Kölner Haie: Ein Scheitern mit AnsageNach dem Aus in der Hauptrunde

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Nach den Endspielteilnahmen 2013 und 2014 natürlich eine Überraschung. Verwundern allerdings darf sie kaum. Der elfte Platz und das damit verbundene Aus schon nach der Vorrunde sind Ergebnis vieler Fehler und Versäumnisse, die bereits im entscheidenden siebten Spiel der Final-Serie von 2014 ihren Anfang nahmen.

Als John Laliberte an jenem 29. April Sekunden nach Beginn des dritten Drittels das 2:0 für den ERC Ingolstadt erzielt hatte, da stand Haie-Trainer Uwe Krupp wie paralysiert hinter der Bande. 40 Minuten lang hatte er keine Idee gehabt, um den Ausfall seines gesperrten Regisseurs Rob Collins zu kompensieren. Nun unternahm er weder den Versuch, durch das Umstellen von Angriffsreihen den Gegner vor eine neue Aufgabe zu stellen. Noch verstand er es, sein Team emotional zu packen. Krupp wirkte hilflos bei dem Versuch, den seit 2002 unerfüllten Kölner Traum von der neunten Meisterschaft wahr werden zu lassen.

Bleiben durfte Krupp trotzdem. Wegen seiner Reputation als Stanley-Cup-Sieger sowie Bundestrainer, wegen seiner guten Vernetzung und weil sich die Verantwortlichen der Haie vom gebürtigen Kölner eine ganz spezielle emotionale Bindung zum Verein erhofften. Eine Entlassung hätte es aus diesen Gründen auch nicht zwingend geben müssen, wohl aber wäre die Ernennung zum Sportdirektor eine Überlegung wert gewesen. Zumal Krupps späterer Nachfolger Niklas Sundblad nach seinem freiwilligen Abschied bei Meister Ingolstadt bereits am 6. Mai zur Verfügung stand und überdies von 2011 bis 2013 als Assistent von Krupp auch schon bei den Haien gearbeitet hatte.

Weitblick, der dem in Fan-Kreisen als "Alleinherrscher" bezeichneten Haupt-Geldgeber Frank Gotthardt fehlt. Für den 64-jährigen Multimillionär und Inhaber einer Firma für Krankenhaus-Software in Koblenz zählt allein der Titel. Den sollte Krupp im dritten Anlauf endlich holen. Und das mit nahezu der gleichen Mannschaft, die zweimal im Endspiel gescheitert war. Ein fataler Entschluss.Denn dieses Team war in die Jahre gekommen. Die Verteidiger Andreas Holmqvist (33), Mirko Lüdemann (41) und Daniel Tjärnqvist (38) sind über ihren Leistungszenit inzwischen ebenso hinaus wie die Angreifer Charlie Stephens (33), John Tripp (37), Chris Minard (33) und Andreas Falk (32). Zu denen wurden dann mit Jamie Johnson (33) und Mike Iggulden (32) zwei weitere "Oldies" geholt. Zudem erschwerten Verletzungen Krupps Arbeit. Der Saisonstart ging daneben, das Drama nahm seinen Lauf.

Schnell fanden sich die Haie am Tabellenende wieder. Mit Aktionismus statt Analyse wurde Nationalspieler Marcel Müller als Sündenbock ausgemacht und zu den Krefeld Pinguinen abgegeben, die er prompt mit starken Leistungen in die Plays-offs führte. Auch Krupp musste am 10. Oktober seinen Stuhl für Sundblad räumen. Ein Wechsel ohne Wirkung, weil der Kader eine Dauer-Baustelle blieb. Zwischen dem 1. Oktober und dem 21. Januar wurde er nachträglich mit fünf Zu- und vier Abgängen gleich neunmal umgebastelt. Was natürlich das Einspielen von Automatismen nahezu unmöglich machte.

So ergab sich ein ohne Verstand zusammengewürfelter Haufen, der keinen Teamgeist entwickelte und der der kritischen Situation trotz seiner individuellen Erfahrung nervlich nicht gewachsen war. Reibereien innerhalb der Mannschaft blieben nicht unverborgen, Trainer Sundblad fand keinen Zufgriff mehr. "Mit alle Mann am Ballermann", sangen die Fans höhnisch beim letzten Heimspiel der Saison über den verfrühten Urlaub. Urlaub, den die Klub-Verantwortlichen kaum haben dürften. Es gilt, die seit Oktober fahrlässig offen gelassene Stelle des Sportdirektors zu besetzen, zudem wird der Kader gründlich renoviert. Damit in einem Jahr der rheinische Rivale Düsseldorfer EG trotzt bescheidenerer Mittel nicht schon wieder sechs Plätze vor den Haien steht.


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