Jan Guryca: „Die Situation hat kein anderer“Das Leben als Backup

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Mit einem einfach und bestimmten „Ja“ beantwortet Straubings Backup die Frage, ob es diese Saison besonders schwer ist, da er bisher noch keine Minute Spielzeit erhalten hat. Doch als er im Mai 2010 seinen Vertrag in Straubing unterzeichnet hatte, war von Anfang an klar, dass er nur für die Reserveposition geplant ist. Gleiches gilt für seine zwei Vertragsverlängerungen. „Ich war mir meiner Situation wohl bewusst, als ich hier unterschieben habe. Auf der einen Seite bin ich dankbar, dass ich relativ spät nochmal die Chance bekommen habe, DEL zu spielen. Aber man muss auch ehrlich sein, dass man bis Anfang Januar noch kein Spiel bekommen hat, kommt auch nicht allzu oft vor, egal unter welchen Umständen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es momentan eine einfache Saison ist.“

Straubings Co-Trainer Bernie Englbrecht kann sich nur bedingt in Guryca hineindenken, da er in seiner Laufbahn nie als Nummer zwei angestellt war. Trotzdem meint er: „Es ist dieses Jahr sicher eine schwierige Situation für Jan. Cash spielt gut und will viel spielen.“ Englbrecht, der auch für die Goalies zuständig ist, beurteilt die Leistung im Training mit den Worten: „Die Trainingsleistungen sind sehr gut. Er bemüht sich immer, macht alle Übungen und macht nach dem gemeinsamen Training noch seine Sachen auf und neben dem Eis.“ Cheftrainer Dan Ratushny weiß um die Lage des Goalies und meint dazu: „Auch wenn Jan der Backup ist, haben wir Vertrauen in ihn. Jason spielt einfach sehr gut, er ist fit und fühlt sich gut. Sollte sich Jason verletzten“, Ratuschny klopft dabei auf Holz, „dann kommt Jan und wir wissen, dass er das dann kann.“

Diese Warteposition ist die Schwierigkeit an Gurycas Lage, der das so erklärt: „Die Situation, die ein zweiter Torwart hat, die hat eigentlich kein anderer Spieler. Man geht ins Spiel und weiß, dass man nicht spielt. Es kann aber durch Strafen oder Verletzungen jederzeit passieren. Man muss sich letzten Endes doch so vorbereiten, als würde man spielen.“ Einer, der das vielleicht noch am ehesten nachvollziehen kann, ist Mitspieler Calvin Elfring. Dieser saß zweitweise als überzähliger Ausländer gar auf der Tribüne und berichtet verständnisvoll: „Man muss hart trainieren, muss immer etwas extra machen. Jan ist Profi und weiß, dass er Backup ist, und wartet auf seine Chance. Ich glaube, er bekommt diese noch. Er muss einfach Geduld haben. Letztes Jahr hatte er das Glück, dass Barry oft gesperrt und verletzt war. Er hat 21 Spiele gemacht und wir wurden Sechster. Ohne Jan hätten wir die Play-offs vielleicht nicht erreicht. Aber die Situation ist schon hart.“

Die unbestrittene Nummer eins in Straubing ist Jason Bacashihua. Beide Goalies haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Bacashihua erzählt über Guryca: „Mit Jan zu arbeiten, ist toll. Es ist wichtig, dass man zwei Torhüter hat, die sich auf und neben dem Eis verstehen. Wir sprechen viel über Situationen und tauschen uns aus.“ Über was die Torleute sprechen, verrät Guryca: „Wir reden über alles, nicht nur über Eishockey. Das vielleicht sogar eher weniger. Es sind ganz normale Gespräche, wie es sie unter Freunden einfach gibt. Wir haben auch unsere Torwartgespräche, in denen wir zum Beispiel über Ausrüstungen diskutieren oder über irgendwelche depperten Feldspieler.“ Auf die Frage, ob damit nun die eigenen oder die gegnerischen gemeint sind, meint er lächelnd: „Beide.“  Das Verhältnis mit Bacashihua beschreibt er so: „Unser Verhältnis ist sehr gut und sehr kollegial, ich habe ja keinen Grund, auf ihn sauer zu sein. Im Gegenteil, ich bin beeindruckt von seiner Konstanz.“ Richtig weiter bringt ihn der ständige Anschauungsunterricht aber wohl nicht. „Es ist ein zweischneidiges Schwert und schwer zu sagen, ob man von einer Situation profitiert, wenn man nicht zum Einsatz kommt. Auf der anderen Seite ist es interessant zu sehen, wie jemand anderes Sachen handhabt. Da sind Sachen, die man sich anschaut, und sagt, finde ich gut, oder finde ich nicht gut.“

Ein großes Thema in so einer Situation ist natürlich die Motivation. „Es fällt mir schwer, mich zu motivieren, aber ich denke, dass ich es zurzeit noch hinbekomme und relativ positiv bin. Im Prinzip ist es im Eishockeygeschäft so, dass Du Dir nur selber helfen kannst. Der einzige, der dazu beiträgt, dass ich den Kopf nicht in den Sand stecke, bin ich selbst. Mir kann jeder gut zureden, aber wenn ich selbst nicht daran glaube, dann wird mich von außen auch niemand beeinflussen können.“

Jan Guryca ist junger Vater und schöpft aus seiner Familie die nötige Kraft zur täglichen Motivation. „Ich bin froh, dass ich eine tolle Familie habe, wo ich zu Hause abschalten kann. Vater zu sein, ist mit das schönste was es gibt. Auf jeden Fall ist es gut, nach Hause zu kommen und dort Kraft zu tanken.“

Der Mann, dessen Vertrag am Ende der Spielzeit ausläuft, meint zum Thema Vertragsverlängerung: „Ich weiß natürlich, dass es nicht leichter für mich wird, wenn ich die Saison ohne ein einziges Spiel dastehe, aber ganz ehrlich, bis jetzt weiß ich noch nicht, wo es nächstes Jahr hingeht. Da habe ich mir noch keine intensiven Gedanken gemacht. Es soll aber schon die reellen Chancen auf Einsätze geben. Ich werde dieses Jahr 31 und ich kann nicht zwei Jahre komplett aussetzen.“

Zum Schluss verrät Guryca, wie er zu seinem Spitznamen Honso gekommen ist: „Den habe ich in meiner Zeit in Regensburg von Erich Kühnhackl bekommen. Wir hatten damals viele Tschechen in der Mannschaft und Erich ist ja auch gebürtiger Tscheche. Honso heißt eigentlich nur Jan auf Tschechisch.“ Er schmunzelt: „Eigentlich ganz einfach.“

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