Kassel mit Zittersieg nach Sechs-Tore-Führung

Kassel mit Zittersieg nach Sechs-Tore-FührungKassel mit Zittersieg nach Sechs-Tore-Führung
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Es wäre wohl vermessen in Kassel nach einem Drei-Punkte-Gewinn über Krefeld den Spielverlauf zu kritisieren. Noch dazu, da die Nordhessen durch den Sieg nun den vorletzten Tabellenplatz an die Kölner Haien abgegeben haben. Dass man von der 6:0-Führung, die die Huskies bis zur 31. Minute herausgespielt hatten, am Ende aber tatsächlich jeden Treffer benötigen würde, um gegen die Krefelder zu gewinnen, sorgte bei den knapp 3700 Huskies-Fans in der Kasseler Eissporthalle aber doch für einiges Kopfschütteln.



Kassel startete furios in die Partie. Schon nach 13 Sekunden klingelte es zum ersten Mal hinter Danijel Kovacic, der sein siebtes Spiel für die Krefelder absolvierte. Huskies-Kapitän Hugo Boisvert hatte die Scheibe am kurzen Pfosten einnetzen können. Nur sechs Minuten und achtzehn Sekunden später stand es bereits 4:0 für die Schlittenhunde. Wiederum Boisvert nach wunderschöner Kombination über Kraft, Christ, mit seinem ersten DEL-Tor und Heinrich, dessen zweiter Saisontreffer längst überfällig gewesen war, bauten unter frenetischem Jubel der Fans die Kasseler Führung aus. Die Gäste indes wirkten geradezu abwesend. Als Klinge in der 13. und 31. Spielminute – inzwischen gegen Scott Langkow im Tor des KEV - schließlich die Treffer Nummer fünf und sechs markierte, gab wohl kaum noch jemand etwas auf die Pinguine, die selbst bei Überzahl harmlos waren.



Gästetrainer Igor Pavlov war nach dem Spiel noch so schockiert ob des zwischenzeitlichen 0:6-Rückstandes seiner Pinguine, dass er nicht einmal die Moral seiner Mannschaft würdigen konnte: „Den Rückstand aufzuholen war das Mindeste. Wir werden das Spiel analysieren und müssen dann daraus lernen.“

Doch die Gäste waren noch einmal zurückgekommen. Und wie! Innerhalb von eineinhalb Minuten schossen Stephenson (35.), der eine besonders starke zweite Spielhälfte absolvierte, und Verwey (36.) die Pinguine zurück ins Spiel. Wer hoffte, Kassel würde sich zum letzten Spielabschnitt hin wieder fangen, wurde enttäuscht. Die Schlittenhunde waren komplett von der Rolle und kassierten in der 47. Spielminute erneut zwei Treffer. Diesmal waren es Stephens und Pietta, die für die Gäste einnetzten. Die witterten nun doch noch die Chance auf den Sieg und kamen durch Faheys Treffer gar bis auf 5:6 an die Huskies heran, die in den letzten Minuten kaum noch aus der Defensivzone herauskamen und die Partie nur mit Müh und Not über die Zeit retten konnten.



Trotz des vielleicht nicht optimalen Spielverlaufs ab Mitte des zweiten Abschnitts bleibt den Kassel Huskies aber immerhin die Gewissheit, drei Punkte geholt zu haben, einen Tabellenplatz aufgerückt zu sein und (Vereins-)Geschichte geschrieben zu haben: Manuel Klinge, Alexander Heinrich und Manuel Christ – drei Kasseler Eigengewächse auf der Torschützenliste, das hat es in Nordhessen noch nie gegeben.

Stimmen zum Spiel:

Igor Pavlov, Trainer Krefeld Pinguine:

„Ich bin immer noch ein bisschen frustriert. Nach sechs Minuten mit 0:4 hinten zu liegen, das war geradezu ein Wunschkonzert für Stéphane. Der Rückstand hat uns auseinander geworfen. Wir hatten einen Blackout. Eishockey ist eigentlich eine einfache Sache. Es geht darum zu kämpfen, den Körper einzusetzen und die Scheibe zu kontrollieren. All das hat uns von Anfang an gefehlt. Kassel hat eine sehr gute Leistung gezeigt. Mehr kann ich im Moment noch nicht dazu sagen.“



Stéphane Richer, Trainer Kassel Huskies:

„Ich bin mit dem Sieg zufrieden. Wir haben gegen den Fünftplazierten drei Punkte geholt. Es ist immer gefährlich mit einer solchen Führung zu spielen. In den ersten zwanzig Minuten haben wir sehr konsequent gespielt – in allen Dritteln. Bis zum ersten Gegentor haben wir einfach gespielt und die Scheibe laufen lassen. Dann kam gleich das zweite Gegentor und wir hatten einen Blackout. Man kann sehr gut sehen, das Eishockey zu großen Teilen mental bestimmt wird: Über die ersten vierzig Minuten haben wir intelligent und mit Selbstvertrauen gespielt, nach den zwei Gegentoren haben wir dann aber unser Spielsystem verloren.“



Tore:

1:0 (00:13) Hugo Boisvert (Manuel Klinge, Drew Bannister)

2:0 (04:53) Hugo Boisvert (Ryan Kraft, Martin Bartek – 5:4)

3:0 (06:09) Michael Christ (Brad Burym, Shawn McNeil)

4:0 (06:31) Alexander Heinrich (Philipp Schlager, Thorben Saggau)

5:0 (12:40) Manuel Klinge (Ryan Kraft, Hugo Boisvert)

6:0 (30:49) Manuel Klinge (Hugo Boisvert, Ryan Kraft)

6:1 (34:01) Shay Stephenson (Serge Payer, Patrick Hager)

6:2 (35:29) Roland Verwey (Dusan Milo, Serge Payer)

6:3 (46:30) Charlie Stephens (Jim Fahey, Boris Blank – 5:4)

6:4 (46:58) Daniel Pietta (Roland Verwey, Lynn Loyns)

6:5 (53:08) Jim Fahey (Herberts Vasiljevs, Boris Blank)



Strafen: Kassel 16 – Krefeld 18

(Foto by www.snapfactory.de)

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