nur drei Gegentore dieses Wochenende kassiert, aber auch das reicht nicht zum Punkten. Wir haben wieder hart gearbeitet und gekämpft, es war ein enges Spiel in dem beide eine solide Leistung zeigten.“

Kölns Alex Weiß meinte: „Ich denke, wir haben heute ein sehr gutes Auswärtsspiel gezeigt, ich denke, das war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.“ Für ihn sind die Unterschiede klar: „Wir waren stärker in den Zweikämpfen und am Ende hatten wir einen starken Danny aus den Birken im Tor.“ Die Einschätzung der Spieler ist heute eine deutlich andere als auf den Rängen. Denn auch Straubings Verteidiger Ondruschka meinte nach dem Spiel: „Wir haben gut gespielt, aber eben wieder keine Punkte geholt. Es ist einfach frustrierend.“ Auf die Aussage, dass dieses Spiel aber eher eines der schlechtesten seit DEL-Zugehörigkeit war, treibt es Ondruschka die Falten auf die Stirn: „Wir haben defensiv gut gespielt und haben in den ersten zwei Dritteln wenig zugelassen, aber wir haben es einfach nicht geschafft, Tore zu schießen, das ist das, was wir uns vorwerfen müssen.“ Dann relativiert er seine erste Aussage: „Das gut gespielt habe ich auf den Einsatz bezogen. Dass nicht alles schön anzuschauen ist und dass wir mit Sicherheit nicht die talentiertesten sind, steht außer Frage. Ich kann der Mannschaft nur den Vorwurf machen, das wir zurzeit keine Tore machen.“

Im Straubinger Fanlager kippte heute aber wohl endgültig die Stimmung gegen Coach Rob Wilson. „Wilson raus“-Rufe gab es keine, doch in den sozialen Netzwerken und Foren geht es diesbezüglich deutlich zur Sache. Dort liest man von „Zumutung“, „peinlich“ und „Frechheit“. Auch die Reihenzusammenstellung in der heute Harrison Reed wieder als Center spielte und Nic Deschamps auf den Flügel zu sehen war, sorgt für Unverständnis. Bereits im Stadion waren Fanaussagen wie „Man muss alles probieren und nochmal ein Zeichen setzen“ zu hören. Darauf angesprochen meint Ondruschka: „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu Rob. Er stellt uns super ein, wir spielen taktisch sehr diszipliniert, wir halten die Linie. Ich kann sagen, dass die Mannschaft zu 100 Prozent zu Rob steht, da gibt es null Querelen. Die Stimmung in der Mannschaft ist natürlich aufgrund der Situation nicht die beste, aber die Jungs stehen zusammen und es gibt keinen, der auf den anderen schimpft. Ich kann die Fans verstehen, das ist mit Sicherheit gerade kein Leckerbissen, den wir präsentieren, aber wir können einfach nur weiter hart arbeiten und hoffen, dass wir am Freitag siegen.“

Tore: 0:1 Philip Gogulla (Torsten Ankert) (27.PP), 0:2 Alexander Weiß (Philip Gogulla, Alexander Sulzer) (60.EN)

Schiedsrichter: Stephan Bauer, Willi Schimm; Linienrichter: Dominic Erdle, Vladislav Grossmann
Strafen: Straubing 8, Köln 8
Zuschauer: 4.096


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