Individuelle Fehler und individuelle KlassePinguine verlieren in letzter Sekunde

Krefelds Trainer Franz Fritzmeier war nach der Niederlage gegen Nürnberg stinksauer. (Foto: Imago)Krefelds Trainer Franz Fritzmeier war nach der Niederlage gegen Nürnberg stinksauer. (Foto: Imago)
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Die Zuschauer konnten viele Tore sehen: Die Krefeld Pinguine unterlagen den Thomas Sabo Ice Tigers mit 6:7 (2:4, 1:2, 3:1).

Derbysieggestärkt und motiviert durch die Vertragsverlängerung von Patrick Klein, der wieder das Pinguin-Tor hütete, unternahmen die Krefelder den nächsten Versuch, die rote Laterne endlich los zu werden , auch wenn mit den Franken ein nicht gerade leichter Gegner auf dem Eis stand, gegen den es schon zwei  klare Niederlagen gegeben hatte. Außer den langzeitverletzten Tomás Duba und Steve Hanusch waren alle Pinguine an Bord. Spannung versprach auch die Fortsetzung des „Fernduells“ der  besten Torjäger der DEL zwischen Patrick Reimer und Martin Schymainski, die beide schon 21 Tore erzielt hatten.

Es war jedoch Herberts Vasiljevs vorbehalten, den ersten Treffer zu erzielen. In Minute 3 wanderte Matthew Murley auf die Strafbank, und als drei Ice Tigers an der Bande um die Scheibe kämpften, konnten Martin Schymainski und Daniel Pietta sie zu Vasiljevs passen, der frei auf halb links stehend Tyler Beskorowany oben rechts überwinden konnte. 30 Sekunden später gab es wegen einer harmlosen Aktion die zweite Strafe gegen die Franken. Beim Überzahlspiel im Nürnberger Drittel wurde Vasiljevs klar und deutlich gefoult, ohne dass dies geahndet wurde. Die Franken kamen in Unterzahl in Scheibenbesitz und fuhren einen 3:1-Überzahlangriff, den David Steckel mit dem 1:1-Ausgleich beendete, bei dem Klein keine Chance hatte. Die Pinguine gestalteten aber weiterhin das Spiel und konnten  in Minute 11 erneut in Führung gehen, als Henrik Eriksson an der Nürnberger blauen Linie einen Traumpass von Nick St. Pierre aufnahm und allein auf Beskorowany zulief. Wie aus dem Nichts glichen die Ice Tigers schon 23 Sekunden später erneut aus: ein harmloser Schuss wurde von Murley, der Klein die Sicht nahm, so abgefälscht, dass die Scheibe vom Schlittschuh des ihn bewachenden Verteidigers abprallte und an Klein vorbei über die Linie rutschte. Obwohl die beiden unverhofften und für die Pinguine sehr unglücklichen Tore deren Aufmerksamkeit und Konzentration hätten stärken müssen, zog zum Ende des ersten Drittels bei ihnen der Leichtsinn ein: zunächst standen gleich zwei Nürnberger so sträflich frei vor Klein, dass Steven Reinprecht mühelos das 2:3 erzielen konnte. Dann erhielt Brandon Segal eine große Strafe, und wieder in Überzahl verschenkten zwei Pinguine im eigenen Drittel völlig unnötigerweise den Puck an die Nürnberger Forechecker und Steckel  traf zum zweiten Mal in Unterzahl. Die Pinguine brachten sich selbst um den Lohn für ein eigentlich nicht schlechtes erstes Drittel.

Das Mitteldrittel begannen die Pinguine mit 3:38 Minuten Überzahl, eigentlich kein gutes Omen. Sie überstanden ihre eigene Unterzahl ohne Gegentreffer, beschäftigten Beskorowany aber nur wenig. Kaum waren die Ice Tigers wieder komplett, gaben sie ein weiteres Beispiel ihrer Abgeklärtheit: ihren nächsten Angriff fuhren sie in einen Krefelder Wechsel hinein, und Patrick Reimer konnte Treffer Nummer 22 verzeichnen – 2:5. Jedoch Krefeld spielte weiter nach vorne. Daniel Pietta (28.) und Robin Weihager (32.) liefen allein auf Beskorowany zu, konnten ihn aber nicht überwinden. In der nächsten Strafzeit gegen Nürnberg spielten Daniel Pietta und Nick St. Pierre  Eriksson wunderbar frei, der zum 3:5 abschließen konnte. Noch vor der Sirene jedoch stellten die Franken den Drei-Tore-Vorsprung wieder her: in der 40. Minute gab es einen dummen Puckverlust der Pinguine an der Nürnberger blauen Linie, den die Ice Tigers gewohnt effektiv mit einem Konter und dem 3:6 bestraften. In der Pause benannte Christian Kretschmann richtigerweise die Vielzahl der individuellen Fehler der Frackträger als Hauptgrund für den Rückstand.

