Köln feiert Beginn der neuen Eiszeit

Die "Alex Hicks Initiative"Die "Alex Hicks Initiative"
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Die Mitarbeiter/innen der Kölner Haie hatten mal wieder ganze Arbeit geleistet und waren sichtlich zufrieden: Bei der Saisoneröffnung vor 6000 - 8000 Zuschauern wurde einiges geboten. Da wäre zunächst einmal der über 100 Seiten starke "Haie-Guide" mit tollen Fotos und Kurzportraits aller Spieler. Auch die Mechandising-Abteilung hatte einiges auf die Beine gestellt, die Spieler trugen die neuen Fanartikel höchstpersönlich auf die Bühne, allerdings wirken manche Cracks auf dem Eis wesentlich eleganter als auf dem Cat Walk...
In Sachen Sponsoring und Marketing hat man mit 90 Partnern den Vorjahresetat trotz wachsender Wirtschaftsflaute halten können, so hatten die rundum zufriedenen Gesichter in den Reihen der Verantwortlichen des KEC beim Saisoneröffnungs-Fest Grund zum lächeln. Jetzt fehlt nur noch eine "Kleinigkeit", nämlich der sportliche Erfolg. Der lässt sich bekanntlich weit weniger problemlos planen und ob die Haie vor einer sportlich erfolgreichen Saison stehen, wird man frühestens im Oktober erstmals abschätzen können. Der 4:2 Sieg gegen die DEG auf NHL-World-Cup-Eis im Rahmen der Saisoneröffnung war für beide Teams ein Muster ohne Wert, schließlich haben die Spieler sehr harte Wochen im Trainingslager hinter sich und beginnen erst jetzt allmählich mit der Spritzigkeit und dem Zusammenspiel.
Immerhin hatten 8.540 Zuschauer bei sommerlichen Temperaturen den Weg in die Kölnarena gefunden. Ein weiterer Zuschauer fiel durch sein Erscheinungsbild auf: Ein Musiker? Ein Surfer? Weit gefehlt, es handelte sich bei dem jungen Mann mit den mittellangen, blonden Haaren im KEC-Shirt um den kanadischen Verteidiger Paul Traynor, der zwar wie ein Surfer aussieht ("unser Robbie Nash"), aber ein waschechter AHL-Profi ist. Seine ersten Eindrücke hätten allerdings auch von einem Surfer stammen können: "Die Zuschauer strahlen viel Energie aus", erklärte der 26jährige. Er schaute bereits beim "Old Star Game" vor dem DEL-Testspiel aufmerksam zu. "Uwe Krupp habe ich natürlich sofort erkannt. Ansonsten ist alles noch recht aufregend für mich, ich bin zum ersten Mal in meinem Leben in Europa. Das Team hat mich sehr freundlich aufgenommen, die anderen Jungs reden viel mit mir und in der kommenden Woche gehe ich mit ihnen aufs Eis und will mich mit guten Leistungen empfehlen." Ganz unbekannt sind ihm die Haie nicht. "Jeremy Adduono ist aus derselben Stadt wie ich, fast ein Nachbar. Ich habe viel mit ihm gesprochen." Paul Traynor erhofft sich natürlich ein Engagement bei den Haien, denn die Situation in Nordamerika ist wegen des drohenden NHL-Lockouts sehr ungewiss. "Kein Club weiß im Moment, wen er verpflichten kann oder soll."
Immerhin bekam Paul Traynor schon einmal einen Eindruck von den DEL-Verhältnissen und dürfte sich zum Beispiel darüber gewundert haben, warum mehrfach Spieler als Torschützen angegeben wurden, die gar nicht auf dem Eis waren. Willkommen in der DEL! So konnte man beim 1:0 der Haie noch diskutieren, ob Björnlies Schuss von Gogulla abgefälscht wurde. Es gab aber Düsseldorfer Journalisten, die schwörten, dass Thomas Jörg beim 1:1 gar nicht auf dem Eis war, obwohl er es angeblich erzielt hatte. Und als Jeremy Adduono in Unterzahl ganz alleine und daher deutlich erkennbar auf und davon ging und mit DEG-Torhüter Jung und wohl auch dem Puck ins Tor rutschte, erkannte Petr Chvatal nicht nur auf Tor, sondern auch den unbeteiligten Sebastian Furchner als Torschützen. Schwamm drüber, dem positiven Saisonauftakt in Köln tat dies keinen Abbruch. Bereits in einer Woche treffen sich beide Teams in Düsseldorf wieder, dann allerdings auf DEL-Eis und ohne Nationalspieler, denn die sind beim World Cup aktiv.
Alexander Brandt