Jeff Tomlinson: Jede Niederlagenserie birgt ein Risiko in sichDer Cheftrainer der Eisbären Berlin im Interview

Jeff Tomlinson trifft mit seinem neuen Club, den Ice-Tigers auf seinen alten Club, der DEG. Foto: Carsten Schürenberg - www.stock4press.deJeff Tomlinson trifft mit seinem neuen Club, den Ice-Tigers auf seinen alten Club, der DEG. Foto: Carsten Schürenberg - www.stock4press.de
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Herr Tomlinson, hier in Iserlohn haben Sie wie ein Team in den Top-6 gespielt und letztlich auch verdient gewonnen. In der Tabelle finden wir die Eisbären mit Platz 11 in einer ungewohnten Region wieder. Wie erklären Sie sich dies, bzw. uns?

Wir haben eine ziemlich lange Zeit ohne sechs bis neun Stammspieler agieren müssen und heute konnte ich wieder auf vier Rekonvaleszenten zurückgreifen. Diese vier Spieler haben in Iserlohn ein riesiges Spiel gemacht. Sie können auch etwas mehr an Eiszeit übernehmen und den anderen dadurch mehr Pausen gönnen. Zudem haben sie auch gezeigt, was uns die ganze Zeit an spielerischer Qualität gefehlt hat.

Beim Spiel am Freitag gegen die Iserlohn Roosters hat sich die Rückkehr des nach sechs Wochen Pause wiedergenesenen Torhüters Rob Zepp sehr bemerkbar gemacht. Er packte sein großes Repertoire aus und gab der Hintermannschaft das nötige Vertrauen – das Resultat war ein Shutout, ein Spiel ohne Gegentor!

Auf jeden Fall! Das gehört aber auch dazu! Ich habe es auch schon immer gesagt: Rob Zepp ist einer der besten Torhüter in Europa! Gegen die Roosters, die zuletzt zehn von elf Spielen gewonnen haben, hat er wieder seine Qualität gezeigt, obwohl es erst sein erster Einsatz nach der Verletzung war. Rob hat aber auch sehr hart für sein Comeback gearbeitet – er hat wie ein Besessener im Kraftraum, auf dem Fahrrad und auch sonst überall geschuftet. Das Resultat war dann halt diese tolle Leistung.

Wie viel Prozent einer Mannschaft macht die Position des Torhüters aus?

Es ist schon schwierig prozentual zu sagen, welches Gewicht auf die Position des Goalies fällt. Aber man konnte ganz deutlich sehen, welche Sicherheit er uns gegeben hat. Er strahlt die Ruhe von fünf gewonnenen Meisterschaften aus und verfügt einfach über die Qualität. Zu Beginn der Spielzeit war er unser bester Spieler. Er hat uns geholfen die Punkte zu holen, obwohl wir nicht gut gespielt haben. Er arbeitet aber auch sehr hart und gewissenhaft an sich. Das ist auch der Grund, warum er nach dem Spiel immer der letzte Spieler ist, der aus der Kabine kommt: der dehnt, pflegt sich und macht die Sachen, die notwendig sind.

Chris McSorley, Besitzer und Trainer des Schweizer NLA-Ligisten Servette Genf, sagte letztes Jahr: Eine Trainerentlassung ist zwar die einfachste, aber nicht die richtige Lösung! Hatten Sie während der Niederlagenserie nie Angst, dass die Klubführung die Nerven verliert und sie auf die Straße setzt?

Natürlich, dass kann immer mal passieren. Wir Trainer leben in dieser Beziehung immer ein gefährliches Leben. Jede Niederlagenserie birgt ein gewisses Risiko in sich. Aber unsere Klubführung, allen voran unser Manager Peter-John Lee, ist einer der Besten, falls nicht der beste Eishockeyfachmann in Deutschland. Er sieht was unsere Probleme sind und versucht diese direkt zu beheben. Aber kommen wir zurück zum Ausgangspunkt – Ja, nicht immer sind die Trainer die Schuldigen. Es gibt Beispiele zu genüge, wo ein Wechsel auf der Coaching-Position gar nichts bringt – es kann auch genauso ein Alibi für die Jungs sein. Die Spieler müssen auch in die Pflicht genommen werden. Man kann nicht eine ganze Mannschaft austauschen, das geht nicht. Jeder Manager muss das für sich entscheiden und Peter Lee kennt unsere Probleme und so arbeiten wir bei der Behebung zusammen.

Viele haben von Anfang an behauptet, dass der Weg zur Meisterschaft nur über Berlin führt – wie stehen Sie zu dazu?

Wenn wir in die Runde der letzten acht Mannschaften einziehen, sind wir, im Prinzip wie alle anderen auch, sehr schwer zu schlagen. Ich hoffe, dass wir jetzt mit der Rückkehr der Verletzten mehr Konstanz in unser Spiel bringen werden, aufbauend auf der Leistung von Iserlohn, denn nur so können wir gewinnen!

Letzte Frage: Kann man das, was da in Ihrem Gesicht sprießt als eine Art Play-off-Bart ansehen? – Jetzt müssen Siege her!

(schmunzelnd) Ich habe wohl das ganze Jahr über einen Play-off-Bart, da ich der Meinung bin, mit Bart sehe ich deutlich dünner aus. Also rein kosmetische Gründe. Mit der anstehenden Endrunde hat er noch nichts zu tun!