„Jeder sollte seinen eigenen Weg finden“

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Jahrelang stand Markus Flemming selbst als Eishockey-Torhüter auf dem Eis. Mit der Düsseldorfer EG gewann er dabei zweimal die Deutsche Meisterschaft. Später spielte der gebürtige Münchner unter anderem für die Adler Mannheim, bevor er in die zweite Bundesliga zurückkehrte. 2005 beendete er seine Spielerlaufbahn bei den Roten Teufeln Bad Nauheim.

Heute untersützt der 43-Jährige als Sportpsychologe den Kader der Eisbären Berlin in seiner fünften Saison sowie das DEB-Team im Rahmen einer Trainerfortbildung. Aktuell steht er auch der deutschen Basketball-Nationalmannschaft bei deren Vorbereitung auf die anstehende Europameisterschaft zur Seite.

Herr Flemming, Sie haben sicherlich von Rick Rypiens Tod gehört. Es ist bereits der zweite verstorbene NHL-Spieler innerhalb weniger Monate. Beide sollen an Depressionen gelitten haben.

Das ist eine schlimme Sache und sehr tragisch. Solche Fälle gibt es leider immer wieder im Sport wie auch im Alltag. Auslöser hierfür sind meist traumatische Erlebnisse, die persönliche Probleme nach sich ziehen. Stress und Erwartungen können diese negative Situation zusätzlich noch verstärken.

Wie können Sie als Sportpsychologe psychisch gefährdeten Sportlern helfen?

Nun, ich begleite die Sportler ja nur, ich therapiere sie nicht. Das ist ein großer Unterschied. Meine Aufgabe ist es, den Athleten Instrumente vorzustellen, die ihnen helfen sollen, ihre Leistung abzurufen. Sobald ich Alarmsignale wahrnehme, die meist aus der Geschichte eines Sportlers hervorgehen, arbeite ich mit Ärzten und Therapeuten zusammen. Denn wir erreichen hier ein Niveau, das über meine Arbeit als Sportpsychologe hinausgeht. Depression ist eine Krankheit, die medizinisch behandelt werden muss. Auf diesem Gebiet muss man aufpassen.

Wie sieht Ihre Begleitung der Athleten denn konkret aus?

Also zum einen zeige ich der Mannschaft und dem Trainier Möglichkeiten auf, wie sie im Training und Wettkampf mental bestehen können. Den Spielern gebe ich hierbei einen Auftrag mit: Sie sollen versuchen, ihre Perspektive und Einstellung zu ändern. Ich mache auch jedem Einzelnen ein individuelles Angebot. Dieses kann der Athlet annehmen, muss aber nicht. Jeder sollte hier seinen eigenen Weg finden.

Ist es bei Ihrer Arbeit von Vorteil, dass Sie in der Vergangenheit selbst Profi-Sportler waren?

Es ist schon hilfreich, wenn man selbst einmal auf dem Eis gestanden hat. Die Spieler scheinen zu spüren, dass da jemand ist, der weiß, wovon er spricht. Es ist aber keine Voraussetzung für einen Sportpsychologen, dass er einmal selbst aktiv war.

Kann man behaupten, dass die meisten Spiele auf psychologischer Ebene entschieden werden?

Nun gut, Training und technisches Können sind natürlich die Basis. Aber die Psyche spielt schon eine große Rolle. Die Athleten arbeiten hart. Doch Fleiß und Training alleine reichen eben manchmal nicht aus. Das ist es auch, was die sogenannten Ausnahmetalente von den Sportkollegen unterscheidet. An die Spitze kommt nur, wer die dafür notwendige mentale Stärke besitzt.

Hat sich der Anspruch an die Athleten in den letzen Jahren verändert? Wie sind Sie damals als Torhüter mit Stresssituationen umgegangen?

Also Druck war schon immer da und auch damals gab es schon Sportpsychologen. Allerdings wird heute alles von den Medien mehr vermarktet. Zudem ist Druck subjektiv und jeder geht anders damit um. Auch ich hatte Momente, in denen ich meine Leistung nicht akzeptieren konnte, weil der Unterschied zwischen Training und Wettkampfleistung so groß war. Das hat wirklich Nerven und Energie gekostet. Mir hat damals Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann geholfen, den ich – im Nachhinein gesehen – fast zu spät kennengelernt habe.

War diese Erfahrung ein Entschluss dafür, später selbst als Sportpsychologe zu arbeiten?

Unter anderem ja. Gerade während meiner abklingenden Karriere benötigte ich die Unterstützung von Hans-Dieter Hermann, der aktuell die deutsche Fußball-Nationalmannschaft betreut. Ich war begeistert von seiner Arbeit und dachte mir, so etwas kannst und möchtest du später auch einmal anbieten. Er hat mich auch während meiner Studienzeit noch begleitet. Ich schätze ihn sehr als Menschen und Psychologen.

Nach den tragischen Vorfällen in Nordamerika möchte die NHL nun ihr Förderprogramm überdenken und verbessern. Wie sehen Sie die Situation hierzulande? Müssen die Ligen reagieren?

Man merkt schon, dass hier etwas passiert. Das spüre ich auch an meiner Arbeit. Sportpsychologen, von denen es einige sehr gute in Deutschland gibt, sind immer mehr im kommen. Wichtig ist aber vor allem die allgemeine Aufklärung. Was ist überhaupt eine Depression? Hier muss, sowohl im Sport als auch in der Gesellschaft, adäquater auf das Problem hingewiesen werden. Ein prominenter Fall könnte dabei unter anderem helfen. Allerdings sollte man auch nicht zu panisch und übertrieben sensibel reagieren. Denn nicht jeder, der einmal niedergeschlagen ist, leidet gleich an einer Depression oder ist psychisch krank.


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