Interview mit Uwe Krupp

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Lesedauer: ca. 6 Minuten

Folgendes Interview mit Uwe Krupp stellten die Kölner Haie den Medienvertretern zur Verfügung:

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Sie haben letzte Saison ihre aktive Laufbahn beendet. Was machen Sie momentan?

Ich lebe in Atlanta. Dort habe ich mich bei den Atlanta Duluth Ice Hawks als Knaben-Trainer anheuern lassen. Drei Mal in der Woche ist Training, an Wochenende tragen wir die Spiele aus.


Wie oft sind Sie noch in Deutschland, speziell in Köln?

Sehr selten. In den 18 Jahren, in denen ich in der NHL gespielt habe, war ich vielleicht zehn Mal hier. Es ist für mich auch ein bisschen komisch, dieses Interview auf deutsch zu führen.   

Gibt es noch engen Kontakt zum KEC? Verfolgen Sie den Weg der Haie?

Ich habe nur noch wenig Kontakt zum KEC. Hans Zach war damals mein Jugendtrainer in der Nationalmannschaft, ihn kenne ich. Die Betreuer „Schnäuz“ und Willi (Anm.: Lothar Zimmer und Willi Kühlem) sind noch hier. Dwayne Norris, der bis letzte Saison hier spielte, war mein Teamkollege in Quebec. Aber so richtig auf dem Laufenden bin ich nicht mehr. Außer übers Internet, ist es schwierig von Nordamerika das Ganze zu verfolgen und wenn man selbst aktiv spielt, hat man wenig Zeit, die Ergebnisse

mit zu bekommen.

Sind die Haie dennoch weiterhin ihr emotional wichtigster Verein?

In Deutschland auf jeden Fall. Das ist mein Klub. Aber es ist auch so, dass ich Köln ja sehr jung verlassen habe und dann viele Freundschaften in den USA geknüpft habe. Viele meiner damaligen Haie-Mitspieler waren zu jener Zeit bereits etablierte Nationalspieler. Die gehen inzwischen ganz anderen Dingen nach. Die Menschen, die ich in den USA

kennen gelernt habe, spielen zum Großteil noch Eishockey. Verletzungen zwangen Sie nach der vergangenen Spielzeit, Ihre Schlittschuhe an den Nagel zu hängen. 

Sind Sie wehmütig, dass jetzt Schluss ist oder schauen Sie mit viel Zufriedenheit auf Ihre Karriere zurück? 

Um ehrlich zu sein, hätte ich gerne noch ein Jahr gespielt. Der Grund ist mein Sohn Björn. Er lebt jetzt bei meiner Frau Valerie und mir in Atlanta. Ich hätte ihm gerne gezeigt, wer sein Vater als Eishockey-Profi war und ist. Meine Kinder sollen verstehen, was mein Job bedeutet. Ich wollte ihnen klarmachen, dass mein Status als prominenter Eishockey-Profi, überall bejubelt zu werden, alles auf dem goldenen Tablett serviert zu bekommen, nicht von alleine kommt. Es ist nicht alles automatisch glamourös, nur dadurch, dass man morgens aufsteht. Ich will ihnen klar machen, dass man durch harte Arbeit und die richtige Einstellung, Ziele erreichen kann. Ich wollte Ihnen zeigen, warum es ihr Vater geschafft hat und viele andere nicht. Es ist ein richtig harter Beruf und das viele Geld, das du als Profi verdienst, muss du dir hart erarbeiten. Es gab in meinem Jahrgang immer bessere Spieler, aber es gibt immer Wege, wie man auch mit weniger Talent, Erfolg haben kann.  Ihren Weg nachzugehen, ist das Ziel vieler junger Talente.

 

Wer war Ihr Vorbild?

Udo Kiessling. Er war der Grund, warum ich es geschafft habe. Er hat mir den Rat gegeben: Wenn du in die NHL gehen willst, geh früh. Das tat ich. Er war ein absoluter Super-Profi und das in einer Zeit, als das Eishockey fast noch semi-professionell betrieben wurde. Viele meiner Mannschaftskollegen gingen noch anderen, „normalen“ Berufen nach. Aber Udo hat immer alles aus sich herausgeholt. Er war mit Herz und Einsatz dabei. Immer extra Liegestütz, immer extra Sit-ups – das war Udo. Die Lektionen, die ich bei Udo Kiessling gelernt habe, waren die Basis für meine Karriere. 

Wenn Sie auf diese Karriere zurückblicken – was bleibt hängen?