Im letzten Drittel schienen sich beide Mannschaften zunächst auf Ergebnishalten verständigt zu haben, bis in der 49. Minute eine Kopie der Aktion, die zum 2:1 geführt hatte, den Pinguinen und ihren Fans wieder Leben einhauchte: diesmal passte Pietta aus dem eigenen Slot heraus herrlich auf Schymainski an der blauen Linie der Franken, der sofort auf Beskorowany zustürmte und seinerseits sein 22. Tor schoss. Nun erwachte der Kampfgeist der Krefelder erneut. Nürnberg zog eine weitere Strafe, und Mark Hurtubise gelang der Anschlusstreffer. In Minute 54 gerieten die Ice Tigers noch einmal  in Unterzahl, und nach einer Minute erzielte Daniel Pietta mit dem vierten Überzahltor der Pinguine den nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich zum 6:6. Chancen zum Krefelder Siegtor waren vorhanden, aber zunächst wurde ein klares und mehrfaches Haken der Nürnberger im eigenen Drittel nicht geahndet, dann sorgte die große Klasse eines Steven Reinprecht  dafür, dass eine Sekunde vor Schluss die Overtime vermieden wurde: er ging mit der Scheibe ins Krefelder Drittel, wurde nicht entschieden genug angegriffen und erzielte das 6:7.

Doppeltorschütze Henrik Eriksson meinte zum Spiel:  „Wir haben gut gespielt und sind von 3:6 auf 6:6 gekommen. Aber wir haben das Spiel verloren. Es fühlt sich verdammt verrückt an. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wir haben verloren, obwohl wir gut gespielt haben.“  Das Torschussverhältnis spricht mit 39:21 für die Pinguine.

Nürnbergs Trainer Martin Jiranek meinte, die Zuschauer hätten ein interessantes Spiel gesehen und war nicht ganz zufrieden mit der Leistung seiner Spieler. „Wenn man zwölf Minuten vor Schluss 6:3 führt, sollte man das Spiel auch erfolgreich zu Ende bringen. Wir nehmen die drei Punkte gerne mit. Das Tor eine Sekunde vor Schluss hat uns gerettet.“  Sein Pendant Franz Fritzmeier war total bedient: „Es ist heute schwer, nüchtern zu bleiben und Fakten zu nennen. Wenn man eine solche Leistung in der Abwehr bietet bzw. Nürnberg so leichtfertig die Tore schenkt, dann hat man es einfach nicht verdient zu gewinnen, auch wenn es aller Ehren wert war, wie wir gekämpft haben und zurück gekommen sind, aber so geht es einfach nicht. Wir können nicht immer alles schön reden, da muss man mal sagen, dass es von einigen einfach viel zu schwach war. Wir kämpfen und fighten, aber mit so einer Leistung kannst du in dieser Liga die Spiele nicht gewinnen.“

Torfolge: 1:0 (4.) Vasiljevs (Schymainski, Pietta) PP1, 1:1 (6.) Steckel (Borer, Printz) SH1, 2:1 (11.) Eriksson (St. Pierre, Klein), 2:2 (11.) Murley (Pfleger, Segal), 2:3 (18.) Reinprecht (Ehliz, Reimer) , 2:4 (20.) Steckel (Reimer) SH1, 2:5 (25.) Reimer (Nowak, Borer), 3:5 (32.) Eriksson (St. Pierre, Pietta) PP1, 3:6 (40.) Steckel (Pföderl, Klubertanz) , 4:6 (49.) Schymainski (Pietta, Valentine), 5:6 (52.) Hurtubise (Driendl, Pietta) PP1, 6:6 (55.) Pietta (St. Pierre, Schymainski) PP1 , 6:7 (60.) Reinprecht (Reimer, Ehliz). Strafen: Krefeld  2, Nürnberg  10 + 5 + Spieldauer (Segal). Schiedsrichter:  Steineke – Zehetleitner. Zuschauer:  3871.