Jere Karalahti : „Ich blicke nur noch nach vorn!“

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Er ist erst 33 Jahre alt und hat bereits ein Leben hinter

sich. Ein Leben unter Vollgas auf der Überholspur. Mit 18 Jahren Stammspieler

in der finnischen SM-Liiga bei HIFK Helsinki, Teilnahme an fünf

Weltmeisterschaften, zweimal im Allstar-Team bei der WM. 1999 in die NHL zu den

Los Angeles Kings. Jere Karalahti auf dem Weg neben dem Ruhm auch zu Wohlstand

und Reichtum. Nach zweieinhalb großartigen Spielzeiten der Wechsel nach

Nashville zu den Predators. Und immer zählt der 1,88 m große und 96 kg schwere

Weltklasse-Verteidiger zu den Aktivposten seiner Teams, gleichermaßen von

Mitspielern und Trainern geschätzt, beliebt bei den Fans. Wegen seiner

unbarmherzigen Checks und seiner gnadenlosen körperlichen Präsenz auf dem Eis gefürchtet

bei allen Gegnern.

Aber daneben auch immer wieder Aussetzer und Ausraster.

Alkohol, Drogen.  „Auch das gehört zu

meinem  ersten Leben“, sagt Jere

Karalahti heute, „das kann und will ich nicht verdrängen.“ Je weiter seine

Karriere voran schreitet, je deutlicher wird die dunkle Seite. Suspendierungen,

Strafen -2001 verpasst Karalahti sogar eine Weltmeisterschaft wegen seiner

Exzesse. 2002 wird er von der NHL für sechs Monate aus dem Verkehr genommen,

soll sich einer Entziehungskur unterwerfen.

Karalahti flüchtet zurück nach Finnland. Für die Saison

2002/2003 heißt es in der Statistik lapidar „did not play“. 2003 nimmt ihn sein

alter Klub HIFK Helsinki wieder auf. Und Jere macht beinahe nahtlos da weiter,

wo er 1998 aufgehört hatte. Seine Zahlen für die erste Saison nach seiner

Rückkehr: 57 Spiele, 10 Tore,  20

Assists. HIFK wurde zwar nicht wie 1998 Meister, kam aber in den Playoffs

soweit wie schon seit Jahren nicht mehr. Aber Karalahti machte auch neben dem

Eis weiter wie in all den Jahren zuvor. Immer wieder Alkohol, Drogen, exzessive

Feiern. Schulden. Wenn seine Kumpel feiern wollen, Jere zahlt. War ein Freund

in Not, Jere half. Das Geld rinnt ihm wie Sand durch die Finger. Nur auf dem

Eis bleibt der Verteidiger mit dem gefürchteten Schlagschuss nichts schuldig. Ob

im Training oder Spiel, seine Leistung stimmt auch zu finstersten Zeiten.

Was dann geschah, darüber ist in den letzten Tagen genug

geschrieben worden. Nach Karalahtis Verhaftung im November des vergangenen

Jahres löst sein Klub Kärpät Oulu, wo er mittlerweile gelandet ist, den

Vertrag. Der finnische Verband droht eine vierjährige Sperre an, die den

Bestimmungen der IIHF entsprechend weltweit gegolten hätte. Die Behörden werfen

Karalahti die Beteiligung an Drogenschmuggel vor, verbieten ihm die Ausreise

aus Finnland, die Staatsanwaltschaft fordert mehrere Jahre Haft. Das Gericht

mochte den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft 

so nicht folgen, sieht aber die Unschuld Karalahtis auch nicht als

erwiesen an. Im März das Urteil: 20 Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe

in  Höhe von 10.000 Euro.  Der finnische Eishockey-Verband sieht von

einer Bestrafung ab, legt die angekündigte Sperre zu den Akten.

Am Mittwoch nun traf der bullige Verteidiger in Hamburg ein.

Nach einem Mittagessen mit Freezers-Boss Capla und Sportdirektor Leslie stellt

sich Karalahti den Fragen der Hamburger Sportjournalisten. Offen und freundlich

spricht er über sich und seine Pläne, beantwortet geduldig alle Fragen zu

seiner Vergangenheit: „Ich weiß, dass ich einiges falsch gemacht habe und ich

übernehme die volle Verantwortung dafür.“

Gemeinsam mit Ehefrau Susanna (32) und Töchterchen Ronja (8)

will Jere Karalahti in der Hansestadt einen Neubeginn wagen. Falsche Freunde,

Alkohol, Drogen, das alles will Karalahti in seinem ersten Leben zurücklassen.

Die Ärzte haben den Hünen aus Helsinki gewarnt, auch nur die geringste Menge

Alkohol könnte fatale Folgen haben. Karalahti hört auf die Mediziner und die

Warnrufe seiner Schilddrüse. Er trinkt Wasser. Und als ob er sich und allen

anderen etwas beweisen müsste, verzichtet Karalahti sogar auf sprudelnde

Kohlensäure. Still und ruhig - so will er sein neues Leben abseits des

Eishockeys angehen.

Auf dem Eis aber, da sollen alle schnell wieder den alten

Jere sehen. „Das Einzige, das ich neben meiner Familie mit in mein neues Leben

nehmen werde.“ Einmal wird ihn sein altes Leben noch einholen. Gegen das Urteil

des finnischen Gerichts hat Karalahti Einspruch eingelegt: „Ich stehe zu allem,

was ich getan habe. Aber ich habe niemals Geld für den Drogenhandel gegeben.“

Als sich Jere, Susanna und Ronja Karalahti am

Mittwochnachmittag gegen 17:00 Uhr im neuen Mercedes auf den Weg in ihr neues

Heim im grünen Hamburger Norden machen, sind das die ersten Meter in das neue

Leben des Jere Karalahti. Ab jetzt soll es in großen Schritten nach vorn gehen.

„Ich freue mich auf Hamburg und die Freezers. Ich will mich nur noch voll aufs

Eishockey konzentrieren.“

Viel Erfolg dabei, Jere, und viel Glück im neuen Leben,

Familie Karalahti! (JP)

Foto by City-Press 

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