Mit den Haien wurden wir zwei Mal Meister, dann bin ich nach Nordamerika. Mit Rochester holten wir den Colder-Cup in der AHL. Es folgte mein Wechsel in die NHL. Gerne erinnere ich mich an die Saison 1990/91 – da wurde ich ins NHL-All-Star-Team gewählt. Ich spielte bei den Buffalo Sabres. Später, mit den New York Islanders, schafften wir es bis ins Play Off-Halbfinale. 1994 waren die Quebec Nordiques meine erste Station in Kanada. Das war eines meiner besten Eishockey-Jahre. Unvergessen dann natürlich 1996: Mit Colorado gewannen wir den Stanley Cup durch mein Tor in der dritten Verlängerung mit 1:0. Zwei Jahre später wählten mich die Fans ins NHL-All-Star-Team. Das war schon ein tolles Gefühl, als deutscher Profi von den Fans in diese besondere Auswahl bestimmt zu werden. 2002 holten wir mit Detroit den Stanley Cup. Auch wenn ich nicht viel gespielt habe – das war ein beeindruckendes Team, mit Hasek, Chelios, Hull, Yzerman, Fedorov oder Murphy – ein echtes All-Star-Team.  Anschließend begann die Leidenszeit des Uwe Krupp...

Es folgte eine Verletzung nach der anderen. Ich konnte zwar viel im konditionellen Bereich trainieren, aber NHL-Spiele sind von der Intensität noch mal ein Level über dem Training. Das ging nicht mehr. Ich hatte eine Knie-OP, eine Rücken-OP. Es war eindeutig: Mein Körper war einer solchen Belastung nicht mehr gewachsen. Hätte ich weitergemacht, könnte ich heute vielleicht nicht mal mehr als Knabentrainer auf dem Eis

stehen. 

Juckt es denn manchmal noch in den Fingern?

Der Juckreiz wird von den vielen Operationen überdeckt. Ich habe alles aus meinem Körper herausgesaugt, jetzt ist Schluss. Ich kann mit dem Kopf noch so oft gegen die Wand hauen, irgendwann bewegt sich die Wand nicht mehr. 

Der Stanley Cup Gewinn 1996 mit dem 1:0-Siegtor von Ihnen ist für viele Fans der Inbegriff von Uwe Krupp. Fühlen Sie sich manchmal zu sehr auf diesen einen Schuss reduziert?

Für mich war dieses Finale ein absolutes Highlight in meiner Karriere, aber eben auch nur ein Moment einer langen Laufbahn. In diesen Play Offs hat einfach alles geklappt. Ich kam nach einer langen Verletzung – eigentlich ein paar Monate zu früh – zurück ins Team und es hat alles gepasst. Oft fragen mich Menschen, ob das der wichtigste Moment in meinem Leben war. Wenn das so wäre, müsste ich gleich von der Brücke springen, denn man muss sich doch immer neue Ziele stecken. Das Ziel muss es sein, den Stanley Cup dann noch mal zu gewinnen. 


Im aktuellen Haie-Team sind viele junge Spieler – vielleicht ist ja ein neuer Uwe Krupp dabei. Was für einen Tipp geben Sie jungen Eishockey-Spielern?

Immer härter arbeiten als alle anderen. Und ich meine wirklich alle anderen. Nicht nur die zehn, 15 auf dem Eis, auch alle anderen, die deinen Job haben wollen. Dann hat man gute Chancen, weiter zu kommen als andere. Es reicht nicht, nur Schlittschuhe und Helm aufzusetzen. Man muss sich vorbereiten, auf die andere Mannschaft, den gegnerischen Spieler. „Be a student of the game“ muss das Motto heißen. Wenn ein Stürmer auf mich zukommt, muss ich wissen, welche Bewegungen er drauf hat. 

Sie haben eine beeindruckende Karriere hinter sich, was bringt die Zukunft, die nächsten 10 Jahre?

Eishockey war gut zu mir. Ich will davon etwas zurückgeben, will als Trainer und vor allem Lehrer jugendlichen Spielern helfen und sie formen. Mal sehen, wo ich und meine Frau in zehn Jahren sind, wahrscheinlich da, wo unser Sohn Björn aufs College geht. Wir wünschen uns natürlich, dass unsere Söhne Björn und Cedric eine gute Ausbildung genießen. Wir wünschen uns, dass beide auf die Universität gehen. Was wir ihnen mitgeben wollen, ist, dass sie ein sport-orientiertes, gesundes Leben führen. Die Lektionen, die sie im Sport lernen, können sie im ganzen Leben anwenden, egal, ob sie am Ende Eishockey-Profi, Uni-Professor oder Schreiner werden. Sie sollen die Schule ernst nehmen und den richtigen Einsatz zeigen. Wenn man sich immer zum Ziel nimmt, morgen besser als heute zu sein, kann einen kein Rückschlag erschüttern.

Uwe Krupp wird am Freitag, den

17.10., ab ca. 18.15 Uhr, Gast im Haie-Trainingszentrum, Gummersbacher Str. 4, Köln-Deutz,

sein und mit der Knabenmannschaft der Jung-Haie auf dem Eis stehen.


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